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Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt (Realität/Wahrnehmung/Seele und Tod/Reinkarnation/Natur/Schöpfung/Gott), diese wiederum in mehrere Kapitel und es beschreibt eine Sicht auf die Welt, das viele esoterische und psychologische Themen streift (Leben/Tod, Reinkarnation, Träume, Bewußtseinszustände, Gottesmythen und Götter), diese Themen aber auch miteinander verbindet und unter der großen zentralen Aussage "Jedes Wesen schafft sich seine einene Realität" zusammenfaßt.
Gespräche mit Seth ist ein gechanneltes Buch. Die Sprache ist recht nüchtern, d.h. heißt, ganz ohne die bei gechannelten Büchern oft vorhandene Schwülstigkeit ("oh höret", "und ich sage euch", "es wird geschehen"). Die Autorin Jane Roberts spricht für ein Wesen, das sich selbst Seth nennt und Seth diktiert ein vollständiges Buch. (Vorher hatte Seth ca. 7 Jahre lang nur für die Fam. Jane Roberts/Robert Butts mehr oder minder privates Material diktiert.)
Deshalb ist es neben den Kapiteln in Sessions eingeteilt, d.h. Textblöcke die an einem Abend diktiert wurden ... so enthält ein Kapitel meistens mehrere Sessions, aber im Übergang kann es auch sein, daß ein Kapitelanfang mitten in einer Session liegt. Am Anfang jeder Session-Beschreibung sind kursive Anmerkungen über das tägliche Leben der Fam. Robers/Butts die z.T. notwendig sind, um Bemerkungen von Seth zu verstehen, in den er sich auf das Tagesgeschehen bezieht.
Bewertung:
Gleich vorweg. Dieses Buch ist eine Klasse für sich und verweist 95% der esoterischen und spirituellen Literatur was Vollständigkeit, Differenziertheit, undogmatisches Auftreten und Schlüssigkeit angeht, eindeutig auf die hinteren Ränge. Dafür kann es wegen seiner Nüchternheit überhauptnicht in der Kategorie "Wohlfühlfaktor" punkten.
Es füllt schlüssig die Lücke die die Erleuchtungsliteratur zwischen der pyhsischen Welt und dem Alles-ist-Gott Erlebnis läßt. Ja, auch hier wird dargestellt, daß die Welt wie wir sie kenne, nicht alles ist, aber wenn man lernt, die Illusion zu durchschauen ist dort nicht gleich das große Nichts, sondern neue Fülle und Vielfalt der Lebens- und Entfaltunsmöglichkeiten. Die Welt, sprich Illusion ist weder gottbestimmt noch vorbestimmt, sondern eine eigene Schöpfung in der jeder den Weg bestimmt, jeder ist der Schöpfer und die Fähigkeit dazu ist das eigentliche, was gemeinhin als "Gott ist in jedem Menschen/Wesen" gemeint ist.
Diese Weltsicht ist, obwohl sie von der Illusion handelt absolut lebens- und individualitätsbejahend und der Ausblick auf das Dahinter und Darüberhinaus schließt nicht ein Auslöschen und Gleichmachen des eigenen Selbst ein, auch kein Auflösen in der großen Seele Gottes, sondern ganz im Gegenteil eine Vergrößerung und Vertiefung der Individualität, eine Vergrößerung der eigenen Schöpfungsmöglichkeiten und -fähigkeiten.
Ein duchwegs aktiver, positiver, individualistischer Ansatz, der aber über die materielle Welt wie wir sie kennen weit hinausgeht. Die Erleuchtungs- und Ego-Überwindungsfraktion wird hier Zeter und Mordio schreien, von wegen Stärkung des Ego, Entfernung von Gott, aber hier liegt genau der fundamentale Unterschied des Seth Materials zum aktuellen esoterischen Mainstream.
Soll heißen, die momentan im esoterischen und spirituellen Zeitgeist so populären Ideen der Ego-Auflösung, Dualitätsverneinung, Erleuchtung, usw. finden nicht statt sondern werden statt dessen implizit in einen größeren Kontext gestellt.
Die Stärke des Buches liegt nicht so sehr in seiner Betrachtung der Einzelthemen, sondern in der Form wie diese ineinander verklammert werden. So wird z.B. die Idee der Reinkarnation unter dem Gesichtspunkt der Zeitlosigkeit betrachtet (etwas das ich bisher nirgends sonst gefunden habe und was sehr interessante Auswirkungen auf die Idee des Karma hat), verschiedne Religionen von ihrer dogmatischen Hülle befreit usw.
Die Schwäche liegt gleichzeitig in seiner Stärke, nämlich daß das Buch keine leichtverauliche Kost ist, und ein großes Maß an gedanklicher Flexibilität und eine heftige Portion Freigeist erfordert. Wobei Freigeist eben nicht nur bedeutet, über die Wissenschaft hinauszudenken, sondern auch die meisten der momentan populären religiösen und spirituellen Lehren als "irgend wie zu zu eng und unflexibel" zu erkennen, oder besser erkennen zu wollen.
Eine weitere kritische Hürde sind die kursiven Passagen aus dem tägl. Leben, die das Buch streckenweise zerfasert wirken lassen, weil man gleichzeitig zwei Handlungsstränge liest. (Überspringen des kursiven Texts ist aber relativ unproblematisch, auch wenn dann die eine oder andere Bemerkung etwas kryptsich wirkt).
Fazit:
Das Buch ist ein Muß für alle, denen die sonstige Esoterik zu kleinteilig, zu dogmatisch, zu blumig oder schlichtweg zu unschlüssig wirkt. Es ist wertvoll für alle, die ein Problem damit haben, daß sich nach dem Tod alls in Gott auflöst, die mit Karma und Sünde irgendwie schwer klarkommen, die zu viel Spaß am Verstand haben um ihn schlecht reden zu lassen und für all jenem denen die mit fernöstlicher oder religiöser Folklore beladenen Wege irgendwie suspekt vorkommen.
Nicht fündig wird, wer schnelle praktische Lebensberatung, einfache klare Antworten, blumige Sprache, esoterische Romantik oder den Reiz fernöstlicher Spiritualität sucht.
Weiterhin sei ggf. empfohlen "Die Natur der Persönlichen Realität" (Jane Roberts/Seth), die etwas größeren Praxisbezug und etwas leichteren philosophischen Unterbau hat. Außerdem möge, wer kann, die Originalausgaben in Englisch in Erwägung ziehen.
Die Zahl der von 'höherer Stelle' diktierten (gechanellten) Bücher dürfte mittlerweile in die Hunderte gehen. Da Phänomene dieser Art auf der Basis unseres noch vorherrschenden, kausal-analytischen Weltbildes nicht erklärt werden können, gelten sie bei blind Wissenschaftsgläubigen als nicht existent. Der Inhalt dieser Bücher muß damit die Ausgeburt von Betrug, Geltungssucht oder was auch immer sein. Aber auch aufgeschlossenere Zeitgenossen tun sich schwer, angesichts der Flut von Veröffentlichungen, deren Quellen immer phantastischer (von Aposteln bis zu Weltraumbruderschaften) und deren Inhalte immer hohler werden.
Dabei ist es ganz einfach zu differenzieren - nämlich anhand des durchgegebenen Materials selbst. Und hier gibt es keine Zweifel, daß die Botschaften von SETH von höchstem philosophisch-religiösem Anspruch sind. Die Lehren zeigen eine Verwandtschaft zur Theosophie, welche mit der Synthese von Wissenschaft, vergleichender Religionswissenschaft und alter Philosophie die Strukutur und den hierarischen Aufbau des Kosmos, seine Wirkungsweisen sowie die hinter allem stehenden Kräfte und Intelligenzen darstellt.
Allerdings ist dieses 'Wissen' nicht mal kurz im Vorbeigehen zu erlesen. SETH verwendet die 'esoterische' Lehrmethode, bei der Themen in einem Kapitel zunächst nur angedeudet, in einem anderen Kaptiel umrissen, später in einem weiterem Kapitel detaillierter behandelt und schließlich aus verschiedenen Blickwinkeln scheinbar wiederholt werden, bis schließlich, wenn die vorhergehenden Ideen aufgenommen sind, der ganze Gegenstand enthüllt wird.
Aus diesem Grund laufen gut gemeinte Zusammenfassungen oder Zitat-Sammlungen genauso ins Leere, wie weniger gut gemeinte Gegenüberstellungen von Textpassagen, welche die Wiedersprüchlichkeit und damit Unbrauchbarkeit des Materials belegen wollen. Wer die SEHT-Botschaft erfassen will, muß sich schon durch das ganze, für den linerar-anlytischen Verstand schwer zugängliche Material quälen – das kann Monate, Jahre dauern. Als Lohn hierfür zu versprechen, daß sich dadurch 'ihr Leben verändern wird' kann niemand, denn niemand weiß, wie das Leben ohne die Entscheidung, dieses Buch zu lesen, verlaufen würde. Oder doch? Laut SETH wird bei jeder bewußten Entscheidung die verworfenene Alternative durch ein wahrscheinliches Selbst in einer anderen Schicht der multidimensionalen Realität (zu der wir im Traum Zugang haben) verwirklicht. Das ähnelt nebenbei verblüffend sowohl den Gedankenkonstuktionen einiger SciFi-Autoren, als auch denen einiger Theoretischen Physiker.
Dieses Buch hat mit Sicherheit das Potential, die Weltsicht manches Lesers kräftig durcheinanderzuwirbeln, aber auch beträchtlich zu erweitern. Es bietet auch dort Erklärungen an, wo Verfechter des materialistischen-verhaltenspsychologischen Weltbilds nur ein Achselzucken auf Lager haben. Und es 'wirkt' lange nach. Vielleicht macht es sogar manchen Leser zu einem besseren Schauspieler/Zuschauer im absurden Weltentheater. Wen interessiert da noch, wer oder was SETH ist?
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