Das Buch ist eine Reise in die Vergangenheit. Nicht nur, dass es Akteure des kaum überschaubaren hellenischen Pantheons zu Wort kommen lässt, es ist auch in der ebenso alten literarischen Form des Dialogs gehalten. Wer meint, das Sujet sei nur ein Vehikel für tiefgründelnde Bezüge zur heutigen Welt mit ihren Wehwechen, denen sich unsere Literaten zu gern und zu ausführlich widmen, liegt hier - Zeus sei Dank - falsch. Pavese scheint mitgeschrieben zu haben, als sich Götter, Halbgötter und Nymphen unterhielten während sie sich allein wähnten, und gab das Erlauschte dann nur noch heraus.
Und die Mächtigen von einst dreschen kein leeres Stroh, Schachtelsätze sind unter ihrer Würde, denn was sie zu sagen haben, können sie klar sagen. Der Text ist eine Wohltat, ein Balsam für jeden, dem vom redundanten Geschwätz des größten Teils der Literatur die Ohren schrillen.
Wohl deswegen ist das Buch auch nicht sehr lang, und die jeweils nur ein paar Seiten langen Dialoge kämen der to-go-Einstellung der heutigen Gehetzten durchaus entgegen. Pavese, am Ende seines Schaffens, entgeht der Versuchung, dem Leser seine Absichten auf's Butterbrot zu schmieren und gibt die Bühne frei für allerlei Narren, die sich mit Deutungen dieses Buches entblößen.
Der düstere Ernst, die durchschimmernde Tiefe, das Fehlen einer Auflösung, die auch der letzte Dialog, eigentlich der Epilog des Buches, nur oberflächlich liefert, macht den Text zu einem Mysterium, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Und indem der Autor in seinen angespitzt lakonischen Vorreden zu den Dialogen beim Leser detaillierteste Kenntnisse der griechischen Götterwelt voraussetzt, gibt er dem Werk eine Dimension subversiven Humors, der Pavese als wahren Meister und Stilisten preisgibt.