Der ehemalige Präsident des Danziger Senats Hermann Rauschning verfiel anfangs der NS-Ideologie, legte aber im Herbst 1934 sein Amt nieder und flüchtete aus der freien Stadt ins Schweizer Exil. Dort schrieb er das „Grundbuch des deutschen Widerstands" (Golo Mann), eine umfangreiche Analyse des Nationalsozialismus mit dem Titel „Die Revolution des Nihilismus", die sehr kenntnisreich, eben aus der anfänglichen Nähe zur NS-Bewegung in 3 Teilen den Weg in den Nihilismus, die Rolle der Wehrmacht und die außenpolitischen Ziele Hitlers analysierte. Das Buch erschien 1938 in Zürich. Zwei Jahre später folgte „Gespräche mit Hitler", das in 17 Kapiteln von beispielhaften, aus Aufzeichnungen und Erinnerungen rekonstruierten Begegnungen mit Hitler berichtet, um dessen Einstellungen und Gedankenwelt näherzubringen.Zugleich handelt der Autor dabei chronologisch sein Scheitern als Danziger Senatspräsident im Konflikt mit den Zielen der Nazi-Partei ab, es ist also zugleich auch eine Art Rechtfertigungsschrift.
Beide Bücher stellen noch vor bzw. kurz nach Beginn des Krieges erschienene Warnungen dar, die sich an kritische Köpfe in Deutschland ebenso richteten, wie auch an die westliche Zivilisation insgesamt. Bedenkt man, dass Hitler bereits 1934 in diesen Gesprächen alle seine Zukunftspläne derart unverblümt im vertrauten Kreis enthüllte, kann man als Nachgeborener kaum fassen, warum das Ausland, speziell die westlichen Demokratien so lange zögerten, ihm Einhalt zu gebieten.