Neale Donald Walsch dürfte eine der bekanntesten lebenden Figuren der New-Age-Szene sein. Stephen Simon, der schon die bildgewaltige und zurecht Oscar-prämierte Jenseits-Reise "Hinter dem Horizont" mit Robin Williams produziert hatte, legt hier ein fast schon minimalistisch nüchternes und sehr persönliches Werk vor, bei dem er auch gleich selbst Regie geführt hat.
Es geht um die Vor- und Entstehungsgeschichte der Mega-Seller "Gespräche mit Gott", wie aus dem chronisch untreuen tragisch mit seiner Mutter verstrickten Radiomoderator Neale Donald Walsch (eindringlich verkörpert von Henry Czerny, der sicher Komödienfans noch als "Yuri der Trainer der trainiert" in Steve Martins genialem "Der Rosarote Panther"-Remake in Erinnerung sein dürfte) durch einen Unfall, der einen angebrochenen Halswirbel zur Folge hat, über einige Erfahrungen als arbeitsloser Obdachloser der erfolgreichste Channeling-Autor aller Zeiten wird. Der Film arbeitet dabei sehr schlicht:
Zum einen gibt es Ausschnitte aus öffentlichen Talks und anschließenden Diskussionen mit Zuhörern, zum anderen gibt es die biographischen Erlebnisse um den Unfall herum, die spät gestellte Diagnose, die Obdachlosigkeit usw. bis hin zur unerwarteten Stimme, die beginnt Neal die Antworten auf seine Fragen zu diktieren. Einziges weiteres Stilmittel sind gelegentliche Rückblenden auf die Hauptperson als Kind gemeinsam mit seiner Mutter, in denen beklemmend herausgearbeitet wird, wie sehr Walsh systemisch an seine Mutter gebunden war und wie sehr das auch seine späteren Beziehungen zu Frauen in Mitleidenschaft gezogen hatte.
Walsch selbst schrieb das Drehbuch und zeigte dabei durchaus Mut zum Risiko. Er erliegt nicht der Versuchung, seine Biographie zu schönen und zeigt den Mut, auch seine Kindheitswunden anzuschauen. Im Verlauf der Handlung zeigt sich allerdings schon ein wenig der us-amerkanische Duktus der "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichten, wenn der Autor zunächst aufgrund seiner Verletzung durch den Unfall keine Anstellung mehr findet, dann auf der Straße landet (warum genau er seine Familie nicht um Hilfe bittet, bleibt allerdings dem Zuschauer verborgen) und schließlich seinen ersten Millionen-Deal mit einem großen Verlagshaus abschließt.
Fazit: Durchaus gelungene Autobiographie einer erfolgreichen und bekannten New-Age-Persönlichkeit, die allerdings insgesamt etwas scherenschnittartig bleibt, so dass mit einem unabhängigen und professionellen Drehbuchautor sicher eine noch spannendere und tiefgründigere Auslotung der Biographie von Neale Donald Walsch möglich gewesen wäre.