Über 100 Jahre ist er alt, der Vampir Louis. Doch Ruhe und Zufriedenheit hat er in all den Jahren nicht gefunden, seit er im achtzehnten Jahrhundert zu einem Vampir wurde. Er hat zwar seitdem viel erlebt und verloren, doch nie wirklich seine menschliche Seite mit der des Vampirs in Einklang bringen können. In einem Interview mit einem Reporter erzählt er seine Lebensgeschichte, die vor allem durch den Vampir Lestat und die ambivalenten Gefühle Louis' zu ihm geprägt werden und den Leser mit auf eine Reise von New Orleans nach Paris nehmen.
Das Buch hat eine melancholisch-nachdenkliche Grundstimmung, entsprechend Louis' Einstellung, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Zwischendrin fand ich den Ton manchmal ziemlich bedrückend, weil es zu viel des Guten wurde und eine leicht deprimierende Wirkung auf mich hatte, und musste beim Lesen pausieren. Aber gleichzeitig könnte ich mir auch keine andere Stimmung für die Erzählung vorstellen, die so gut passen würde.
Etwas schade fand ich es, dass Lestats Vergangenheit so im Dunkeln bleibt, wo er doch als "Erzeuger" und Mentor eine wichtige Rolle spielt und so sein Verhalten manchmal einfach unerklärlich ist. Ich weiß zwar, dass Lestat im Folgeband selbst die Hauptrolle spielen wird und verstehe daher schon, dass die Autorin die Information dafür aufheben will, aber manchmal hätte etwas mehr Wissen doch geholfen um Szenen zu verstehen.
Im Gegensatz zu Lestat aber sehr faszinierend und wundervoll dargestellt fand ich Claudia, die für mich Louis als eigentliche Hauptperson, mehrmals in den Hintergrund gedrängt.
Auch lobenswert ist die sehr atmosphärische Darstellung von New Orleans und Paris, welche Frau Rice wunderbar gelungen ist. Die Beschreibungen sind sehr anschaulich, so dass man es sich total gut vorstellen kann.
Insgesamt ein schöner Serienauftakt wenn auch mit manchmal zu melancholischer Stimmung. Ein düsteres, nachdenkliches Buch, das sich mit seinem Vampirbild und der zugrunde liegenden Frage, ob Unsterblichkeit wirklich so erstrebenswert sei, deutlich von dem meisten anderen Bücher abhebt.