Ich muss dir viel erzählen.
Das ist der letzte Satz im Roman Gespräch in Meeresnähe. Der Satz ist auch das zentrale Thema der Geschichte: Immer schwebt Unausgesprochenes über den Figuren, es fehlt an Kommunikation. Iris Mutter Safran spricht kein Wort. Sie wirkt in ihrer Stummheit verrückt, unnahbar verschlossen. Als Kind sieht Iris, wie ihre Mutter sich mit einem Bimsstein die Haut scheuert bis sie blutet. Iris ist ihr sehr ähnlich. Sie nimmt zwar keinen Stein, kratzt sich aber die Haut blutig, weil sie an Neurodermitis leidet. Sie lässt sich nicht berühren, sehnt sich aber nach Nähe. Ihr Leiden hat eine lange Geschichte und kann nicht getrennt werden von dem Leben ihrer Großmutter und Mutter
Gespräch in Meeresnähe fesselt vor allem durch die ungewöhnlich lyrische Sprache. Die Sätze sind durchdrungen von Metaphern, präzisen Beschreibungen und neuen Wortkombinationen. Sensibel, farbenreich und schattenreich erzählt Sudabeh Mohafez davon, dass man erst seine eigene Vergangenheit kennen muss, um seine eigene Gegenwart zu verstehen.
Die hochpoetische Sprache, die auch ein wenig experimentell anmutet, fordert Aufmerksamkeit und den guten Willen, sich darauf einzulassen. Die Entdeckungsreise lohnt sich aber auf jeden Fall Sudabeh Mohafez Sprachstil ist oft genial, erinnert manchmal an den Stil Rilkes in Malte Laurids Brigge ihr Stil ist aber eigenwilliger und er pendelt zwischen verträumt altertümlich und realistisch-modern.