Grandioser Geisterspuk als fulminanter Auftakt von Lübbe's Gespensterkrimi-Serie. Rundum launig erzählt, flott inszeniert und beispielhaft typengerecht besetzt - das Produzententrio Sieper, Simon und Stelkens hat vom Kreativteam um Oliver Döring ein stimmiges Spukschloss-Hörspiel erhalten. Vielleicht das beste seit Europas „Gespenst vom Schlosshotel" in den 70ern. Ein Hörspiel, das heute, in den 2000-ern, in einem Spukschloss angesiedelt ist? Von alten Flüchen, Frauen in Weiß, magischen Amuletten und Hexenzauber handelt? Wo das Gebälk des Nachts knarzt, unerklärliche Geräusche und Kinderstimmen durch die spinnenverwebten Flure hallen und sich vermauerte Geheimgänge auftun? Aber ja doch! Tausendmal ja! Diese schwarzromantischen Motive sind gerade heute wieder en vogue; sie sind einfach unschlagbar, denn unsere Sehnsucht nach Mystischem und altüberliefert Übernatürlichem ist stärker denn je. Nichts lässt uns so wohliger erschauern und die Bettdecke genussvoller bis ans Kinn ziehen, als eine Story, die in einem alten europäischen Gemäuer angesiedelt ist. Amerikanische Provinzstädte, in denen ein gewöhnlicher Feld-, Wald- und Wiesen-Massenmörder, der vermutlich eine schlechte Kindheit hatte, sein Tagwerk verrichtet oder hochtechnisierte Labore, denen künstlich erschaffene übelgelaunte Kreaturen entfleuchen, können da im Gemütlichkeits- und Athmosphärefaktor einfach nicht mithalten. Lübbe erfindet das Rad nicht neu, Dörings Variation der Gespenster-Thematik ist sicher nicht innovativ ...doch besser gut variiert als krampfhaft erneuert. Auch das Unveraltete ist neu. Zumindest, wenn es so gut unterhält, wie das „Verlies der blutigen Träume".