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Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute
 
 
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Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute [Gebundene Ausgabe]

Martin van Creveld , Norbert Juraschitz
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Dass Creveld von der Sozialgeschichte – ein besonderes Augenmerk gilt der Rolle der Frauen – bis zur militärischen Fachschriftstellerei und ihrem Einfluss auf einen doch kaum zu planenden Kriegsalltag alle Aspekte seines Themas im Blick hat, hebt sein Buch über die Dumpfheit jeglicher Landserliteratur weit hinaus.« (Süddeutsche Zeitung )

»Martin van Crevelds Buch ist eine politische Provokation wie eine kluge und informierte Darstellung eines Jahrhunderts Kriegsgeschichte in einem. Man muss sich bei der Lektüre entscheiden, worauf man achten will: auf die Provokation oder die Information. Beides zusammen geht nicht. In jedem Fall aber ist es ein Buch, das die ausgetretenen Pfade der Kriegsdarstellung verlässt und mit eigenständigen Sichtweisen aufwartet. Die Lektüre ist gewinnbringend. Aber sie ist auch belastend und irritierend.« (Die Zeit )

»Teils überraschende, aber immer überzeugend vorgetragene Schlussfolgerungen.« (e-politik.de )

Kurzbeschreibung

Der Wandel des Krieges. Und was wir daraus lernen können

Martin van Creveld schildert, wie sich Krieg und Gewalt im 19. und 20. Jahrhundert dramatisch veränderten und fragt, was wir den neuen Formen terroristischer Kriegführung wirksam entgegensetzen können. Ein faszinierender und dringend notwendiger Blick in die Vergangenheit, um die kriegerischen Auseinandersetzungen von heute und morgen zu verstehen.

Kriege und Kriegführung haben seit der Schlacht an der Marne im Jahr 1914 ihr Gesicht dramatisch verändert. Der Militärexperte Martin van Creveld beschreibt den Wandel des Krieges von den Massenbewegungen und Stellungsschlachten der beiden Weltkriege über die Konflikte im Schatten des Kalten Kriegs bis zu den ungleichen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte zwischen regulären Armeen und irregulären Guerillatruppen.

Anschaulich schildert er die wechselhaften Gesetze des Krieges, alte und neue Theorien der Kriegführung, folgenreiche technische Innovationen, das zunehmende Leiden der Zivilbevölkerung und die schwierigen Fragen nach Verantwortung und Kriegsschuld. Historische Betrachtung verknüpft van Creveld mit der eindringlichen Analyse gegenwärtiger Probleme und einem Ausblick auf mögliche Krisen: Was bedeutet es für die Zukunft bewaffneter Konflikte, wenn hochgerüstete Armeen wie etwa die der Amerikaner im Irak oder die israelische Armee in Gaza scheitern? Welche Art militärischer Auseinandersetzungen haben wir zu erwarten?


• Umfassende Geschichte der Kriegführung im 20. Jahrhundert
• Hilft aktuelle Kriege zu verstehen und einzuschätzen
• Der Autor ist einer der führenden Militärhistoriker der Gegenwart

Klappentext

»Das Buch van Crefelds steckt voller wichtiger Erkenntnisse, er greift zurück auf unzählige Detailstudien, ein geradezu enzyklopädisches Wissen über Militärtheorien und referiert vor allem die technische, industrielle und infrastrukturelle Seite des Krieges.«
Deutschlandradio

Über den Autor

Martin van Creveld, geboren 1946 in Rotterdam, ist einer der renommiertesten Militärhistoriker unserer Zeit. Seit 1950 lebt er in Israel. Er studierte an der London School of Economics und an der Hebräischen Universität in Jerusalem, wo er seit 1971 als Professor für Geschichte lehrt. Darüber hinaus ist er als militärischer Berater und Referent in der gesamten westlichen Welt tätig.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befinden sich die am besten ausgerüsteten, am besten ausgebildeten, finanzkräftigsten und mächtigsten Streitkräfte aller Zeiten im Niedergang. Eine Fülle von Beispielen lässt sich für ihr Scheitern anführen. Fast vergessen scheint die Zeit, als Israelis gegen die Streitkräfte aller arabischen Länder gleichzeitig gekämpft und gesiegt haben. Nachdem sie siebzehn Jahre lang vergeblich versucht haben, den Aufstand der Palästinenser zu unterdrücken, geben die Israelis nun auf und ziehen sich aus dem Gaza-Streifen und Teilen des Westjordanlandes zurück - früher oder später folgt zweifellos auch der Abzug aus einem großen Teil der übrigen besetzten Gebiete. Andere Armeen befinden sich in einer ähnlichen Misere. Nach zehn Jahren Krieg in Tschetschenien, nach der Zerstörung Grosnys und nachdem Zehn-, wenn nicht sogar Hunderttausende ihrer Gegner getötet, verwundet oder heimatlos wurden, sind die Russen immer noch außerstande, ein Land mit zweieinhalb Millionen Einwohnern zu befrieden. In Thailand, in Indonesien und auf den Philippinen, ja, in einem Dutzend anderer Länder sind reguläre Truppen in sogenannte Operationen zur Bekämpfung von Aufständischen und Terroristen verwickelt. Gemessen an der reinen Militärmacht sind all die oben genannten Streitkräfte ihren Gegnern weit überlegen. Dennoch scheint keine einzige Armee nennenswerte Fortschritte zu erzielen, und höchstwahrscheinlich werden die meisten ihre Niederlage früher oder später eingestehen müssen.
Besonders beunruhigend ist der Fall der Amerikaner im Irak. Hier soll nicht diskutiert werden, ob die Entscheidung, Saddam Hussein anzugreifen, gerechtfertigt war oder nicht. Es sei hier nur gesagt, dass die Vereinigten Staaten als einzige Supermacht weltweit die schlagkräftigsten Truppen besitzen und ihnen eine Technologie zur Verfügung steht, mit der es kaum ein anderes Land aufnehmen kann. Der auserwählte Feind war ein kleines Entwicklungsland mit einem so viel niedrigeren Bruttoinlandsprodukt, dass sich jeder Vergleich erübrigt. Zwölf Jahre zuvor hatte der Irak bereits zwei Drittel seiner Streitkräfte verloren. Der Rest bestand, wie sich schon bald herausstellte, aus schlecht ausgebildeten, unwilligen Rekruten, die lediglich ein paar verrostete alte Fahrzeuge besaßen. Statt ihre Flugzeuge in die Lüfte zu schicken, vergruben sie sie im Sand; statt zu kämpfen, warfen sie die Waffen weg und gingen nach Hause. Doch kaum waren "die Kampfhandlungen im Irak weitgehend beendet" - um Präsident Bushs Siegesrede zu zitieren -, da wurde deutlich, dass die US-Streitkräfte, die innerhalb von nur drei Wochen ein Land von 438 000 Quadratkilometern besetzt und dessen Hauptstadt eingenommen hatten, außerstande waren, mit ein paar Tausend Terroristen fertig zu werden. Anfang 2005, nachdem bereits zehnmal mehr Soldaten den Terroristen zum Opfer gefallen waren als den irakischen Truppen während des gesamten Feldzugs, kämpften die Amerikaner immer noch gegen sie an. Ihre Stellung war inzwischen so schwach, dass ihre irakischen Gegner sich nicht einmal mehr die Mühe machten, auf sie zu schießen. Stattdessen nahmen die Terroristen, die sich schon zu diesem Zeitpunkt auf den Tag nach dem unvermeidlichen Abzug der Amerikaner vorbereiteten, verstärkt die eigenen Landsleute ins Visier.
Will man die Gegenwart verstehen, so studiere man die Vergangenheit. Woher kam die Kriegführung des 20. Jahrhunderts? Wie entwickelte sie sich aus ihren Vorläufern im 19. Jahrhundert? Wie konnte es so weit kommen, dass Streitkräfte irgendwann imstande waren, ganze Kontinente zu überrennen? Wann erreichten diese großen Streitkräfte den Höhepunkt ihrer Macht, weshalb verloren sie an Einfluss und wie gerieten sie in die derzeitige Sackgasse? Gibt es einen Ausweg, oder sind reguläre, staatliche Armeen zukünftig zur Ohnmacht gegenüber kleinen, häufig schlecht organisierten Gruppen von Terroristen verdammt? Das vorliegende Buch, eine kurze Geschichte des Krieges im letzten Jahrhundert, ist der Versuch, Antworten auf diese Fragen zu finden.
Die wohl größte Herausforderung besteht dabei in der Entscheidung, welche Aspekte aufgegriffen werden sollen - und welche nicht. Es liegt auf der Hand, dass der Versuch, die Geschichte des Kriegs im 20. Jahrhundert ohne politischen, wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Hintergrund zu erzählen, ebenso unmöglich ist wie etwa die Beschreibung eines Chamäleons ohne Berücksichtigung der Umgebung, in der es lebt. Und ganz offensichtlich muss jedes Buch, das sich ein solches Ziel setzt, gigantische Ausmaße annehmen. Ich habe mich für einen Kompromiss entschieden, indem ich zwar ausreichend Hintergrundinformationen liefere, um die Kriege, Feldzüge und Schlachten verständlich zu machen, die militärischen Operationen selbst aber der zentrale Strang der Fragestellung bleiben.

Vorspiel (1900-1914)

Staaten, Armeen und Flotten

Um 1900 zweifelte niemand daran, dass eine "Großmacht" ausschließlich von einer anderen "Großmacht" wirklich in Gefahr gebracht werden konnte. Tatsächlich wird in der umfangreichen strategischen Literatur dieser Zeit eine andere Möglichkeit nicht einmal in Betracht gezogen. Bezieht man Italien mit ein, gab es insgesamt acht Großmächte. Von diesen acht lebte in nicht weniger als sieben eine fast ausschließlich vom Christentum geprägte Bevölkerung. Darüber hinaus lagen fünf dieser acht Großmächte auf dem kleinen Kontinent namens Europa. Auch das Kernland Russlands befand sich auf europäischem Gebiet, auch wenn sich das Zarenreich über ganz Asien bis zum Pazifik erstreckte. Nur zwei Mächte, die Vereinigten Staaten und Japan, waren geografisch vom "alten" Kontinent getrennt. Doch selbst diese beiden verdankten ihre Stärke der europäischen Herkunft ihrer Bevölkerung und/oder der erfolgreichen Übernahme europäischer Ideen, Methoden und Techniken.
Diese geballte Konzentration militärischer Macht - das Ergebnis einer Reihe außerordentlich glücklicher Umstände, die sich im Laufe der Jahrhunderte ergeben hatten - ermöglichte es diesen Staaten, fast die gesamte Welt unter sich aufzuteilen. Seit dem Jahr 1500 hatten europäische Länder Kolonien in Übersee gegründet. Europäische Schiffe fuhren unter vollen Segeln und mit Kanonen ausgerüstet über die Meere. Unter der Führung der Abenteurer Christoph Kolumbus, Vasco da Gama und ihrer Nachfolger erreichten sie jeden Winkel der Erde. Wo auch immer die Eroberer auf Widerstand trafen, schossen sie ihn nieder. Indessen war es für Nichteuropäer, wenn überhaupt, nur mit einer Einfuhrerlaubnis als exotisches Schaustück möglich, nach Europa zu gelangen.
Abgesehen von Lateinamerika waren China, Thailand, Äthiopien, Liberia, das Osmanische Reich, Iran und Afghanistan die einzigen nichteuropäischen Länder, denen es gelang, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Das lag weniger an ihrer eigenen Stärke, sondern in erster Linie daran, dass die europäischen Mächte, uneinig über die Aufteilung dieser Länder, ihretwegen keinen Krieg anzetteln wollten. Einige wurden offiziell zu Pufferzonen deklariert.
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