15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Interessanter Überblick, 4. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute (Gebundene Ausgabe)
Martin van Creveld ist langjähriger Berater der amerikanischen Militärführung, seine Werke und Vorträge sind Pflichtlektüre, wenn man in der amerik. Armee eine höhere Laufbahn einschlagen will.
In "Gesichter des Krieges" gibt Creveld einen sehr guten und vor allem gut zu lesenden Gesamtüberblick über den Wandeln in der Kriegführungs des 20. Jahrhunderts und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Mit in Bertracht zieht er vor allem die Veränderung der Waffentechnologie, die eigentlich immer weiter als die Kriegstaktik selbst war und so die Zeit der Massenarmeen und -angriffe taktisch eher obsolet gemacht hat.
Eher als es irgendwelche Militärstrategen wahr haben wollten oder konnten ...
Das Buch ist gut zu lesen, da interessant geschrieben, viele Sachen weiß der Leser sicherlich noch aus dem Geschichtsunterricht, jedoh zeigt Creveld hier einfach und brillant Zusammenhänge und auch Übergänge auf, sodass mir hierbei so manche neue Details erst richtig bewusst wurden.
Was hatte die "Tatik" des WWI genau für Auswirkungen auf Hitlers doch nicht so neue Kriegsführung auf den WWII genau? Welche Rolle kam dem Panzer oder dem zugkräftigen Verbrennungsmotor im Speziellen genau zu? Was hat das Flugzeug tatsächlich geändert und in welcher Rolle gliederte es sich letztlich so effektiv in eine bestehende Armee ein?
All diese Fragen scheint zwar fast jeder mit einem: "Ist doch klar, das ist doch ..." beantworten zu können, doch in "Gesichter des Krieges" wird es noch einmal messerscharf umrissen und deutlich zeitl. von einander eingeordnet und bewertet, sodass es eindeutig nachvollziehbar wird.
Auch den Aufstieg und Fall von Supermächten im Speziellen behandelt das Buch sehr detailliert. So gelangt Creveld gegen Ende auch zu den Massenvernichtungswaffen -- den Atom- und Wasserstoffbomben und zieht auch hier zeitgeschichtliche und logische Schlüsse aus deren Präsenz.
Creveld gelangt so sogar zu einem Ausblick ... also wie können Konflikte, die nicht mehr mit offenen oder offiziellen Kriegerklärungen einhergehen aussehen, können solche Konflikte letztlich überhaupt gewonnen werden? Und wenn ja, von wem?
Über die perspektivischen Aussagen des Buches mag jeder Leser geteilter Meinung sein, mir persönlich fiel es "leicht" Crevelds aufbauende und geschichtliche Argumentation bis dahin nachzuvollziehen. Das ist ja bekanntlich schon eine gesunde Grundlage für ein Akzeptieren oder Verstehen einer Meinung eines Referrenten/Anderen.
Ob ich seine neuzeitlichen Theorien alle im Detail teile oder stütze, weiß ich nicht genau -- sie sind sicherlich ein sehr fundierter Ansatz und ich bin kein Militärstragtege, sondern ein interessierter Laie ...
Jedoch schreibt Creveld auch zu den "Laien", dass gerade diesen, im "normalen" Leben stehenden Menschen, mit dem Vorteil des "außen stehenden Betrachters" in den neuzeitlichen Konflikten eine sehr große intuitive Bedeutung für die Weitereinwicklung von Tatikten zukommt und schon immer zukam, wenn diese tatsächlich mit in die neuen Probleme mit einbezogen und dazu befragt werden.
Insgesamt ein 4--5 Sterne Buch. Ein Muss für jeden militärgeschihtl. interesstierten Leser!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klar und unideologisch! Super Buch!, 30. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute (Gebundene Ausgabe)
Egal ob man noch nie was zum Thema gelesen hat (dann lernt man es gleich richtig) oder schon häufig (dann ordnet sich der Infowust), wird man aus diesem Buch großen Gewinn ziehen.
Martin van Creveld nimmt auf niemanden und nichts Rücksicht und kann deshalb wunderbar zeigen, was wirklich zählt und was nur Blendwerk ist. Ist ein Krieg uninnovativ, unwichtig und aussagelos, dann wird van Creveld ihn auch so bezeichnen, egal wer daran beteiligt war, wieviele Leute dabei starben und ob wir mit den Siegern befreundet sind.
Der Blick ist dabei von der Zielsetzung her rein militärisch. Ein Diktator kann dieses Buch genauso mit Gewinn lesen wie ein Basisdemokrat.
Der Autor ist dabei mitnichten herzlos. Denn wenn es um das rasche Gewinnen eines Krieges geht, ist auch immer eine Senkung der Opferzahlen mit dabei. Letztendlich tötet nichts so viele Menschen wie verschleppte Kriege oder aus dem Ruder gelaufene Aufstände.
Am Ende wendet sich der Autor noch einem brandheissen Thema zu: wie gewinnt man einen Krieg gegen Aufständische. Überraschende Antwort: genau wie man Kinder erzieht. Egal ob sanft oder hart: Konsequenz ist das Zauberwort. In diesem Fall: entweder ganz rechtsstaatlich, ordentlich und mit hohen Verlusten an Polizei und Soldaten. Oder knallhart, schockartig, ohne Entschuldigung, mit möglichst vielen Toten. Klingt böse? Ist es aber nur, wenn die Alternative ein Frieden wäre. Wo aber Aufständische unterwegs sind, kündigt sich oft ein grässlicher Bürgerkrieg an.
Ein tolles Buch, unbedingte Leseempfehlung, vor allem, wenn Sie meinen, den Thesen nicht zustimmen zu können.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erfrischend zu lesen, 22. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute (Gebundene Ausgabe)
Crefeld ist ein eiskalter Denker, er untersucht das Weses des Krieges, genauso wie Schopenhauer dereinst das Wesen der Menschen:
er sammelt Fakten, er analysiert und präsentiert uns das Ergebnis, ohne Wunschvorstellungen oder ideologische Projektionen drauf zu betten.
Ein klarer Geist, wie man ihn sich öfter wünscht.
Apropos Machiavelli, der hat seinerzeit ähnlich gedacht, er ist nur aus ideologischen Gründen später verteufelt worden.
Unaufgeregtes Schreiben ist eine große Kunst.
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