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Gesichter des Islam: Begegnung mit einer faszinierenden Kultur
 
 
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Gesichter des Islam: Begegnung mit einer faszinierenden Kultur [Gebundene Ausgabe]

Reinhard Baumgarten
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 173 Seiten
  • Verlag: Theiss (1. Oktober 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3806223742
  • ISBN-13: 978-3806223743
  • Größe und/oder Gewicht: 27,6 x 21,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 338.692 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Salam alaikum! Auf der ganzen Welt begrüßen sich Muslime heute mit dieser Formel 1400 Jahre nachdem der Erzengel Gabriel nach muslimischem Glauben dem Propheten Mohammed in Mekka den Koran diktierte. Fremd ist nur, was man noch nicht kennt! Nach den erfolgreichen ARD-Reihen über das Christentum und das Judentum hat sich ein Filmteam auf die Reise gemacht, den Islam kennen zu lernen und ein besseres Verständnis dieser faszinierenden Kultur zu ermöglichen.
"Gesichter des Islam" ist ein versöhnliches, aber nicht unkritisches Porträt. Es führt zu Menschen, die den Islam als Religion und Lebensweise praktizieren, und zu Wissenschaftlern und Autoren, die ihn als Weltanschauung und gesellschaftliche Kraft verstehen, aber auch modernisieren wollen. In Interviews schildern prominente Persönlichkeiten ihre Sicht der Religion: Tarik Ramadan, der für den Islam und den Westen Wege des Zusammenlebens sucht, Shirin Ebadi, die im Kampf für eine Reform im Iran ihr Leben riskiert und als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis erhielt, und viele andere Vertreter des Islam.
Das Begleitbuch führt zu geschichtsträchtigen Stätten und in die Mitte des modernen Alltagslebens: in Moscheen, auf Märkte, in Schulen, Filmstudios, Internetcafés und in so unterschiedliche Länder wie Marokko, Indonesien, Ägypten, die Türkei, Saudi-Arabien, den Iran und nicht zuletzt Deutschland.

Über den Autor

Reinhard Baumgarten arbeitete als ARD-Korrespondent in Kairo. Er hat Islamwissenschaften und Arabistik studiert und arbeitet im Ressort Religion, Kirche und Gesellschaft beim Südwestrundfunk in Stuttgart.

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Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Dass die sogenannte islamische Welt eine sehr kulturreiche ist bezeugen die vielfältigen über die Jahrhunderte erhalten gebliebenen Reiseberichte aus dem als faszinierend empfundenen Orient. In "Gesichter des Islam" erforscht Reinhard Baumgarten aus heutiger Sicht islamische Lebenswelten von Spanien bis Indonesien.

Baumgarten beginnt sein Panorama mit der Türkei als säkularen Staatsmodell für die islamische Welt. Nach einem Ausflug zur Süleymaniye, der für Süleyman den Prächtigen vom osmanischen Michelangelo Sinan erbauten Moschee, folgt ein Ausflug in die Geschichte der modernen Türkei, in der Staat und Religion seit 1924 getrennt sind und an Universitäten ein striktes Kopftuchverbot herrscht. Neben Atatürks Aufstieg beschäftigt sich Baumgarten dabei mit der Frage wie aus dem Rumpf des Osmanischen Reiches schließlich die kemalistische Türkei hervorgehen konnte. Das aktuell interessante Verhältnis zwischen religiös-konservativen und säkularen Türken versucht Baumgarten durch die Sängerin Habibe und die Germanistik-Studentin Esin zu beleuchten. Dass die Türkei eine gewisse Vorbildwirkung für die islamische Welt und insbesonders auch die arabischen Staaten inne haben könnte zeigt auch das dort sehr rege Interesse an den Imam Hatip Schulen, die seit 2004 rechtlich mit den Gymnasien gleichgestellt sind und religiösen mit allgemeinbildenden Unterricht verbinden. Diese einstigen Predigerschulen haben sich zu Vorzeigeinstitutionen entwickelt und erinnern nicht von ihrer Konzeption als Internate nicht von ungefähr an europäische Stiftsgymnasien oder manch kirchliche Schulen, die auch in unseren Breitengraden aufgrund ihres Renommees oft noch als Eliteschulen gelten. Zusätzlich bietet das Kapitel eine Gesprächszusammenfassung mit Imam Hamil Öndes und auch dem einflussreichen islamischen Gelehrten Yasar Nuri Öztürk, der einen Islam für das 21. Jahrhundert vertritt.

Das Beispiel Indonesiens als multiethnischer, multireligiöser und multikultureller Staat soll anschließend zeigen dass der Islam entgegen des Klischees nicht immer mit Feuer und Schwert verbreitet wurde, sondern auch dur Händler und Märtyrer verbreitet wurde. In Indonesien haben etwa die islamischen Puppenspieler, die Ki Dalang, viel zur Verbreitung des Islam beigetragen, denn zu ihren auch heute noch bis zu 20 Stunden dauernden Vorführungen erhielten nur Muslime Zutritt. Indonesien wo sich Magie und Mystik mit der lokalen Islamauslegung und Verehrung Sufi-Heiliger verbunden haben steht jedoch wie viele andere islamische Staaten im Spannungsverhältnis von Traditionalisten und Modernisten, denn vor allem die Modernisten streben eine Arabisierung des Landes an und verdammen alle Besonderheiten des indonesischen Islam als Neuerungen die abgeschafft werden müssen. Trotz eines medial bekannten Extremismus der zu einigen Anschläge geführt hat, genießen die islamischen Parteien keine Höhenflüge und müssen sich mit sinkender Zustimmungsraten zurechtfinden. Anknüpfend an das Beispiel der Imam Hatip Schulen besucht Baumgarten auch einige Pesantren-Schulen, wo Islamfächer am Lehrplan stehen.

Schon das dritte Kapitel überrascht ein wenig, denn hier verfolgt Baumgarten die Spuren des Islam in Deutschland und führt den Leser zunächst zur Begegnungsstätte der Merkez Moschee in Marxloh, die seit 2008 150.000 Besucher zu verzeichnen hatte. Das "Wunder von Marxloh" ist dass diese Moschee samt Minarett und osmanischen Kuppelbau verwirklicht werden konnte, weil die Bauherren wirklich auf die Anrainer zugegangen sind. Dazu lässt Baumgarten vor allem Zehra Yilmaz zu Wort kommen, die evangelische Theologie, Germanistik und Sozialpädagogik studiert hat und nun Führungen durch die Begegnungsstätte leitet. Darauf folgt ein Besuch des Schullandheims Wegscheide, wo sich die Muslimische Jugend Deutschland (MJD) versammelt hat. Diese einst für ihre "vorbildhafte Integrationsarbeit" gelobte Institution ist 2005 jedoch durch die Publikation "Ratschläge an meine jungen Geschwister" in Verruf und in das Visier des Verfassungsschutz geraten. Zum Thema Scharia und Grundgesetz wird schließlich der Jurist und Islamwissenschafter Matthias Rohe zitiert, der festhält dass Scharia-Auslegungen von massiven regionalen Unterschieden geprägt sein können und was in Tunesien vielleicht rechtskonform ist, in Afghanistan sogar gesetzeswidrig sein kann. Aber auch einige kursorische Anmerkungen zu Goethes Verhältnis zum Islam fanden Eingang in das Kapitel. Zum Abschluss interviewt Baumgarten den Enkel des Gründers der Muslimbruderschaft, den umstrittenen Tariq Ramadan, der sich mit Verve für eine zeitgemäße Auslegung des Islam einsetzt, auch wenn ihm von Kritikern eine schleichende Islamisierungspropaganda unterstellt wird.

Anders als Deutschland ist die muslimische Diaspora in Spanien trotz des historischen Erbes des Landes eine überraschend kleine Minderheit. Das in heutigen Tagen eher zum propagandistischen Schlagwort verkürzte Al Andalus ist etwas das Archäologen wie Antonio Vallejo Triano mühsam wiederentdecken zu versuchen und dabei eher als Brücke zwischen Morgen- und Abendland beschreiben, denn die Iberische Halbinsel wie auch die Maghreb-Region gehörten zu Zeiten des maurischen Aufstiegs zum selben Kulturraum und da sich die frühe katholische Kirche auf Seiten der westgotischen Sklavenhaltergesellschaft nicht allzu sehr mit Ruhm bekleckerte empfanden die iberischen Untertanen, die oft noch einen Kryptoarianismus pflegten, der in Jesus nur ein Geschöpft Gottes sah, die ihnen in dieser Hinsicht näheren Muslime als das kleinere Übel. Der unter Kalif Abdur-Rahma III. geschaffene Regierungssitz Medinat az-Zahra wurde schließlich nicht von Sklaven, sondern freien Lohnarbeitern errichtet. Das maurische Spanien definiert Emilio Gonzalez Ferrin zudem als leuchtendes Beispiel dafür dass das Mittelalter so dunkel gar nicht war und antikes Wissen nicht bloß erhalten, sondern weiterentwickelt und rege genutzt wurde, wie bei Ausgrabungen gefundene Laboratorien und Werkstätten in Cordoba bezeugen. In einer eurozentrischen Wissenschaftsgeschichte werden die "orientalischen" Verdieste um die Fortschritte in Mathematik, Chemie, Medizin und Physik nur oft leider verdrängt. Am Beispiel der Stadt Granada versucht Baumgarten sogar zu bezeugen dass unter maurischer Herrschaft genau das Gegenteil der späteren Reconquista und spanischen Inquisition herrschte, nämlich religiöse Eintracht. Als Granda schließlich fiel, brachen die neuen katholischen Stadtherren jedoch schnell den Schwur die bestehende Glaubensfreiheit zu wahren und setzten in ihrem Schreckensregime Zwangskonversionen durch. Auf den Spuren dieser Morisken oder Moriscos wandelnd besucht Baumgarten schließlich das heutige Granada wo nach Jahrhunderten wieder eine Moschee errichtet wurde, diesmal von Re-Konvertiten die das Erbe ihrer einst zwangsgetauften Vorfahren für sich wiederentdeckt haben. Den Abschluss des Kapitels bildet ein Interview mit dem im Sommer 2010 verstorbenen Literaturwissenschafter Nasser Hami Abu Zaid, dessen Versuch den Koran mit modernen Literaturwissenschaftlichen Methoden zu analysieren ihm einst den Vorwurf der Apostasie und eine mittlerweile zurückgenommene Zwangsscheidung einbrachte.

Nach einem Abstecher nach Ägypten (wo immerhin eine nicht unbedeutend große koptische Minderheit exisitiert, die zudem wirtschaftlich den Ton im Land angibt) bereist Baumgarten im vorletzten Kapitel schließlich Saudi-Arabien, dem Geburtsland der "Arabisierung" die in so vielen islamischen Ländern als Form eines neuen radikalen religiösen Konservatismus ihr Unwesen treibt. Das Beispiel Saudi-Arabien soll schließlich "Arabisierung" in Reinkultur darlegen, besonders der Rolle der Frau und die Bedeutung des Glaubens in der Gesellschaft sind die zentralen Themen dieses Kapitels. Das letzte Kapitel führt den Leser schließlich in den Iran, den einzigen mehrheitlich schiitischen Staat der gesamten Aufzählung, wobei die Themensetzung hier wie schon bei Saudi-Arabien nicht mehr wirklich überrascht und eher dem üblichen entspricht.

- Resümee -
Reinhard Baumgarten hat ein sehr facettenreiches Porträt der islamischen Welt geschaffen, das allerdings nur Auszüge eines viel größeren Panoramas bietet und oft zumindest für meinen Geschmack oder auch meine Interessen etwas zu kurz greift. Aus mitteleuropäischer Sicht wäre es natürlich interessant gewesen mehr über islamische Lebenswelten am Balkan oder in Nordafrika (die Maghreb-Region), vielleicht sogar noch weiter südlich zu erfahren, so bleibt es beim eher üblichen. Konfliktreiche Regionen wie Zentralasien (Pakistan), die Levante (Syrien, Libanon) oder Indien hat Baumgarten eher gemieden, wie er auch die heikle Armenier- und Kurdenfrage im Kapitel über die Türkei ausgeklammert hat. Andererseits hat das auch seinen Vorteil, denn ohne die üblichen Aufreger, Fettnäpfchen und Provokationen vermittelt der Band einen unaufgeregten neutralen Einblick in die islamische Welt, einmal fernab des politischen Dauerclashs. "Gesichter des Islam" ist ein Buch über Kultur, nicht Politik und das zeigt sich auch in den geschichtlichen Exkursen, wo Einflüsse auf die jeweilige Gesellschaft und Beispiele für die Vermengung lokaler Traditionen mit dem Islam in den Mittelpunkt gestellt werden. Lesen Sie weiter... ›
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Als ich den Band in den Händen hielt, war mein erster Gedanke: Schön, aber was für Klischees! Verschleierte Frau, Mekka bei Nacht, geheimnisvolle Symbole. Mehr als einen Blick wollte ich erst gar nicht riskieren. Und kam nicht mehr von "Gesichter des Islam" los.

Reinhard Baumgarten ist ein Kunstwerk gelungen. Wir Leser werden bei unseren Vorstellungen abgeholt - und dann die Dimension dahinter ausgeleuchtet. Wir lernen Musliminnen kennen, die mit dem Kopftuch Songs aufnehmen und andere, die den Islam als private Angelegenheit betrachten und Partys schätzen. Wir lesen über Atatürks Reformen und die (teilweise, nun ja, überraschenden) Ansichten des islamischen "Reformtheologen" Yasar Nuri Özturk, besuchen indonesische Schulen und hören von der Staatsidee der Pancasila. Wir nehmen auf den Teppichen deutsch-türkischer Moscheen Platz und erfahren Bekanntes und Neues zum Thema Goethe & Islam. Wir bestaunen spanisch-andalusische Bauwerke und erhalten einen Überblick über jene Philosophen der islamischen Welt, denen Europa viele Impulse zu verdanken hat. Wir besuchen die neue Bibliothek von Kairo und sinnieren mit dem "Eremit von Berkash". Auch in Saudi-Arabien lernen wir einen "grimmigen Imam" ebenso kennen wie Dr. Hatoon Al-Fazi, die über die Geschichte der Frauen im antiken Arabien forscht. Und wir erhalten Einblicke in die Geschichte und Demokratiebewegung des Islam, einschließlich eines Interviews mit der mutigen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

Sie merken: Dieser Band macht es sich nicht einfach. Er wählt natürlich aus, aber er vereinfacht nicht. Er holt uns (auch mich als Religionswissenschaftler) beim vermeintlich Bekannten ab und zeigt neue Aspekte, neue "Gesichter" der Geschichte dahinter. Die Bilder sind eindrucksvoll und schön, posieren jedoch nicht, sondern stehen im Dienst der erzählten Zusammenhänge und Menschen.

Wer sich über die Vielfalt des real existierenden Islam einen Überblick verschaffen möchte, wird dieses Buch lieben. Und wer glaubt(e), eh schon alles zu wissen und gesehen zu haben, noch mehr!
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Facettenreiches Kaleidoskop 13. November 2010
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
"Wer auf der Suche nach Wissen hinauszieht, der ist auf dem Wege Gottes, bis er wiederkehrt."
(aus den ahadith)

"Gesichter des Islam" ist der Begleitband zu einer gleichnamigen ARD-Sendereihe, die am Sonntag, den 14. November 2011, 17.30 Uhr, mit der ersten Folge "Glaube und Kultur" ihren Auftakt nimmt. An den darauf folgenden Sonntagen erfolgt die Ausstrahlung von drei weiteren, ebenfalls 30minütigen Beiträgen unter den Titeln, "Männer und Frauen", "Frieden und Gewalt" und "Wissenschaft und Fortschritt".

Nachdem der Autor in seinem Vorwort kurz auf die "Islamische Vielfalt" eingegangen ist, wird diese faszinierende Kultur in sieben Kapiteln vorgestellt, die jedoch weder an die Titel der Fernseh-Episoden angelehnt sind, noch einer historischen Chronologie folgen. Der Islamwissenschaftler und langjährige ARD-Korrespondent in Kairo, Reinhard Baumgarten, hat sich vielmehr für eine Querschnittsdarstellung entschieden, die er an sieben Ländern und einer für das jeweilige Land spezifischen Überschrift festmacht. Darüber hinaus wurde jedem dieser Länder ein bestimmtes Logo und eine bestimmte Farbe zugeordnet. Zu jedem Hauptkaptel gehört ein "Länderinfo" mit einer Landkarte und Informationen zur Größe, Bevölkerzungszahl, Zeitpunkt der Islamisierung und Prozentsatz der Muslime an der Gesamtbevölkerung. Die sieben Hauptkapitel sind in weitere Kapitel und ebenfalls - mit einer Überschrift versehene - Abschnitte oder farblich abgesetzte, thematische "Kästen" untergliedert. Daneben gibt es noch vier Interviewes mit bedeutenden islamischen Persönlichkeiten.

Das erste Kapitel "Türkei - Säkuläres Modell für die islamische Welt" (hellblau) beschäftigt sich u. a. mit Aufstieg und Fall des hauses Oman und der anschließenden laizistischen Kanalisierung unter Atatürk. Hier wird auch deutlich, dass sich die sechs wesentlichten Glaubensartikel nicht von denen der Christen unterscheiden. "Indonesien - Lächelnder Islam in Fernost"(hellgrün) ist dem Land mit dem höchsten muslemischen Bevölkerungsanteil von 200 Millionen Menschen gewidmet.Neben der Geschichte des Archipels und seiner Islamisierung, werden die "5 Säulen des Islam", die "Sunna" un der "Sternengucker von Lambang" vorgestellt. Auch die vielfältige Bedeutungsebene des Begriffes "Dschihad", im eigentlichen Sinne als "persönliche Anstrengung" oder "sich bemühen" zu vertehen, wird hierbei anlaysiert. Von besonderer aktueller bedeutung ist das Kapitel "Deutschland - Neuer Teil einer alte(rnde)n Gesellschaft" (lila). Die Unterkapitel "Chancen und Hemmnisse" und "Der unbekannte Islam" bieten Diskusionen zu kontroversen Themen, wie "Kopftuch und Glauben", "Republik der Angst", "Scharia und Grundgesetz" usw. Auch die salafitische Rückbesinnung auf den Ur-Islam wird erläutert.

Anschließend gibt es mit "Spanien - Brücke zwischen Morgen-- und Abendland" (rot) einen (histor"Glaube und Vernunft" in einer Zeit ohne Dogmatismus waren die Menschen auf der Suche nach Wissen und Vervollkommnung der Techniken, des Handwerks, der Kunst, wo auch immer es ihnen möglich war. Erstaunlich ist, wieviele Worte arabischen Ursprungs sich in unsere heutigen Sprachen gerettet haben. (Algebra, Kabel, Kümmel, Aprikose pp.) Auch der "Wert der Null" wurde von Indien aus über islamische Mathematiker vermittelt. Danach wird in einem zweiseitigen Essay der Koran als Richtschnur der Gläubigen präsentiert. "Ägypten - Mühsamer Weg ins 21. Jahrhundert" (braun) legt die Zusammenhänge zwischen "Wissen und Macht", sowie "Glauben und Gesellschaft" offen. Neben den Essays zu den Muslimbrüdern, aus denen schließlich auch die palästinensische Hamas hervorgehen sollten und zur (ganz und gar unislamischen) "Beschneidung von Mädchen" ist das "Leben der Dhimmi" (koptische Christen und Juden als Buchbesitzer und Schutzbefohlene) von besonderem Interesse. "Saudi-Arabien - Ringen von Tradition und Moderne" (gelb) und "Iran - Die unvollendete Revolution" (türkis) sin die Headlines der beiden letzten Kapitel, in denen u. a. "Der Familienstaat" und "Terror made in KSA" (Mudschaheddin, Dschidadisten, Taliban, Osama bin Laden etc.), sowie Traum und Wirklichkeit der persischen Tragödie im Schatten Khomenis und Geschichte und tägliches Leben des schiitischen Islam erörtert werden.

Den Abschluss des Bandes bilden ein Epilog, eine Literaturauswahl und ein Impressum. Daneben bietet die Innenseite des vorderen Buchdeckels zwei farbige Karten zur historischen Ausbreitung des Islam, der hintere Buchdeckel eine Weltkarte, auf der der muslimische Bevölkerungsanteil der Ländern mittels unterschiedlicher Grüntöne markiert ist. Reinhard Baumgarten ist es gelungen, ein facettenreiches und objektives Kaleidoskop des Großteils der islamischen Welt zu vermitteln. Leider wurde der "alteingesesse" europäische Islam in Albanien und Bosnien & Herzegowina ausgespart, der sicherlich ein achtes Kapitel wert gewesen wäre. Der Band ist dennoch ein gelungener Überblick und Einstieg in ein toppaktuelles Thema und ein Beitrag zum gegenseitigen Verständnis.

Mit der Hoffnung auf eine spätere Ergänzung um den Islam des Balkans ist der Band mit 4 1/2 Amazonsternen zu bewerten.
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