Der hierzulande leider zu Unrecht kaum bekannte Edward James Olmos ist den meisten Filmfreunden nur bekannt aus dem "Blade Runner", wo er den etwas zwielichtigen Begleiter des Helden spielt, ansonsten kennen manche sein Gesicht aus dem Öko-Horror-Streifen "Wolfen", dort gibt er einen charismatischen Indianer. Daß Olmos auch ein starkes soziales Engagement treibt, belegen seine Regiearbeiten "Stand and deliver" (dort spielt er einen Mathematiklehrer aus Leidenschaft, der im Ghetto die Kids zu Bildung und Vernunft anzuhalten versucht)und "Das Gesetz der Gewalt", letzterer ist leider nur als Import, dafür aber mit dt. Tonspur erhältlich.
Vom Budget eher einfach gehalten, gelingt es Olmos, die Zerrissenheit zu vermitteln zwischen dem harten Kerl und Bandenchef hinter Gittern einerseits, und dem zum Scheitern verurteilten Idealisten andererseits, der an jenen Gesetzen scheitert, die er selbst ein Leben lang vertreten und zum eigenen Überleben genutzt hat. Nach 20 Jahren Haft begegnet er zum ersten Mal einer anderen Welt, verkörpert von einer selbstbewußten Mexikanerin, die seinen weltanschaulichen Stillstand ins Wanken bringt. Die schlussendliche Erkenntnis der Auswegslosigkeit des Versuches, mit den Gesetzen der Machterhaltung zu brechen, bildet den Schlußstein des Filmes, zuletzt tritt der "Held" seiner Hinrichtung entgegen als jemand, der alle Illusionen verloren hat und dennoch eine (ethische) Alternative wählt zum Stillstand, zum System von Gewalt, Zwang und Mord.
Tradition und Opfer sind wichtige Begriffe der Geschichte, Loyalität zur Gang, zur Hautfarbe zum althergebrachten Umgang mit einer Umwelt, in der einzig den Verzicht auf Individualität - zugunsten der "Familie" oder Bande - einen Schutz für Leib und Leben zu bieten imstande ist. Man denkt beim Zuschauen nicht selten an große Vorbilder wie Scorsese oder Coppolas Patentrilogie, wobei es Olmos' Film gelingt, die Gewalt stets so häßlich und gemein aussehen zu lassen, daß sie niemals Reiz oder Faszination ausstrahlt. In diesem Sinne ist der Film "pädagogisch wertvoller" als die genannten Klassiker, die den Aspekt des (Gewalt-)Rausches, der Macht, des Triumphes oft so schildern, daß die Gewalt (für entsprechend einfache Gemüter) durchaus als ein Mittel der Wahl erscheinen mag. In Olmos' Streifen ruft jede Gewalt sogleich wieder neue hervor, objektiv und scharf beobachtet, knapp erzählt und ohne dabei moralisierend zu sein. Alle Täter sind gewesene Opfer und zugleich ewig Getriebene. Der Film geht in drastischen Bildern (die sexuelle Gewalt unter den Häftlingen) so weit wie kein Hollywoodfilm das jemals tat und stellt damit die Frage nach der "Freiheit einer Wahl" in schon fast philosophischer Dimension. Indem sein "Held" trotz seines Todes in seinem Opfer die verlorene Würde wiederfindet, gibt Olmos eine Antwort auf die Frage nach der Unausweichlichkeit. Gleichzeitig ist das Ende kein optimistisches, denn die Muster der Gewalt beherrschen nach wie vor wie ein Fluch das Universum, in dem die Beiteiligten leben müssen und daß ohne Alternative ist...