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Gesellschaftsentwurf Europa: Plädoyer für ein gerechtes Gemeinwesen [Gebundene Ausgabe]

Oskar Negt
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 14,00 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

März 2012
Dieses Buch tritt all denen entgegen, die den Europadiskurs
auf ein finanzpolitisches Problem reduzieren wollen. Oskar
Negt gibt sich nicht mit dem Blick auf Währungskurse zufrieden.
Er blickt auf Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen
in Europa. Was er da sieht, ist weit beunruhigender als
Börsenentwicklungen es je sein könnten. Er sieht eine Kluft
zwischen Reichen und Armen, zwischen politisch Mächtigen
und politisch Ruhiggestellten. Er sieht Menschen, die vom Arbeitsmarkt
zur Flexibilität gezwungen werden und, aus ihren
Bindungen gerissen, von allen solidarischen Zusammenhängen
abgekoppelt leben. Und er sieht eine Bildungspolitik, die
sich nur noch um die Qualifikation für den Arbeitsmarkt kümmert,
nicht jedoch um politische Urteilskraft.
Kinderarmut, Bildungsnotstand, Entdemokratisierung über
all dies ist bereits geschrieben und gesprochen worden. Wie
jedoch Oskar Negt diese einzelnen politischen Handlungsfelder
auf europäischer Ebene zusammendenkt, das macht
neues Verständnis möglich, darin liegt eine Lernprovokation.
Und um das Lernen geht es Oskar Negt immer. Ob Politiker,
alleinerziehende Mutter oder Protestierer in Gorleben für
jeden verständlich, macht er deutlich, worum es in Europa
geht: um den Erhalt eines friedensfähigen und solidarischen
Gemeinwesens.
Oskar Negt, geboren 1934, ist einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler
Deutschlands. Er studierte bei Max Horkheimer
und Theodor W. Adorno und war von 1970 bis 2002
Professor für Soziologie in Hannover. 2011 wurde Oskar Negt
für sein politisches Engagement mit dem August-Bebel-Preis
geehrt. Sein Werk erscheint im Steidl Verlag, darunter Arbeit
und menschliche Würde, Kindheit und Schule in einer Welt der Umbrüche und Der politische Mensch.

Wird oft zusammen gekauft

Gesellschaftsentwurf Europa: Plädoyer für ein gerechtes Gemeinwesen + Kant und Marx. Ein Epochengespräch
Preis für beide: EUR 19,00

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  • Kant und Marx. Ein Epochengespräch EUR 5,00

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
  • Verlag: Steidl; Auflage: 1., Aufl. (März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869304944
  • ISBN-13: 978-3869304946
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 14 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 20.974 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Oskar Negt, geboren 1934, studierte Rechtswissenschaft, Philosophie und Soziologie, vor allem bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, und war Assistent bei Jürgen Habermas. Seit 1970 ist er Professor für Sozialwissenschaften an der Universität Hannover. Zahlreiche Veröffentlichungen. 2011 wurde Oskar Negt mit dem "August-Bebel-Preis" für sein Lebenswerk gewürdigt.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Eine Lücke will er füllen mit seinem neuen Text zu Europa, sagt der Philosoph Oskar Negt, eine Lücke, die ihm schon lange ein Ärgernis gewesen sei: "Wie schon die Wiedervereinigung der staatlichern Nachkriegsfragmente aus der 'Portokasse' bezahlt werden sollte, was sich schnell als fataler Irrtum herausstellte, so gerät jetzt ein viel größeres Vereinigungsprojekt in Verruf, weil im verengten Horizont der mit diesem epochalen Projekt Beschäftigten die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen in den einzelnen Ländern nicht vorkommen "die nationalen Eigentümlichkeiten und der kulturelle Eigensinn der einzelnen Länder haben harte Prägungen hinterlassen, die durch Geld und institutionelle Vereinbarungen nur schwer aufzubrechen sind."

Ohne eine soziale Bewusstseinsbildung, so Negt, entstehe eben keine solidarische Ökonomie, eine Ökonomie, bei der es nicht nur um die Rettung von Banken geht, sondern die eine echte Ausgleichsbewegung zwischen Schwachen und Starken möglich macht. Dies müsse erreicht werden, ohne "in die Mottenkiste vorurteilsbeladener Abgrenzungen zurückzugreifen."

Er beschreibt kollektive Lernprozesse, die nötig seien und die die Alltagserfahrungen der Menschen einbeziehen. All das, das kann man an den Protesten in Griechenland und Spanien aktuell beobachten, ist bisher überhaupt nicht geschehen.

Sein kleines Buch ist eine Streitschrift, die weit ausholt in die Geschichte zurück bis zum Westfälischen Frieden, um deutlich zu machen, welchen hohen, auch friedenspolitischen, Stellenwert der "Gesellschaftsentwurf Europa" hat. Er will nichts anderes, als anzuregen, sich mit der in den vorherrschenden Europadiskursen häufig unterschlagenen Wirklichkeit auseinanderzusetzen.

Insofern ist dieses Buch ein wichtiges und nötiges politisch-philosophisches Korrektiv auch zu Thilo Sarrazins neuem Buch, der ja hautsächlich ökonomisch argumentiert. Kann man diese beiden Ansätze zusammenbringen, oder schließen sie sich aus?
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufrechter Gang und Würde haben keinen Preis. 16. Juli 2012
Von Happyx TOP 50 REZENSENT
Es geht Oskar Negt um eine soziale Bewusstseinsbildung für Europa, also für Länder, die leider nicht zusammen wachsen, weil sie naturgemäß weniger zusammengehören als Ost- und Westdeutschland. Sind wir Europäer und nicht Deutsche? Europäer und nicht Franzosen? An diesen Grenzlinien entlang geht es um die Frage, welchen Lastenausgleich wir alle zu tragen bereit sind, auch für die Tatsache, dass bestehende Ungleichgewichte heute nicht mehr durch Kriege gelöst werden (können). Der 30-jährige Krieg und die Naziherrschaft haben Verwerfungen hinterlassen, die wir heute unter allen Umständen vermeiden sollten. Es geht um die Frage, wie ein zusammen stehendes und ein zusammen wachsendes Europa aussehen könnte.

Wie kommt es, dass eine ganze Gesellschaft verrückt wird und einen hochzivilisierten Rückfall in die Barbarei erleidet? (S 12) Es ist kollektive Unterdrückung durch einseitiges, wahnhaftes, vermeintlich richtiges Denken, das alle wie eine Seuche ergreift! Heute ist dies der Konsumerismus, das Geld, der Neid, Zwietracht und eine ausrastende, grenzenlose Gier. Darauf gibt es nur sozialstaatliche Antworten: Schutz der lebendigen Arbeit gegen die Übergriffe der toten Arbeit (Finanzspekulaten, die sich ihre Verluste sozialisieren lassen). Letztere führt bei uns zum Tod der Sozialstaatlichkeit, der Gerechtigkeit und des Miteinander, betriebswirtschaftliche Rationalität schlägt Gemeinsinn und Recht. Genau hier entscheidet sich Europa und die Frage, ob Griechen faul seien oder nicht (ein idiotisches, wahnsinniges Feindbild).

Wir hatten in den letzten Jahren nur ein grandioses Wachstum: das Wachstum der Angst, Angst essen Seele auf, Angst essen Zukunft auf, Angst vor allem und der Zukunft, die wie Heroin durch unsere Adern fließt, nicht beruhigend, sondern von Schock zu Schockstarre treibend.
Das Schicksal der EU hängt wesentlich davon ab, in welchem Maße Energien und Geldmittel darauf verwendet werden, die Probleme einer kapitalistisch strukturierten Arbeitsgesellschaft öffentlich zu machen und zu bearbeiten. (S 18)

Oskar Negt verweist darauf, dass die Europäischen Staaten sich darauf konzentrieren müssen, die existenziellen Probleme von Menschen zu lösen - und nicht primär die der Banken und Hedge Fonds. Wichtig ist die friedensstiftende Erinnerung an das Soziale, aber nicht als Element von Transferleistungen, sondern als kategorischer Imperativ für die gerechte Teilhabe aller.

Alleine die im Buch stehenden Kapitelüberschriften sind zielführend klar:

Protest gegen die anmaßende Welt der Tatsachen-Menschen (S. 20)
Die phantastische Macht des Geldes. (S. 23)
Das Wirklich-Unwirkliche der Realabstraktion (S. 24)
Bindungsverlust und Bindungsbedürfnisse. (S. 28)
Kulturelle Erosionskrisen (S 32)
Drei Herrschaftsmechanismen, die sich als Krisenlösungen präsentieren: Polarisierung, Flexibilisierung, Abkoppelung (S. 35)
Was die Gesellschaft auseinandertreibt: Polarisierung (S. 37)
Identitätsbedrohende Flexibilisierungsideologien (S. 48)
Abkoppelungstendenzen (S. 52)
Gemeinwesenarbeit - ein originärer öffentlicher Tätigkeitsbereich (S. 57)
Demokratie muss gelernt werden - Wandlungen im Bild vom Menschen (S. 60)
Krisenherd: Globalisierung (S. 65)
Krisenherd: Arbeitslosigkeit (S. 67)
Krisenherd: Strukturwandel bei den Erziehungs- und Lernorten (S. 71)
Krisenherd: Technologischer Fortschritt und Ethik (S. 74)
Krisenherd: Die schleichende Tendenz der Entpolitisierung (S. 77)
Leben begleitendes Lernen: Erwachsenenbildung für eine europäische Identität (S. 86)
Wie holen wir Geschichte in die Gegenwart? (S. 89)
Wo sind die Grenze Europas? (S. 92)
Das Europa-Problem Russland (S. 95)
Die enge Verbindung von Erinnern und Lernen (S. 97)
Aus Krisenherden Handlungsfelder machen (S. 101)
Bildung ist Anlegen von Vorräten (S. 112)

Selten habe ich eine bessere, lesbare, mit klaren Sätzen skizzierende Analyse der europäischen Situation gelesen, eine Kritik an der kapitalistischen Gier zum einen, aber doch die Bereiche beleuchtend, die aus allen Krisenherden heute Handlungsfelder werden lassen könnten.

Auf Seite 113 finden wir ein Zitat von Robert Musil, welches im Grunde alles erhellt: Dieses Bedürfnis nach Eindeutigkeit, Wiederholbarkeit und Festigkeit wird auf seelischem Gebiet durch die Gewalt befriedigt, und eine Spezialform dieser Gewalt, eine unerhört geschmeidige, entwickelte, und nach vielen Richtungen schöpferische, ist der Kapitalismus. ... Wer auf Stein bauen will im Menschen, muss sich der Gewalt oder der Begierden bedienen...Ich lasse Dich gewinnen, damit ich mehr gewinne..."

Es ist die Betriebswirtschaftlichung unserer Zeit, die Negt kritisiert, die fehlende Kooperation und eine durch mediale Exzesse zerstörte Bildung. Was Not tut ist Persönlichkeitsbildung jenseits von Zahlen und Kurven, ein ethisches Fundament, das Europa gerade heute nötiger denn je hat, wenn man in Oligarchen- und Diktatorengesichter blicken muss, die in allen Stadien von Brot und Spielen ihre mit kleinlicher Münze zurückzahlende Herrschaft übernommen haben.

Ein neuer Gesellschaftsentwurf für Europa muss etwas sehr Schwieriges leisten: er muss das Auto "Kapitalismus" während schnellster Fahrt reparieren, während niemand den Fuss vom Gas nehmen möchte, ja einige überhaupt erst beginnen, den Fuss auf das Gas zu setzen. Aufgabe für uns alle wäre es vor allem, alles Autoritätsgetriebene abzulegen, endlich Demokratie wirklich zu praktizieren (und nicht nur zu wählen). Betrachtet man den aktuellen Zustand z.B. der CDU Baden-Württembergs, dann sieht man, wo wir stehen und das neue Oligarchen alte Königreiche übernommen haben. Es gibt in der CDU Fraktion nach wie vor Mappus-Anhänger, die ebenso aggressiv und fundamentalistisch agieren wie Sozialisten anderer nationaler Prägung. Schreckliche Zustände der Intoleranz und Verachtung, die jegliche Menschenwürde kleinreden.

Kant steht am Ende der Betrachtungen. Bei ihm war zentraler Anker die menschliche Würde und Teilhabe. Sie hat keinen Preis und ist elementar. Dies den Unternehmen wieder klar zu machen, ihren Erfolg auf jene Würde zurückzuführen, verbietet geldkleinliche Aktionen, niemand muss sich in unserer europäischen Gesellschaft zu einem Wurm machen lassen, dem die Angst alles auffrisst. Der Begriff Idiot kommt aus dem Griechischen und bezeichnete jenen Privatmann, der sich nicht um das Gemeinwesen kümmerte. Wieviele Ehtik-ferne Politiker und Unternehmer haben ihre Selbstsucht inzwischen soweit gesteigert, dass die eintretende Hybris keine Grenzen mehr kennt, aber auch keine Menschlichkeit mehr?

Beginnen wir, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. (Marx, S. 118). Exakt darum geht es heute, vor allem in Europa. Hier kann kein Platz mehr sein für Leute wie Mappus oder Berlusconi oder jene griechischen Reeder, die keine Steuren zahlen. Stürzen wir deren Denkgebäude ein, in dem wir beginnen, wirklich frei zu denken und zu handeln.

Tatsächlich:
"Die Gegenwart leidet an einer chronischen Unterernährung der produktiven Phantasie."
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4.0 von 5 Sternen Gute, visionäre Streitschrift 6. Mai 2013
Von Greenman
Von Amazon bestätigter Kauf
Oskar Negt ist mit seinem "Gesellschaftsentwurf Europa" eine recht ansehnliche Streitschrift gelungen: Nach einer sehr ausführlichen und einleuchtenden Problemanalyse bietet er einen vielleicht ansatzweise zu kurz geratenen Ausblick mit Lösungskonzepten. In meinen Augen ist das Buch v.a. wegen seines ersten Teils (der Problemanalyse) sehr lesenswert!
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