... für dieses Buch, denn dass es so ein Buch gibt, zeigt mir, dass mein eigenes Erleben nicht eingebildet ist - es ist wirklich so und es geht auch anderen so: der Tod eines Bruders oder einer Schwester scheint in der Gesellschaft keine Rolle zu spielen. Es gibt kaum jemanden, der die weiter lebenden Geschwister sieht und auch nur annähernd nachvollziehen kann, was sie durchleben ... allein durchleben.
Eine Rezensentin vor mir, Bettina Sorge, schreibt es über sich selbst: ZITAT"Mir ist beim Lesen bewusst geworden, dass ich auch selbst bei meiner Arbeit als Trauerrednerin die Geschwister des verstorbenen Menschen zwar immer mit im Blick hatte, aber ihnen gedanklich nie den gleichen Rang als Trauernde eingeräumt habe, wie PartnerIn, Kindern und Eltern."ZITATENDE
Ich bin seit jetzt 8 Monaten, was der holländische Originaltitel des Buches ausspricht: "Broederziel alleen?" - bruderseelenallein mit meiner Trauer und allem, was sie einschließt und was sie bedeutet. Die Eltern haben Zuspruch - sie versteht jeder und jeder weiß, was sie brauchen und dass sie es brauchen. Dabei - so habe ich manchmal gesagt, wenn es mal einer hören wollte "werde ich doch noch viel länger ohne Bruder sein, als sie ohne Sohn". Und ja - man wird gefragt "wie geht es Deinen Eltern?" und nicht selten kam die Frage "hatte er Familie? Frau und Kinder?". Was wäre dann anders? Dann wären wir ein paar Trauernde mehr - aber wäre es für mich etwas anderes, wenn er eine Familie gehabt hätte? Nein. Wäre es nicht. Im Buch ist eine auch von mir selbst oft gestellte Frage angesprochen "wie alt war er denn?". Man könnte meinen, es sei weniger schlimm, wenn ein älterer Mensch stirbt, als ein ganz junger Mensch, denn er hatte doch ein Leben gelebt. Aber für die Nächsten ist es eben nicht weniger schlimm. Der Tod trifft immer unvorbereitet - und auch eine vorangegangene Phase der Krankheit macht es nicht besser oder leichter zu verkraften, als ein ganz plötzlicher Tod.
Ein wichtiges Buch - ich wünsche ihm viele Leser und infolgedessen mehr Aufmerksamkeit für die Geschwister der Verstorbenen - auch und gerade im Erwachsenenalter.