Das Buch hilft wirklich beim Kochen. Aber anders als andere Kochbücher. Vielleicht kann man es am besten erklären, in dem man die typischen Fortschritte eines Singles beim Kochen betrachtet.
Stufe 1: Rezepte
Nachdem man die Tiefkühlpizzas wirklich nicht mehr sehen kann, kauft man sich das erste Rezeptbuch, eine Wage und einen Meßbecher. Man macht es dann wie beim Bund: Gekocht wird auf Befehl und nach Anleitung.
Stufe 2: Komplizierte Rezepte
Man wächst über sich hinaus. Statt nur Hühnchen gekonnt in 7,34 Minuten zu verbrennen, wird jetzt auch ein Fond angesetzt und eine Soße produziert. Aber bitte nicht ohne meinen Bourdain auf dem Küchentisch hinter mir.
Stufe 3: Improvisation
Ungefähr nach der 23. Soße stellt man fest, dass auch bei leicht veränderten Zutaten eßbare Nachrungsmittel die Küche verlassen. Jetzt ist der Damm gebrochen, und ein beliebiger Inhalt des Kühlschrankes kann verwertet werden. Es entstehen einige göttliche Genüsse und viele Desaster.
Stufe 4: Der Einkaufsrausch
Da der Kühlschrank für die ausufernde Kreativität nicht mehr ausreicht, begibt man sich auf Wochenmärkte, Delikatessenläden und Feinschmeckeretagen. Statt den Inhalt des Kühlschranks kocht man jetzt den ganzen Markt zusammen. Leider ist diese Phase mit extremen Kosten für komische Pilze und fremdartige Schinken verbunden.
Stufe 5? Und jetzt?
Irgendwie wird man langsam ehrgeizig und fragt sich, wie es klappt, dass die Profis in den guten Restaurants ständig neue Gerichte erschaffen, die nicht im Rezeptbuch stehen und dennoch genau so gut schmecken wie die Klassiker, teilweise sogar besser. Wie kombiniert man? Welche Basistechniken passen zusammen, so dass ein geniales Gericht auf dem Teller entsteht? Und warum schmeckt Gazpacho eigentlich kalt? Und warum kann man auch mit billigen Zutaten großartig kochen? Und muss das alles immer so lange dauern?
Genau jetzt hilft Dollase. Kommen wir also zur letzten Stufe:
Stufe 5: Die Kunst der sinnlichen Erfahrung
Der Autor erklärt, wie sich Geschmack, Aromen, Temperatur und Textur und Konsistenz verschiedener Zutaten sinnvoll kombinieren lassen. Er erklärt sozusegen die Kriterien, auf deren Basis kreative Küche gute Küche wird. Dazu hat er eine extrem spannende Mischung von leckeren, teilweise aber auch skurilen Beispielen zusammengestellt. Das Schöne ist, dass jedes der Beispiele mit seiner sinnlichen Wirkung beschrieben ist, man also seine eigenen Eindrücke hervorragend vergleichen kann. Extrem einsichtig und lehrreich.
Ja, dass Buch ist sehr teuer kalkuliert. Als Kochbuch für die Stufen 1 und 2 kann ich es daher nicht wirklich empfehlen. Ich hoffe, es gibt bald eine Taschenbuchausgabe.