Ramsay hat im Laufe seiner Karriere stolze 16 Michelin-Sterne eingeheimst und besitzt 18 Restaurants in Großbritannien. Dass die hier versammelten Rezepte hohen Ansprüchen genügen, wird schon im Kapitel Grundrezepte" deutlich. Diese Grundlagen sind unabdingbar für die meisten Rezepte, die folgen, und stellen einen sehr hilfreichen Fundus dar für jeden Hobbykoch mit gehobenen Ambitionen. Hier erklärt Ramsay unter anderem, wie man Fonds und Bouillons als Basis herstellt, Dressings und Vinaigretten, Zuckersirup und Erdbeerjus, Pâte à bombe, Baisermasse, Blätterteig oder frische Pasta. Diese Grundlagen sind eigentlich unverzichtbar und sie zu erlernen, ist immer gut, auch wenn man mal ein ganz anderes Rezept probieren will.
Die folgenden Kapitel von Suppen über Vorspeisen und verschiedensten Hauptgerichten bis hin zu sündhaft leckeren Desserts zeigen eindrucksvoll, dass Gordon Ramsay ein talentierter Koch mit hohen Qualitätsansprüchen ist. So lesen sich auch die Titel seiner Rezepte, aus denen deutlich wird, dass Ramsay sich stark von der französischen Küche und Esskultur hat beeinflussen lassen - und dass die Zutaten ebenfalls (auch preislich) gehobener Natur sind: Da lockt Kressesuppe mit pochierten Austern" neben Artischocken-Velouté mit Gänseleberpastete", Hummerravioli mit eigener Vinaigrette", Risotto mit Tomatenconfit und gebratenen Steinpilzen", Filet vom Loup de Mer mit Vanillejus", Gebratener Babyhummer mit Zitronenjus" (hier muss man Ramsay auf jeden Fall zugutehalten, dass er eine sehr schnelle Methode beschreibt, den Hummer zu töten, statt ihn lebend ins kochende Wasser zu werfen), Lammhüfte Niçoise", Barbarie-Ente mit glasierten Pfirsichen", Heißes Schokoladenfondant" oder Birnentatin". Wer sich bereits jetzt fragt, was "Confit", "Velouté" oder "Jus" bedeutet, der muss dies auf eigene Faust nachschlagen; im Glossar sind nämlich nur wenige Begriffe kurz erklärt.
Es finden sich neben diesen so leckeren wie anspruchsvollen Gerichten aber auch bodenständige Grundlagen: Reispudding etwa, Kartoffelpüree oder Rösti. Diese Rezepte sind aber eher die Ausnahme und ohnehin entweder Beilagen oder Desserts; der Rest der köstlichen Gerichte ist viel anspruchsvoller. Bei jedem Rezept ist angegeben, für wie viele Personen es gedacht ist, üblicherweise sind dies vier bis sechs. Bei Fonds und Bouillons ist die Literzahl angegeben, bei anderen Dingen, zum Beispiel Tapenade, wie viele Gläser das Rezept ergibt.
Interessant ist das letzte Kapitel, das einige Tipps für einfache, aber sehr effektive Dekorationen bereithält: Ramsay erklärt hier, wie man mittels kandierter Orangenschale, Apfelskulpturen, Lauchstreifen, Apfelchips oder getrockneten Erdbeeren hübsche Effekte erzielen kann.
Die Rezepte nehmen jeweils etwa eine Seite oder ein wenig mehr ein und beinhalten neben der Zutatenliste, in der praktischerweise mit einer Seitenzahl Bezug auf die jeweilige Grundzutat aus Kapitel eins genommen wird, jeweils die einzelnen Arbeitsschritte. Diese sind schrittweise erklärt und recht einfach nachzuvollziehen, wenn man ein wenig Erfahrung im Kochen mitbringt. Die Rezepte haben keinerlei Angaben zu Nährwerten oder Zubereitungszeit; vor allem Letzteres wäre aber sehr interessant gewesen, vor allem, wenn man für Gäste kocht und sich zunächst einen groben Überblick verschaffen will.
Ein wenig negativ fällt auf, dass nicht alle Rezepte von einer Fotografie begleitet werden. Bei Kartoffelpüree ist das nicht weiter tragisch, aber man wüsste schon gerne, wie die "Tomaten-Tian mit griechischem Gemüse" auf dem Teller aussehen oder wie man Beignets aus Zucciniblüten mit einer Vinaigrette aus drei Senfsorten" am besten anrichten soll. Vor allem bei den Fleisch- und Fischgerichten (insgesamt überwiegen Rezepte mit Fisch und Meeresfrüchten beim Weitem) sind aber genug Fotos vorhanden, um sich ein Bild von einem Gericht zu machen, das man so wahrscheinlich bisher weder gekocht noch gegessen hat.
Für Geschmack pur - Meine besten Rezepte" spricht die feine Auswahl der hier versammelten Gerichte. Für den gehobenen Schwierigkeitsgrad sind die schrittweisen Erklärungen sehr gut nachzuvollziehen. Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass diese Rezepte nichts für jeden Tag sind, es sei denn, man hat viel, viel Zeit und ein großes Budget für hochwertige Lebensmittel. Für Gäste und besondere Anlässe findet sich hier aber eine außergewöhnliche, leckere Küche mit einem Schwerpunkt auf Fisch und Meeresfrüchten. Den cholerischen Gordon Ramsay aus "Kitchen Nightmares" wird man hier nicht finden, sondern einen passionierten Koch, der auf gute Zutaten und puren Geschmack schwört. Ein wenig gegen das Buch spricht, dass es im Original bereits 1996 erschien, hier aber quasi als aktuell präsentiert wird.