Jutta Voigt hat viele Jahre in der DDR gelebt und weiß wovon sie schreibt, wenn sie dem Geschmack des Ostens nachspürt. Während sie dies tut, ist sie gleichbleibend frei von nostalgischen Anwandlungen. Die zur Ironie neigende Autorin setzt sich detailliert mit der Spießigkeit und den kleinen Karos der biederen Anhänger Ulbrichts und Honeckers auseinander, die sich - nicht zuletzt - auch in deren grobgestrickter Tischkultur offenbarten. Ess- und Trinkverhalten waren, wie alles andere auch- bestimmt von einer egalitären Idee, die Mittelmaß und Einheitsgeschmack zum faden Ergebnis hatte. Versorgungsmangel im Bereich von Lebensmitteln machten Kochen zu einer frustierenden Tätigkeit. Man liest von Menschen mit ausgeprägten Hamsterfähigkeiten, die stets hoffnungsschwanger einen Beutel mit sich führend, Schlange standen, insbesondere vor Fleischerläden. Des weiteren wird man vertraut gemacht mit erheblichen Defiziten im Bereich: Obst und Gemüse, mit Schieberei und Bestechung und mit der Diktatur unfreundlicher Lebensmittelverkäufer und herrisch-barscher Kellner im untergegangen Ossiland. Der Suff, so erfährt man, erfasste alle Schichten und die Freundschaft zur Sowjetunion fand ihren ehrlichsten Niederschlag im Wodka-Konsum des DDR- Bürgers! In der DDR wurden pro Kopf jährlich 15,5 Liter Schnaps getrunken, im Westen hingegen 5,8Liter. Voigt interpretiert die Ausschweifungen bei festlichen Anlässen als Kontrastprogramm zu dem täglichen Mangel. Anhand verschiedener Rezepte, wie etwa dem der "Soljanka" , dem des "Letscho" aber auch dem des "Broiler" erkennt man, dass man kräftigere, weniger nuancenreiche, mithin weniger raffinierte Speisen zubereitete. Es fehlten einfach edle Zutaten und Gewürze. Diebisch gefreut habe ich mich, als ich von den subversiven Sachsen las, die sich ihren Weihnachtsstollen, ihre Eierschecken, Lerchen und Quarkkeulchen nicht weg sozialisieren ließen. Spätestens nach diesem Buch wird einem klar, weshalb unsere Großmütter immer wieder Lebensmittelpakete in den Osten geschickt haben und warum sie allein deswegen alle in den Himmel gekommen sind. Zur Kultivierung des Geschmacks fehlte es im Sozialismus an den notwendigen Ingredienzien. Vielleicht ist diese Mangelsituation der eigentliche Grund, weshalb die Broilernation dann doch untergegangen ist.... Empfehlenswert.