Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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127 von 165 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hervorragender Überblick über die Geschichte des Lebens, 21. Oktober 2008
Dies ist mal ein Buch von Richard Dawkins, was mir uneingeschränkt gefällt. Im Vordergrund steht die Evolution und Geschichte des Lebens (und weniger die Evolutionstheorie). Und in der Hinsicht habe ich bislang kaum ein ähnlich informatives und vor allem auch gut lesbares Buch in der Hand gehabt. Man erhält einen hervorragenden Überblick über die gesamte Geschichte des Lebens, so wie sich die Evolutionsbiologie dies aktuell vorstellt. Im Grunde ist das Buch so etwas wie Bill Brysons Eine kurze Geschichte von fast allem, jedoch eingeschränkt auf die Geschichte des Lebens. Es eignet sich auch sehr gut als Weihnachtsgeschenk für biologisch interessierte Schüler und Schülerinnen.
Im Rahmen des Buches begibt sich Dawkins - in Anlehnung an Geoffrey Chaucers mittelalterliche Erzählungen The Canterbury Tales - auf eine zeitlich rückwärts gerichtete Pilgerreise durch die Geschichte des Lebens, angefangen von heute bis zu seiner Entstehung, wobei man sehr viel über verschiedene Arten, historische Epochen und Katastrophen erfährt. All diese ist äußert lesenswert, ja manchmal sogar ein Genuss.
Eingehend widmet sich Dawkins der Frage, wie im Laufe der Evolution bestimmte Strukturen (zum Beispiel Augen) mehrfach entwickelt werden konnten. In der Natur scheint sich nicht nur alles rein zufällig immer wieder neu zu entwickeln, sondern es gab eine ganze Reihe Entwicklungswiederholungen.
Anders als Darwin, dessen Evolutionstheorie sich ausdrücklich auf den Ursprung beziehungsweise die Entstehung der Arten und damit letztlich auf Mehrzeller beschränkt (was zunächst einmal Sinn macht, denn mit den Mehrzellern begann eine ganz neue Entwicklungsstufe beziehungsweise Systemebene des Lebens), geht Dawkins bis an den Ursprung des Lebens zurück und stellt die Frage, was dessen Charakteristika sind. Bei der Beantwortung nimmt er im Grunde eine reduktionistische Haltung ein: Die strukturelle Gemeinsamkeit des Lebens ist die Vererbung. Leben lässt sich für ihn nicht eindeutig definieren, Vererbung dagegen schon. Systemtheoretiker, die die entscheidenden Merkmale des Lebens üblicherweise als emergente (nichtreduzierbare) Eigenschaften auffassen, würden ihm in diesem Punkt wohl energisch widersprechen (siehe Mersch: Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem).
Unabhängig davon weist Joachim Bauer in Das kooperative Gen (andere Autoren ebenso) darauf hin, dass neue Lebensformen im Laufe der Evolution keineswegs nur durch Vererbung, sondern unter anderem auch durch Vereinigung (Endosymbiose, Gentransfer, ...) entstanden sind. Auch könnte man sich rein theoretisch Lebensformen vorstellen, die prinzipiell beliebig lange fortbestehen können, ohne sich dabei ständig fortpflanzen zu müssen. Im Prinzip könnte man sogar moderne Unternehmen, die jederzeit in der Lage sind, ihre vorhandenen biologischen "Zellen" (Mitarbeiter) gegen ganz andere zu ersetzen, als eine solche Lebensform auffassen.
Doch diese möglichen Einwände sind für die Einschätzung des Gesamtwerks, dessen Lektüre sich allein schon aufgrund der großartigen Zeitreise lohnt, insgesamt nur von geringer Bedeutung.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Begegnungen - eine originelle und lebendige Darstellung der Evolution., 20. Februar 2009
Ist doch cool. Neugierig schauen wir auf unseren eigenen Familienstammbaum zurück. An jeder Abzweigung begegnen wir neuen Verwandten. Sie werden uns immer wieder andere und interessante Geschichten erzählen können. Was ist aus diesem Zweig der Verwandtschaft geworden, was aus jenem? Wer von Ihnen lebt noch? Haben wir uns weiter entwickelt als unsere Vorfahren, oder gab es da nicht schon einen Urgroßvater, eine Urgroßmutter, auf die wir ganz besonders stolz sind?
Fühlen wir uns gar als Höhepunkt dieser Abstammung? War unsere Verwandtschaft dazu da, gerade uns hervorzubringen? Ich glaube, dass kaum jemand so denkt. Aber innerhalb der Evolution der Lebewesen dieser Erde heben wir den Stellenwert des Menschen schon gerne hervor. Zu recht? Richard Dawkins wählte das Stilmittel der Zeitreise in die Vergangenheit ganz bewusst. Er konnte damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich meine, im übertragenen Sinn natürlich (ein Biologe würde höchstens zwei Fliegen im selben Formalingläschen bestatten). Aber zurück zu Dawkins. Er umgeht auf diese Weise eine Gefahr. Er möchte nämlich vermeiden, dass allein durch die Form der Erzählung - vom Anfang bis zum Heute - ungewollt der Eindruck erweckt würde, die Evolution sei zielgerichtet und entwickle sich hin zum Höheren. Man spürt die Erfahrung und das außerordentliche Hintergrundwissen des (nicht unumstrittenen) Evolutionsbiologen. Ein opulentes, in bekannter Manier locker geschriebenes Werk, das er da vorgelegt hat.
* Geschichten, die die Evolution geschrieben hat *
Richard Dawkins erklärt Grundzüge der Evolution an Hand von Geschichten. Es treten Brüllaffen auf, Biber, Pfauen, Flunder Ringelwürmer, Parasiten, Blumenkohl, Bakterien und viele andere. Er deutet evolutionäre Phänomene wie Egoismus und Kooperation. Oder, dass Unvollkommenheiten im Körperbau und im Aufbau von Organen verständlich werden, wenn man ihre evolutionäre Entstehung kennt. Methodiken kommen zur Sprache, wie die verschiedenen Möglichkeiten von Datierungen; und der Blumenkohl erzählt, warum die Stoffwechselrate in seinen Zellen höher sein muss als in einer Zelle eines Mammutbaums.
Beispiel Schnabeltiere. Jene eierlegenden australischen Säugetiere, die zuerst für einen Zoologenwitz gehalten wurden und als urtümliche 'lebende Fossilien' gelten, sind alles andere als primitiv. Ihr Schnabel ist ein mit hunderttausend elektrischen Sensoren bestücktes Aufklärungsinstrument, vergleichbar mit militärischen AWACS Systemen. Schnabeltiere bilden mit diesem Instrument die Wirklichkeit ab, so wie wir die Wirklichkeit mit unseren Augen aufnehmen. Richard Dawkins legt großen Wert darauf, dass wir uns bemühen die Natur zu verstehen. Nur auf diese Weise, so sagt er, können wir sie angemessen schätzen und bewundern.
Was würde passieren, wenn die Evolution noch einmal mit der ersten eukaryotischen Zelle beginnen würde? Kann man Vorhersagen treffen, in welche Richtung die Evolution geht? Ähnliche Probleme erfordern ähnliche Lösungen, beispielsweise die Notwendigkeit der Entwicklung von Augen zur Orientierung im Licht. Die Evolution schreitet nicht immer mit gleichem Tempo voran. Sie verläuft auch nicht rein zufällig; allein Embyonalentwicklung und Körperbau lassen nur ein beschränktes Spektrum von Lösungen zu. Und selbst die Evolution entwickelt ihre Mechanismen weiter: "Die Evolution der Evolutionsfähigkeit" (in diesem Zusammenhang werden von Molekularbiologen übrigens Genduplikationen, Gentransfers, mobile genetische Elemente diskutiert; Dawkins deutet hier lediglich Arbeiten anderer Autoren an).
* Ein opulentes Werk zur Evolution *
Ein ausführliches Werk, über 900 Seiten. Es ist kein Lehrbuch, sondern ein lebendig geschriebenes Lesebuch, eine Fundgrube immer wieder überraschender Geschichten und Querverweise. Es zeigt auch den nachdenklichen Dawkins, der im Gegensatz zu seinem Image als der Leibhaftige ("Der Gotteswahn") verschiedene Interpretationen gegenüberstellt, abwägt, sich von Argumentationen beeindrucken lässt und schon auch mal vorsichtig von der ein oder anderen früher vertretenen Position abrückt. Dies zeichnet einen selbstbewussten und aufrichtigen Wissenschaftler aus.
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26 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir sind eigentlich Schimpansen, die nie erwachsen geworden sind, 3. Februar 2009
Am 12. Februar 2009 wird der 200. Geburtstag eines Mannes gefeiert, der mit seinen Erkenntnissen und der Veröffentlichung seines Hauptwerkes "Über die Entstehung der Arten" (1859) das Verständnis über unsere Herkunft revolutionierte: sein Name Charles Darwin. Der Brite Richard Dawkins - einer der führenden Evolutionsforscher der Gegenwart und ein großer Verehrer des 1809 geborenen Naturwissenschaftlers - veröffentlichte bereits im Jahr 2004 in Zusammenarbeit mit seinem Forschungsassistenten Yan Wong ein sensationelles Buch ("The Ancestor's Tale"), das an die Lehre Darwins anknüpft und die Entwicklung unserer Spezies - des Menschen - auf beeindruckende Art und Weise und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufrollt.
Nun endlich liegt die von Sebastian Vogel verständlich und flüssig aus dem Englischen übertragene Version auch im Deutschen vor.
Dawkins hat trotz der Kompaktheit des Buches (über 900 eng bedruckte Seiten) und der beinahe erschlagenden Fülle an vermittelnden Informationen ein überaus lesenswertes Werk geschaffen. "Geschichten vom Ursprung des Lebens" - wie es der Titel bereits vermuten lässt - erzählt Geschichten über die Evolution. Aber keineswegs "eine blöde Geschichte nach der anderen" wie der Autor schmunzelnd einwirft und auch nicht in der Art, als welche man den Ablauf der Evolution mit etwas Humor durchaus beschreiben könnte, nämlich als "eine blöde Spezies nach der anderen", sondern der britische Evolutionsbiologe hat ein unglaublich spannendes, unterhaltsames, hochinformatives und wissenschaftlich fundiertes Sachbuch geschrieben, das sich beinahe wie ein Roman liest. Fasziniert verfolgt der Leser wie sich beginnend vor ca. 3,5 Milliarden Jahren das Leben nahezu aus dem Nichts mit einfachen Einzellern und Bakterien zu entwickeln begann und letztendlich zu "Produkten" führte, "die nicht nur ihren Ablauf begreifen sondern auch den Prozess, mit dem sie ihn begreifen" - den Menschen.
Eines raffinierten Weges bzw. einer durchdachten Vorgehensweise hat sich Richard Dawkins dabei bedient. Er verfolgt auf einer Pilgerreise die Entwicklung des Lebens rückwärts - von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, zum Ursprung. Der Leser wird ihm bereitwillig und vor allem interessiert folgen. "Aber da wir Menschen sind, werden wir von all diesen Wegen den unserer Vorfahren einschlagen. Es wird eine Pilgerreise von Menschen zu den Vorfahren der Menschen."
Die ersten Mitpilger - die Schimpansen - begrüßen wir vor fünf Millionen Jahren. Und nach jedem erneuten Zusammentreffen von Vorfahren, mit denen wir einen gemeinsamen Vorfahren haben, wird die Pilgerschar - unsere "Verwandtschaft" - immer größer und weitläufiger. Doch erstaunlicherweise hält sich, trotz der unermesslichen Zeitspanne, die Zahl der "Meetingpoints" oder Sammelplätze sehr stark in Grenzen. "Als menschliche Pilger kommen wir insgesamt nur an vierzig Treffpunkten vorüber, dann sind wir beim Ursprung des Lebens angekommen.", erklärt Dawkins.
Den Ursprung nennt der Autor "unser Canterbury", eine literarische Anspielung auf Geoffrey Chaucers "Canterbury Tales" (dt. "Die Canterbury-Erzählungen") aus dem 14. Jahrhundert. "Auch meine Pilger", so Dawkins, "die verschiedenen Arten der Lebewesen, werden nach dem Vorbild Chaucers die Gelegenheit erhalten, auf dem Weg nach ihrem Canterbury [...] Geschichten zu erzählen. Diese Geschichten bilden den Hauptteil des vorliegenden Buches." Da kommen zum Beispiel der Neandertaler zu Wort, der Gibbon, der Biber oder die Maus, der Beutelmaulwurf, der Dodo, die Heuschrecke, der Schwamm oder ein Blumenkohl, um nur einige zu nennen, bis wir letztendlich bei den letzten Pilgern, den Eubakterien und dessen ausgewählten Vertretern wie dem Rhizobium oder dem Taq ankommen.
"Das Gerüst der Erzählungen [wiederum] bilden die nummerierten Meilensteine an den Treffpunkten und zwischendurch einige Orientierungsmarken, die unbedingt notwendig sind, damit wir die Chronologie festklopfen können.", erläutert Dawkins. Dabei kann der Leser in beinahe jeder der Begegnungen eine evolutionäre Botschaft entdecken, in der wir Menschen leider nicht immer die beste Rolle spielen.
Von Zeit zu Zeit integriert der Autor anschaulichen wissenschaftlichen Nachhilfeunterricht. Dawkins erläutert verständlich und kompetent den DNA-Aufbau und Gensequenzanalysen, erklärt die Modellierung von Stammbäumen mit Hilfe von Computerprogrammen oder aber das Periodensystem der chemischen Elemente und die Bildung von Isotopen. Sogar einen Abstecher in die Astrophysik und die Quantenmechanik unternimmt er.
Ergänzt wird das Buch durch viele grafische Erläuterungen, über fünfzig zum Teil spektakuläre Farbaufnahmen und einen ausführlichen Anhang, der unter anderem Anmerkungen zu Stammbäumen und Rekonstruktion sowie ein umfassendes Quellenverzeichnis und Register enthält.
"Wenn ich als heimkehrender Wirt die ganze Pilgerreise Revue passieren lasse, an der ich teilnehmen durfte", sinniert Richard Dawkins in seinem Schlussplädoyer, "überfällt mich vor allem ein Gefühl des Staunens. Ich staune nicht nur über die Fülle ungewöhnlicher Einzelheiten, die uns begegnet sind, sondern auch darüber, dass solche Einzelheiten überhaupt auf einem x-beliebigen Planeten vorhanden sind. Das Universum hätte ohne weiteres leblos und einfach bleiben können - nur mit Physik und Chemie, nur mit dem fein verteilten Staub der kosmischen Explosion, die Raum und Zeit hervorbrachte. Die Tatsache, dass das nicht geschah [...], ist so atemberaubend, das jeder Versuch, ihr mit Worten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, töricht wäre."
Fazit:
Richard Dawkins ist es gelungen, mit seinem wundervollen Buch eben jenes von ihm angesprochene Staunen beim Leser neu zu aktivieren und auf unnachahmliche Weise das populäre Verständnis der Evolution von einigen hartnäckigen Vorurteilen zu befreien.
Ein äußerst lesens- und nachdenkenswertes Buch, das sich wohltuend von seinem jüngsten Werk "Der Gotteswahn" unterscheidet.
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