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Geschichten vom Herrn Keuner: Zürcher Fassung [Taschenbuch]

Erdmut Wizisla , Bertolt Brecht
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

13. September 2004
Wer hätte das für möglich gehalten? Fast 75 Jahre nach der ersten Veröffentlichung von Keuner-Texten (1930), für die Brecht zwischen 1929 und 1956 immer wieder neue Themen fand, und auch zehn Jahre nach den intensiven Recherchen für die große Brecht-Ausgabe kommen jetzt Keuner-Texte zum Vorschein, die noch niemand zuvor hat lesen können.
In der Schweiz sind u.a. insgesamt fünfzehn unbekannte Keuner-Geschichten aufgetaucht. Sie fanden sich in einer Mappe mit der Aufschrift "geschichten vom h k", aus der Brecht 1948 in Zürich eine Auswahl für die Kalendergeschichten getroffen hat. Die Mappe bildet die Grundlage für den hier vorgelegten Band der Geschichten vom Herrn Keuner als "Zürcher Fassung". Faksimiles der neuen Dokumente erlauben einen Einblick in die Werkstatt des Verfassers.
Die Ausgabe erscheint zur Ausstellung "Neues vom Herrn Keuner", in der die Stiftung Archiv der Akademie der Künste zum ersten Mal die Keuner-Mappe und andere Dokumente aus dem Zürcher Konvolut im Original präsentiert: Berlin, Liebermann-Haus, 2. Oktober bis 28. November 2004.


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (13. September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351841660X
  • ISBN-13: 978-3518416600
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 765.968 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Geschichten vom Herrn Keuner
OA 1949 Form Kurzprosa Epoche Moderne
Die kurzen Prosastücke teils erzählerischen, teils philosophischen Inhalts von Bertolt Brecht spielen anhand von exemplarischen Situationen und der fiktiven Figur »Herr Keuner« mögliche Verhaltensweisen in einer sich verändernden Welt durch.
Entstehung: Brecht hat über 30 Jahre hinweg, von 1926 bis zu seinem Tod, Keunergeschichten verfasst und sie in Gruppen veröffentlicht. Der Schwerpunkt der Arbeit fällt – parallel zur Entstehung der Lehrstücke – in die späten 1920er Jahre. Eine durchkomponierte Gesamtausgabe hat Brecht offenbar nicht angestrebt; die umfassendste Publikation von seiner Hand (39 Geschichten) findet sich neben anderer Prosa in dem Band Kalendergeschichten (1949). Die nach Brechts Tod erschienenen Werkausgaben enthalten 87 Keuner-Geschichten.
Inhalt: Parallel zu den Lehrstücken versuchte Brecht ein kurzes Prosa-Modell zu entwickeln, mit dessen Hilfe Fragen des Verhaltens im politisch-sozialen Kontext sowie Probleme der Erkenntnistheorie abgehandelt werden können. Dazu benutzte er die Kunstfigur des Herrn Keuner, dessen Name als süddeutsche Form von »keiner«, aber auch als Anspielung auf das griech. koinos (das Allgemeine betreffend = das Politische) verstanden werden kann. Brecht bezeichnete ihn auch als »den Denkenden« und ließ ihn in seinen Beispielgeschichten einerseits als Handlungsfigur auftreten, die sich zu einer überraschenden Situation oder Frage verhalten muss und dabei verschiedene Möglichkeiten abwägt oder erprobt, andererseits aber auch als Lehrerfigur, die ihre aus Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse als Lebensweisheit weitergibt. Damit greift Brecht alte, insbesondere fernöstliche Traditionen auf, die er mit Motiven des Behaviourismus und der marxistischen Theorie verbindet.
Die Geschichten vom Herrn Keuner sollen also nicht als rein erzählende, sondern müssen nach Brechts Absicht als philosophische Texte gelesen werden; damit weisen sie Querverbindungen nicht nur zu seinem ähnlich strukturierten Werk Me-ti. Das Buch der Wendungen (1965), sondern auch zu seinen Marxistischen Studien (1967) auf. Zentral für das Philosophieren des Autors ist die Kategorie der Veränderung, sowohl als historischer Prozess wie als aktives »Eingreifen«. Deshalb »erbleicht« Herr Keuner, als ihm jemand sagt, er habe »sich gar nicht verändert«. Wie man sich zu den (historischen, sozialen) Veränderungen verhalten soll, kann nicht abstrakt gelehrt, sondern muss erprobt werden. Deshalb gilt die Maxime: »Weise am Weisen ist die Haltung« (und nicht die Lehre an sich). Eine auf Erfahrung gegründete Lehre aber vermag die Kluft zwischen Theorie und Praxis – oder Philosophie und Leben – zu überwinden. Es gilt daher der Satz: »Denken heißt verändern.«
Aufbau: Die Geschichten weisen in struktureller Hinsicht eine gewisse Variationsbreite auf. Typisch ist ein zweigliedriger Aufbau, der aus einer Minimalhandlung (wie z. B. einem Wortwechsel) und einer Konsequenz besteht, die als »Lehre« ausformuliert werden kann (aber nicht immer muss). Diese eigenwillige Form ist mit lehrhaften Kurzformen wie Fabel, Parabel, Anekdote oder Exemplum verwandt, ohne einer von ihnen ganz zu entsprechen.
Wirkung: Die Geschichten vom Herrn Keuner sind vor allem von jüngeren marxistischen Autoren als Modell benutzt worden. So formuliert Volker Braun (* 1939) seine immanente Kritik am Gesellschaftszustand der DDR in seinen Geschichten von Hinze und Kunze (1983). Wichtiger noch ist die Resonanz, die die Geschichten wegen ihrer Kürze, ihres Modellcharakters und ihrer Impulse zum Weiterdenken im Literaturunterricht in Ost und West gefunden haben. J. V. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren und starb am 14. August 1956 in Berlin. Von 1917 bis 1918 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Naturwissenschaften, Medizin und Literatur. Sein Studium musste er allerdings bereits im Jahr 1918 unterbrechen, da er in einem Augsburger Lazarett als Sanitätssoldat eingesetzt wurde. Bereits während seines Studiums begann Brecht, Theaterstücke zu schreiben. Ab 1922 arbeitete er als Dramaturg an den Münchener Kammerspielen. Von 1924 bis 1926 war er Regisseur an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. 1933 verließ Brecht mit seiner Familie und Freunden Berlin und flüchtete über Prag, Wien und Zürich nach Dänemark, wo er sich die nächsten fünf Jahre aufhielt. Außer Dramen schrieb Brecht auch Beiträge für mehrere Emigrantenzeitschriften in Prag, Paris und Amsterdam. 1948 kehrte er aus dem Exil nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tod als Autor und Regisseur tätig war. Der Film Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? aus dem Jahr 1931 ist in der filmedition suhrkamp erschienen.



Erdmut Wizisla ist Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs und Leiter des Walter Benjamin Archivs an der Akademie der Künste Berlin.

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Kundenrezensionen

4.4 von 5 Sternen
4.4 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wundervolle Prosahäppchen 12. Oktober 2005
Format:Taschenbuch
Die „Geschichten vom Herrn Keuner" sind ein rares Meisterstück der Prosa. Bertholt Brecht, eines der größten deutschen Literaturgenies des 20. Jahrhunderts, erzählt hier in winzigen Kapiteln von den Erlebnissen und Reden des Herrn Keuner, dem Denkenden, und befasst sich so mit diversen Fragen und Themen, Staatswesen, Gott, zwischenmenschlichem Verhalten etc., und das unglaublich klug und mit einer gehörigen Portion Humor.
Eine meiner liebsten und auch eine der kürzesten Keunergeschichten sei hier zitiert:

„Das Wiedersehen

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert." „Oh!" sagte Herr Keuner und erbleichte."

Wer Freude an Gedanken und intelligentem Humor hat, dem empfehle ich dieses schmale Büchlein wärmstens.

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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Juwel der Prosa 1. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Die kurzen Geschichten vom Herrn Keuner von Berthold Brecht sind fast jedermann bekannt. Er schrieb sie in den Jahren 1935 bis in die fünfziger hinein. Hier findet man erstmalig eine vollständige Veröffentlichung. Mir gefällt diese Art von Prosa deshalb so gut, weil man in den Geschichten, die zum Teil fast ein Selbstportrait Brechts sind, viel über ihn, seine Moral, seine Lehre und seine Weisheit erfährt. Es sind kurze Geschichten zum Nachdenken, in denen oft mehr Wahrheit steckt, als dem Leser lieb sein wird. Seine Gedanken bringt Brecht beeindruckend in der kurzen Form der Geschichten zum Eindruck. Ein Buch zum verschenken. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keuner geht jeden an! 9. Januar 2000
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ein Mensch geht zu Herrn K. und fragt ihn, warum er sein Buch lesen sollte. Herr K. sieht ihn von oben bis unten an und sagt ... Ja, was sagt er? Ich kann leider keine Keunergeschichten schreiben, sonst wäre ich längst reich und berühmt, oder wenigstens arm und berühmt. Oder vielleicht auch reich und unbekannt, denn in Keunergeschichten steckt meist eine schmerzhafte Wahrheit, und heutzutage soll es ja Menschen geben, die dafür zahlen, dass gewisse Wahrheiten nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Aber da ich keine Keunergeschichten schreiben kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als Keunergeschichten zu lesen. Wenn Sie Brecht kennenlernen wollen, gibt es keinen besseren Einstieg, denn Dramen sind länger, Gedichte schwieriger und Theaterkarten teurer. Auch so eine traurige Wahrheit. Herr K. steckt voller Wahrheiten. Oder ist es Weisheit? Vielleicht sind es Keuners Wahrheiten und Brechts Weisheit. Die Geschichten sind kurz, manchmal nur ein paar Zeilen lang, und nie langweilig. Und klug. Und gut. Lesen Sie sie. Und wenn Sie das nicht nötig haben - Schreiben Sie welche! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Die neuesten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen Geschichten vom Herrn Keuner von Bertolt Brecht
Das Buch war neu, wie gedacht, und sehr schnell herausgeschickt, und dafuer denke ich Euch.
Leider habe ich das noch night gelesen, aber Brecht ist Brecht, und enttaeuscht... Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von norman blair veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Bisschen dünne
Ich habe das Buch, wie ich gestehen muss, aus zweiter Hand, und muss meiner "Vorleserin" oder meinem "Vorleser" danken für die Anmerkungen, die sie/er vorgenommen hat. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. August 2010 von helmut seeger
4.0 von 5 Sternen Geschichten vom Herrn Keuner
Kurzgeschichten, wie sie nur von Bert Brecht sein können. Sollte eigentlich noch jeder aus der Schule kennen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 24. Dezember 2009 von Roland Grosche
4.0 von 5 Sternen Weisheit für alle
Ein weiser Mann, der die Kraft des knappen Wortes versteht: das ist Bertolt Brechts Herr Keuner. Seit 1929 verlieh Brecht durch ihn seinen Gedanken eine Ausdrucksform, die in der... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 7. Juli 2005 von beauchampday
5.0 von 5 Sternen Manfred Krugs geniale sensible Interpretation
Bertold Brecht, einem großen Publikum durch die „Drei-Groschen-Oper", „Mutter Courage" oder „Galileo Galilei" bekannt, hat neben seinen Dramen und Lyriken... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 13. Mai 2005 von Wolfgang Haan
5.0 von 5 Sternen Zu schade zum Durchlesen
Keuner-Geschichten kannte und hasste ich aus der Schule. Sie sind halt manchmal etwas kompliziert und man findet keinen Ansatzpunkt. Heute lese ich sie gerne. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 13. Januar 2003 von Clemens Keuner
4.0 von 5 Sternen Literarischer Anspruch, doch jenseits unsres Zeitgeistes
Inhalt: Die zu Klassiker gewordenen Parabeln des Herrn Keuner


Bewertung: Ich sehe Brecht immer noch als Modeerscheinung seiner Zeit; das aufkommende Bürgertum und die... Lesen Sie weiter...

Veröffentlicht am 2. November 2002 von Dürwald, Katrin
4.0 von 5 Sternen Prächtige Verpackungen für einen nicht immer genialen Inhalt
Berthold Brecht gilt als verspäteter Aufklärer, was auch bei den Geschichten von Herrn Keuner deutlich wird. Lesen Sie weiter...
Am 12. Oktober 2001 veröffentlicht
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