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Sei erst mal bemerkt, dass dieses Buch gar nicht den Anspruch erhebt die "Geschichte" seines Faches zu erzählen, sondern nur "Geschichten" - vor allem eben die großartigen Einzelleistungen aus der Pionierzeit dieser jungen Wissenschaft und die "Visionen, Paradigmen, Leitmotive" auf dem Weg von den ersten Relais-Rechnern in die unendlichen Komplexität moderner Computerarchitektur.
Denn der Herausgeber, Hans Dieter Hellige, hält die Disziplinwerdnung der Informatik noch keineswegs für abgeschlossen, und erzählt "Geschichten" aus der Zeit der Genese einer noch jungen Wissenschaft - das dieses Werk in meinen Augen durchaus einen umfassenden und äußerst informativen Überblick über die Wissenschaftsgeschichte der Informatik erhält, sei vorweg erwähnt.
Zum Inhalt: Zu Beginn steht die Pionierleistung von Konrad Zuse mit seinen Rechenautomaten im Blickpunkt - eine äußerst spannende, teilweise auch kritische Betrachtung des ersten Meilensteines elektronischen Rechnens, der über die mechansichen Geräte weit hinausgeht - viel wird sehr anschaulich über die frühe Computerarchitektur und Zuses Plankalkül (die frühe Idee einer Programmiersprache) geschrieben, detaillierte Informationen, die völlig neue Sichtweisen auf das eröffnen, was sich heute in Bruchteilen von Sekunden innerhalb von Milliarden von Transistoren eigentlich abspielt.
Die vielen Abhandlungen zur Architekur und Designproblematik im Mittelteil geben hochinteressante Einblicke in den fühen Entwürfe und Überlegungen zu komplexen Architekturen. Die Entwicklung früher Programmiersprachen wie Algol oder Sutherlands Vision graphischer Datenverarbeitung geben unerwartete Einblicke in die Leistungen der damaligen Programmierer.
Gegen Ende steht die moderne Computerarchitektur, die Ideen des top-down und der bottom-up Entwicklung im Vordergrund, der Essay von Hellige selbst "Die Genese von Wissenschaftskonzepten der Computerarchitektur: Vom 'system of organs' zum Schichtenmodell des Designraums" dürfte zu den brilliantesten Abhandlungen zählen - der Titel verspricht jedenfalls nicht zuviel.
Jeder der sich für Informatik interessiert und mit Programmiersprachen auseinandersetzt ist dieses Werk sicherlich ein großer Erkenntnisgewinn - die "Architektur-Metapher" die die Informatik von anderen Ingeneursdispziplinen abhebt wird noch lange für die Hard- und Softwareentwicklung von Interesse sein - wer verstehen will, wie es zur heutigen Computerarchitektur kam, was sich in der heutigen Hochsprachen alles für Pionierleistung verbirgt, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt - die Geschichte seines Faches zu kennen bedeutet immer einen Gewinn für die Zukunft.
Abgesehen von den etwas "bemüht" gelesenen beiden Essays von Jörg Pflüger eine äußerst angenehme Lektüre, die auch in den Ausführungen zum Plankalkül Detailsorgfalt an den Tag legt, aber ansonsten mit nur wenig Hintergrundwissen gut verständlich ist.
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