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Geschichten vom Herrn Keuner
 
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Geschichten vom Herrn Keuner [Taschenbuch]

Bertolt Brecht
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 27 (6. Januar 1971)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518365169
  • ISBN-13: 978-3518365168
  • Größe und/oder Gewicht: 17,7 x 10,8 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 10.921 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Bertolt Brecht
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Produktbeschreibungen

Hörbuch-Rezension

Sie sind kurz, verfügen über einen Modellcharakter und geben Impulse zum Weiterdenken; ihre Form ähnelt Fabeln, Parabeln und Aphorismen, und sie beinhalten, zumindest unterschwellig, eine Handlungsanweisung. Die Rede ist von Bertolt Brechts berühmten Geschichten vom Herrn Keuner, an denen der Autor seit 1929 schrieb, und in denen er meist von sich selbst erzählt. Seit Ende 2000 im Nachlass einer Schweizer Dokumentarfilmerin ein Koffer mit Brecht-Texten gefunden wurde, die dieser 1949 bei seinem Umzug nach Ostberlin nicht mitgenommen hatte, gibt es neue Keuner-Geschichten. Manfred Krug liest 12 dieser neuen, bis dahin unbekannten und 38 der bereits berühmten Prosastücke.

Der Schauspieler, der am Berliner Ensemble Brechts seine Karriere begann, trägt die alten und neuen Geschichten vom Herrn Keuner (in Süddeutschen bedeutet „keuner“ „keiner“) mit einem zurückhaltend, leicht ironischen Akzent vor. Seit er 1977 nach Unterzeichnung der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns nach West-Berlin übersiedelte, ist Krug u. a. durch den „Tatort“ und die Serie „Liebling Kreuzberg“ zu einem der bekanntesten deutschen Schauspieler geworden. Nicht, dass Krug die vielen Dialoge zwischen dem Alter Ego Bertolt Brechts und den Fragestellern eintönig oder wenig abwechslungsreich lesen würde -- nein keineswegs --, aber die häufigen pädagogischen, teils vor Lebensweisheit triefenden Anweisungen im Sinne eines korrekten Verhaltens im politisch-sozialen Kontext werden durch seinen Tonfall angenehm entschärft. Mit heiterer Stimme und Feingefühl trägt er beispielsweise Keuners erstaunlich aktuelle Meinung über mustergültiges Autofahren vor, zeichnet das liebevolle Porträt eines Elefanten, der K’s Lieblingstier ist, und bringt die Geschichte Wenn Haifische Menschen wären sehr überzeugend zu Ohr. „Der Denkende“, der so kluge Sentenzen über die Liebe, den Erfolg, die Gastfreundschaft, die Veränderung (in Das Wiedersehen) oder die Haltung des Weisen formuliert, kommt in Krugs ironischer Diktion unbeschwert zur Geltung. Die zurückgenommene Virtuosität, mit der er die Kunstfigur Keuner spricht, ist ein charmanter Rahmen für die Moral, die Lehre und Weisheit des strengen Bert Brecht! Fazit: Manfred Krug, einer der populärsten Schauspieler Deutschlands, ausgestattet mit Ecken und Kanten, präsentiert hier eine sehr feinfühlige Interpretation der bekannten Prosa eines der größten Dramatikers des 20. Jahrhunderts. Hört sich gut an!

Lesung, Spieldauer: ca. 44 Minuten, 1 CD. Mit Booklet. Eine Produktion von DeutschlandRadio Berlin. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Geschichten vom Herrn Keuner
OA 1949 Form Kurzprosa Epoche Moderne
Die kurzen Prosastücke teils erzählerischen, teils philosophischen Inhalts von Bertolt Brecht spielen anhand von exemplarischen Situationen und der fiktiven Figur »Herr Keuner« mögliche Verhaltensweisen in einer sich verändernden Welt durch.
Entstehung: Brecht hat über 30 Jahre hinweg, von 1926 bis zu seinem Tod, Keunergeschichten verfasst und sie in Gruppen veröffentlicht. Der Schwerpunkt der Arbeit fällt – parallel zur Entstehung der Lehrstücke – in die späten 1920er Jahre. Eine durchkomponierte Gesamtausgabe hat Brecht offenbar nicht angestrebt; die umfassendste Publikation von seiner Hand (39 Geschichten) findet sich neben anderer Prosa in dem Band Kalendergeschichten (1949). Die nach Brechts Tod erschienenen Werkausgaben enthalten 87 Keuner-Geschichten.
Inhalt: Parallel zu den Lehrstücken versuchte Brecht ein kurzes Prosa-Modell zu entwickeln, mit dessen Hilfe Fragen des Verhaltens im politisch-sozialen Kontext sowie Probleme der Erkenntnistheorie abgehandelt werden können. Dazu benutzte er die Kunstfigur des Herrn Keuner, dessen Name als süddeutsche Form von »keiner«, aber auch als Anspielung auf das griech. koinos (das Allgemeine betreffend = das Politische) verstanden werden kann. Brecht bezeichnete ihn auch als »den Denkenden« und ließ ihn in seinen Beispielgeschichten einerseits als Handlungsfigur auftreten, die sich zu einer überraschenden Situation oder Frage verhalten muss und dabei verschiedene Möglichkeiten abwägt oder erprobt, andererseits aber auch als Lehrerfigur, die ihre aus Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse als Lebensweisheit weitergibt. Damit greift Brecht alte, insbesondere fernöstliche Traditionen auf, die er mit Motiven des Behaviourismus und der marxistischen Theorie verbindet.
Die Geschichten vom Herrn Keuner sollen also nicht als rein erzählende, sondern müssen nach Brechts Absicht als philosophische Texte gelesen werden; damit weisen sie Querverbindungen nicht nur zu seinem ähnlich strukturierten Werk Me-ti. Das Buch der Wendungen (1965), sondern auch zu seinen Marxistischen Studien (1967) auf. Zentral für das Philosophieren des Autors ist die Kategorie der Veränderung, sowohl als historischer Prozess wie als aktives »Eingreifen«. Deshalb »erbleicht« Herr Keuner, als ihm jemand sagt, er habe »sich gar nicht verändert«. Wie man sich zu den (historischen, sozialen) Veränderungen verhalten soll, kann nicht abstrakt gelehrt, sondern muss erprobt werden. Deshalb gilt die Maxime: »Weise am Weisen ist die Haltung« (und nicht die Lehre an sich). Eine auf Erfahrung gegründete Lehre aber vermag die Kluft zwischen Theorie und Praxis – oder Philosophie und Leben – zu überwinden. Es gilt daher der Satz: »Denken heißt verändern.«
Aufbau: Die Geschichten weisen in struktureller Hinsicht eine gewisse Variationsbreite auf. Typisch ist ein zweigliedriger Aufbau, der aus einer Minimalhandlung (wie z. B. einem Wortwechsel) und einer Konsequenz besteht, die als »Lehre« ausformuliert werden kann (aber nicht immer muss). Diese eigenwillige Form ist mit lehrhaften Kurzformen wie Fabel, Parabel, Anekdote oder Exemplum verwandt, ohne einer von ihnen ganz zu entsprechen.
Wirkung: Die Geschichten vom Herrn Keuner sind vor allem von jüngeren marxistischen Autoren als Modell benutzt worden. So formuliert Volker Braun (* 1939) seine immanente Kritik am Gesellschaftszustand der DDR in seinen Geschichten von Hinze und Kunze (1983). Wichtiger noch ist die Resonanz, die die Geschichten wegen ihrer Kürze, ihres Modellcharakters und ihrer Impulse zum Weiterdenken im Literaturunterricht in Ost und West gefunden haben. J. V.

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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wundervolle Prosahäppchen, 12. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Geschichten vom Herrn Keuner (Taschenbuch)
Die „Geschichten vom Herrn Keuner" sind ein rares Meisterstück der Prosa. Bertholt Brecht, eines der größten deutschen Literaturgenies des 20. Jahrhunderts, erzählt hier in winzigen Kapiteln von den Erlebnissen und Reden des Herrn Keuner, dem Denkenden, und befasst sich so mit diversen Fragen und Themen, Staatswesen, Gott, zwischenmenschlichem Verhalten etc., und das unglaublich klug und mit einer gehörigen Portion Humor.
Eine meiner liebsten und auch eine der kürzesten Keunergeschichten sei hier zitiert:

„Das Wiedersehen

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert." „Oh!" sagte Herr Keuner und erbleichte."

Wer Freude an Gedanken und intelligentem Humor hat, dem empfehle ich dieses schmale Büchlein wärmstens.

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Juwel der Prosa, 1. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Geschichten vom Herrn Keuner (Taschenbuch)
Die kurzen Geschichten vom Herrn Keuner von Berthold Brecht sind fast jedermann bekannt. Er schrieb sie in den Jahren 1935 bis in die fünfziger hinein. Hier findet man erstmalig eine vollständige Veröffentlichung. Mir gefällt diese Art von Prosa deshalb so gut, weil man in den Geschichten, die zum Teil fast ein Selbstportrait Brechts sind, viel über ihn, seine Moral, seine Lehre und seine Weisheit erfährt. Es sind kurze Geschichten zum Nachdenken, in denen oft mehr Wahrheit steckt, als dem Leser lieb sein wird. Seine Gedanken bringt Brecht beeindruckend in der kurzen Form der Geschichten zum Eindruck. Ein Buch zum verschenken. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Keuner geht jeden an!, 9. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Geschichten vom Herrn Keuner (Taschenbuch)
Ein Mensch geht zu Herrn K. und fragt ihn, warum er sein Buch lesen sollte. Herr K. sieht ihn von oben bis unten an und sagt ... Ja, was sagt er? Ich kann leider keine Keunergeschichten schreiben, sonst wäre ich längst reich und berühmt, oder wenigstens arm und berühmt. Oder vielleicht auch reich und unbekannt, denn in Keunergeschichten steckt meist eine schmerzhafte Wahrheit, und heutzutage soll es ja Menschen geben, die dafür zahlen, dass gewisse Wahrheiten nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Aber da ich keine Keunergeschichten schreiben kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als Keunergeschichten zu lesen. Wenn Sie Brecht kennenlernen wollen, gibt es keinen besseren Einstieg, denn Dramen sind länger, Gedichte schwieriger und Theaterkarten teurer. Auch so eine traurige Wahrheit. Herr K. steckt voller Wahrheiten. Oder ist es Weisheit? Vielleicht sind es Keuners Wahrheiten und Brechts Weisheit. Die Geschichten sind kurz, manchmal nur ein paar Zeilen lang, und nie langweilig. Und klug. Und gut. Lesen Sie sie. Und wenn Sie das nicht nötig haben - Schreiben Sie welche! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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