Gabriel Garcia Marquez ist einfach ein begnadeter Erzähler. In seinen "Zwölf Erzählungen aus der Fremde" stellt er dies wieder eindrucksvoll unter Beweis. Die zwölf Kurzgeschichten handeln immer von Südamerikanern in Europa und was sie dort erleben. Schauplätze sind Rom, Genf, Paris oder Spanien, genauso kann es aber auch im Flugzeug oder in Süditalien spielen. Der Autor hat ein gutes Gefühl für Sprache, und es macht Spaß, seinem Erzählfluß zu folgen. Die meisten Erzähler sind Schriftsteller und so drängt sich irgendwie der Verdacht auf, daß er selbst diese Geschichten bereits erlebt hat, aber andererseits sind manche auch so haarsträubend, daß sie eigentlich nur erfunden sein können. Dieses ständige Rätseln, ob denn nun oder nicht macht das Buch nur um so interessanter. Die Geschichten sind manchmal zum Steinerweichen, manchmal ungewöhnlich hart; immer aber sind sie von der Sprache des Gabriel Garcia Marquez getragen und das macht ihren ungeheuren Reiz aus. Gleichzeitig erzählen diese Geschichten von dem Reiz oder dem Abstoßenden an Europa und ist daher gerade für den Europäer interessant. Und es sind Geschichten von Menschen, die doch irgendwie immer fremd sind in Europa, egal wie lange sie schon da sind. Auch das ist ein interessanter Aspekt. Also, das Buch ist wirklich nur zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)