23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbare Ergänzung zum "Tagebuch", 29. Juli 2001
Rezension bezieht sich auf: Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus (Taschenbuch)
Am 7. August 1943 schrieb Anne in ihr Tagebuch: "Liebe Kitty! Ich habe vor ein paar Wochen angefangen, eine Geschichte zu schreiben, etwas, das ganz ausgedacht ist, und es macht mir so viel Freude, daß sich meine Federkinder schon stapeln." Sicher wird mancher Leser sich an dieser Stelle gefragt haben, was das denn für Geschichten seien. "Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus" enthält diese Aufzeichnungen von Anne Frank. Manche Erzählungen sind autobiographisch (Überschriften sind u.a. "Weißt du noch", "Eine Biologiestunde", "Anne und die Theorie", "Der Abend und die Nacht im Hinterhaus") und sind teilweise Erinnerungen an die Zeit, als Anne noch leben durfte wie andere junge Menschen. Andere ihrer Geschichten spielen in einer Traumwelt. In der Enge des Hinterhauses hat Anne sich wunderschöne Märchen ausgedacht, mit Titeln wie "Evas Traum", "Das Blumenmädchen", "Blurry der Weltentdecker", "Cadys Leben" und "Der Schutzengel". Wie Josh van Soer es im Vorwort formuliert: "Da sie selbst im Hinterhaus gefangen ist, läßt sie ihre Figuren reisen, entdecken und 'frei sein'. Ihre Geschichten sind getragen von großem Gerechtigkeitsempfinden, und fast alle lassen Annes Gefühl für Zärtlichkeit und Melancholie deutlich werden." Wer Annes Tagebuch gelesen hat und - genau wie ich - von ihrer Art zu schreiben tief bewegt war, wird dieses Buch als unschätzbare Bereicherung empfinden. Dieses Buch sollte seinen Platz finden neben dem berühmten "Tagebuch".
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zusatz zu Tagebuch, 13. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus (Taschenbuch)
Wer so wie ich das Tagebuch von Anne Frank gelesen hat, der wird von ihrer grausamen Geschichte sicher sehr betroffen gewesen sein. Aber ich denke, er wird auch von Annes Talent, die Dinge zu beschreiben die sie sieht und auszudrücken, was sie denkt beeindruckt gewesen sein. Das Buch "Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus" beinhaltet wunderschöne Geschichten, die sich Anne ausdachte, als sie sich versteckte. Die Geschichten sind auch mit Datum, und so kann man erst die Erlebnisse vom Tag lesen und dann die Geschichte oder Erzählung, die sie an diesem Tag aufgeschrieben hat durchlesen. So bekommt man einen noch besseren Eindruck von ihren Gefühlen und Gedanken. Ich denke, dises Buch ist ein wunderbarer Zusatz, zu dem Tagebuch und sollte von jedem gekauft werden, der sich für das Leben Anne Franks interessiert.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Längst nicht so gut wie das Tagebuch, 9. Mai 2007
Wenn man die berühmten Tagebuchaufzeichnungen der Anne Frank gelesen hat und von Annes anschaulicher Art zu schreiben, von ihrer starken Persönlichkeit beeindruckt ist, dann ist man gespannt auf ihre Geschichten, die in den Tagebüchern häufig erwähnt werden, und erwartet viel, vielleicht zu viel von einem 14jährigen Mädchen.
Denn wo aus den Tagebüchern Leidenschaft, mitreißende Entschlossenheit und Reife spricht, sind die Geschichten, Essays und autobiographischen Erzählungen noch sehr von einer unfesten Kinderstimme und Naivität geprägt. Es kommt kaum ein Lesefluss zustande, da der Großteil der Geschichten erkennbar nur geschrieben wurde, um irgendwas, das Anne offenbar tief beeindruckt hat, zu verwurschteln. Vieles kennt man aus dem Tagebuch: Die neuentdeckte Liebe zur Natur und ihre trostspendende Wirkung, der Konflikt mit der Mutter, der Traum von der verschleppten Freundin, die einen aus der Gefangenschaft heraus mit großen augen anklagend anstarrt - das alles wirkt im Tagebuch viel eindringlicher und gefühlsechter. Im März 44 schrieb Anne an ihre Schwester Margot, sie wolle ihr gerne eine bestimmte Stelle im Tagebuch zeigen, und weiter: "Weißt du warum ich denke daß es dich interessiert? Weil ich nirgends, auch nicht in meinen Geschichten wirklich mich selbst ausdrücken kann und das geht in meinem Tagebuch völlig. Das schreit und jauchzt eigentlich genauso wie ich das manchmal tue!". [Zu finden in der textkritischen Ausgabe.]
Die Geschichten werden i.d.R. von einer moralischen Botschaft getragen. So ist "evas Traum", das Anne selbst als ihr "schönstes Märchen" bezeichnet, ein Appell an die Menschheit, sich nicht von dem äußeren schein blenden zu lassen und statt dessen einen Menschen nach seinen inneren Qualitäten zu beurteilen. Die Erzählung "Filmstar-Illusionen" kommt zu dem ergebnis, dass ein Leben als Filmstar sehr stressig sein könne und dass man also auch hier nicht nach dem schönen schein gehen solle. Das mag zwar alles richtig und lobenswert sein, aber es ist eben auch trivial, und diese Botschaften selbst beherrschen derart die Geschichten, dass keine der vorgestellten Figuren lebendig werden will und keine der geschilderten Szenen auf den Leser wirken kann.
Die Geschichte "Katrientje", die auch in manche Ausgaben des Tagebuchs aufgenommen worden ist, sehe ich als die einzig gelungene an, vor allem deshalb, da hier der sonst so aufdringliche moralische Zeigefinger völlig fehlt.
Neben den fiktionalen Geschichten gibt es auch autobiographische Erzählungen, zum Teil Passagen aus dem Tagebuch, etwa die über den Tagesablauf im Hinterhaus, aber auch Berichte über die Schule oder Erinnerungen an die wechselnden Untermieter, die mitunter einen interessanten Einblick in das Leben der Franks vor der Zeit des Versteckens geben.
Ebenso finden sich kleine Essays in dem Bändchen, oft Plädoyers für mehr Menschlichkeit und Großzügigkeit, doch ähnlich wie die Geschichten empfindet man diese als flach und naiv.
Nichtsdestotrotz, auch wenn die Geschichten von unterschiedlicher Qualität sind, ist dieses Buch doch eine sinnvolle Ergänzung zum bekannten Tagebuch, schon allein, weil dort Annes Geschichten oft erwähnt werden und man neugierig wird, und es ist eine Würdigung der viel zu früh gestorbenen anne frank, deren großer Traum es war, Schriftstellerin zu werden.
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