"Geschichten & Diskurse" versucht das grundlegende -ontologische Problem- der konstruktivistischen Theorien zu lösen, indem dieses Problem im Rahmen eines logisch durchaus reizvollen Denkmodells von prozessorientierten Setzungen & Voraussetzungen kurzerhand ausgeklammert wird. Der Reiz, der von einem solchen sich selbst fundierendem System ausgeht, ist wohl Jedem klar, der auf dem Gebiet des Konstruktivismus selbst (mit-)gedacht hat.
SIEGFRIED SCHMIDT lässt schon den Titel des Buches rufen, dass (endlich?!) Abschied vom Konstruktivismus genommen wird und nimmt den Leser im ersten Teil des Buches auf eine durchaus lesenswerte Denkaufgabe mit. Im zweiten Teil soll das geschaffene Modell dann z.B. an Themen wie Bewusstsein & Identität erprobt werden. Genau an dieser Stelle (S.105ff) beginnt der Autor sich eben doch wieder den Boden unter den eigenen Füßen wegzureißen. Die Erläuterung zum "Ich" sind salopp gesagt gruselig kurzsichtig und beziehen sich u.a. auf niemand geringeren als (taataa) Gerhard Roth. [...]Das "ICH" als virtueller Sammelpunkt für unsere systemischen "Erlebnisse" ist Ursprung von (gefühlter) Wirklichkeit. [...] so wird sinngemäß das gleiche alte Gedankengut auf den Denktisch gelegt - für mich Grund zum Kopfschütteln.
SCHMIDT bleibt also den systemischen und konstruktivistischen Ideen absolut treu und verpasst es mit seinem Modell sich tatsächlich zu "Verabschieden" - so wie er es im Titel versprochen hatte. Kaum zu glauben, dass dies ihm nicht selbst aufgefallen ist??!
Im FAZIT also leider ein weiterer Beweis für die gedankliche Sackgasse, die der Konstruktivismus mit seinen Ablegern bietet. Für mich als langjähriger theoretische Sympathisant ein wirklicher Anlass zum gedanklichen Abschied.