Michael Sauers "Geschichte unterrichten", 2006 bereits in fünfter Auflage erschienen, ist das Standardwerk für angehende GeschichtslehrerInnen: "[S]o viel Praxis wie möglich, so viel Theorie wie nötig" (5) verspricht der Autor in der Einleitung. Diesem Anspruch wird die Darstellung größtenteils gerecht, auch wenn man die Praxis natürlich nur an einem Ort lernen kann: Im Klassenraum.
Zu Beginn der Darstellung erläutert Sauer den auf Jeismann zurückgehenden Begriff des Geschichtsbewusstseins, der "in den letzten Jahren zu einem zentralen Begriff der Geschichtsdidaktik geworden" (9) ist: "Nur der Mensch ist in der Lage, langfristig Erfahrungen zu sammeln, zu tradieren, auf die Gegenwart beziehen, sich selber, seine Mitmenschen und seine Welt als geschichtlich wahrzunehmen: Geschichtsbewusstsein - in welcher Form auch immer - ist eine Eigentümlichkeit und ein Wesensmerkmal des Menschen" (ebd.).
Nach einer grundlegenden Einführung in lernpsychologische Aspekte beschäftigt sich die Darstellung im Folgenden mit "Themen - Auswahl, Strukturierung, Zugänge" (Kapitel 3), "Lehren und Lernen - Prinzipien und Methoden" (Kapitel 4), "Medien" (Kapitel 5) und "Dokumentation und Präsentation" (Kapitel 6). Jedes Kapitel ist in zahlreiche Unterabschnitte unterteilt. In Kapitel 4, zum Beispiel, werden verschiedene Unterrichtsprinzipien, also "Leitlinien und Grundsätze [...], die dem Unterricht zugrunde liegen sollten" (76), wie Alteritätserfahrung, Personalisierung und Personifizierung oder Handlungsorientierung vorgestellt. Im Folgenden wird auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Unterrichtsplanung sowie auf die vor allem für Unterrichtsbesuche anzufertigenden Verlaufskonzepte eingegangen. Schließlich werden verschiedene Unterrichtsformen wie Lernziele oder Projektarbeit analysiert.
Dank der übersichtlichen Struktur eignet sich "Geschichte unterrichten" nicht nur als Einführung, sondern auch als Nachschlagewerk. Braucht man Informationen zum Umgang mit einem bestimmten Medium im Unterricht, bekommt der Leser auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen zu diesem Thema präsentiert. Insgesamt bleibt die Darstellung empfehlenswert, wobei sie allerdings nicht adäquat auf die Praxis vorbereiten kann. Kein Buch kann tägliche Erfahrung auch nur annähernd ersetzen.