| |||||||||||||||
![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Geschichte der römischen Literatur gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 4,05 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Diesem Jahr sprechen die Fachleute gemeinhin den Ursprung der römischen Literatur zu, und mit diesem epochalen Datum läßt auch Manfred Fuhrmann seine Literaturgeschichte der römischen Antike beginnen. Den zeitlichen Rahmen seiner Darstellung steckt der emeritierte klassische Philologe von der Universität Konstanz also durchaus konventionell ab. Sie endet ein gutes halbes Jahrtausend später, etwa um 250 n. Chr. Fuhrmann beschränkt sich also auf den Teil der lateinischen Literaturgeschichte, die sich unmittelbar auf Rom bezieht und durch Rom geprägt ist.
Im ersten des in insgesamt 8 Teile gegliederten Buchs führt er in lateinische Sprache ein, erläutert die Entfaltung der römischen Literatur nach dem Muster der griechischen, widmet sich aber auch der Stellung der römischen Schriftsteller im Alltag und dem antiken römischen Buchwesen überhaupt.
Dann folgen die Epochenkapitel zur Vorklassik, Klassik und Nachklassik und ihren Vertretern, jeweils mit kurzen biographischen Notizen und einer ausführlicheren Übersicht der Werke. Die Kommentare zur Wirkungsgeschichte der einzelnen Autoren beschränken sich aufs Wesentliche. Ebenso die Passagen zur Gattungsgeschichte der Lyrik, Prosa, Geschichtsschreibung, Rhetorik und kleineren Unterformen, die Fuhrmann leserfreundlich am Beispiel der aufgeführten Dichter festmacht. Weitschweifige Allgemeinheiten, für die das Buch ohnehin zu wenig Platz bietet, bleiben dem Leser erspart, und so leitet Fuhrmann den Leser dramaturgisch geschickt an den Ort seines Interesses. Die Großen der römischen Literatur -- Cicero, Vergil, Horaz, Ovid -- erhalten bei aller erfreulichen Knappheit trotzdem die ihnen gebührende Seitenzahl.
Fuhrmann geht es nicht um die Details, nicht um philologisches oder literarhistorisches Kleinklein. Seine römische Literaturgeschichte soll kein "Tatsachenspeicher" sein, sondern eine Einführung ins Ganze seines Fachs -- auch für Nicht-Fachleute. Auf so wenig Raum läßt sich kaum ein umfassenderes Kompendium zu den Dichtern des alten Rom vorstellen. Und wer, angeregt durch die Lektüre des edel gestalteten Bandes, tiefer schürfen will, dem dient Fuhrmann mit umfangreichen Literaturhinweisen. --Nikolaus Stemmer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Manfred Fuhrmanns «Geschichte der römischen Literatur»
Von Thomas Ribi
Auch wenn sich die Quellen in den Einzelheiten nicht ganz einig sein mögen: Die römische Literatur hat so etwas wie ein Geburtsdatum. An den zu Ehren Jupiters gefeierten römischen Spielen, den ludi Romani, wurde im September des Jahres 240 v. Chr. das Festprogramm das vor allem aus Wagenrennen bestand um eine neuartige Attraktion bereichert: um die Aufführungen einer griechischen Tragödie und einer griechischen Komödie. Für die lateinische Bearbeitung der Stücke war ein gebürtiger Grieche verantwortlich, der wahrscheinlich in Tarent geborene und als Kriegsgefangener nach Rom gekommene Livius Andronicus, der als Dramatiker und Lyriker tätig war, im Jahr 207 v. Chr. im Auftrag des Senats ein Prozessionslied zur Abwendung übler Vorzeichen dichtete und schliesslich auch eine lateinische Übertragung der «Odyssee» schuf. Die «Odusia» blieb generationenlang Pflichtlektüre in den Schulen noch Horaz weiss davon zu erzählen, wie sein Lehrer ihm die wohl damals schon reichlich schwerfällig wirkenden Verse einbleute.
Das literarische Schaffen in Rom begann also in engster Anlehnung an die griechische Literatur, und der Bezug auf diese blieb sein zentrales Charakteristikum. In dem kurzen Abriss der römischen Literatur, den der Rhetor Quintilian im 1. Jahrhundert n. Chr. in seinem Handbuch der Redekunst gibt, sind Autoren und Werke auf Schritt und Tritt auf ihre griechischen Vorbilder bezogen; als Bewertungskriterium gilt, ob die Nachschöpfungen dem Vergleich standhalten. Quintilian sagt deutlich, was die Forschung bis jetzt zu bestätigen scheint: Ausser im Fall der Satire, die als genuin römische Schöpfung gelten darf, übernahmen die Römer Gattungen, Versmasse und Stilmittel genauso von den Griechen wie einen grossen Teil der Stoffe freilich auf originelle, eigenständig anverwandelnde Weise. Zudem war die Abhängigkeit von den Mustern im Lauf der Zeit Veränderungen unterworfen. Einer ersten Phase, in der eng an die Vorlagen angeschlossene Bearbeitungen dominierten, folgte ab dem frühen 1. Jahrhundert v. Chr. ein freierer, schöpferischer Umgang mit der Tradition. In der Kaiserzeit verlor die Bezugnahme auf griechische Muster an Bedeutung, einheimische Vorbilder wurden wichtiger, und mit dem Aufkommen der christlichen Literatur verschoben sich die Gewichte ohnehin.
Die römische Literatur ist deshalb nicht nur an sich von Interesse, sondern auch als Beispiel für eine konsequent «abgeleitete» Literatur. Ihre Entwicklung zeigt gleichsam in Reinkultur einen Prozess, der sich bei der Herausbildung der europäischen Literaturen auf breiterer Basis und mit komplexeren Wechselwirkungen wiederholte. Dementsprechend hat eine Darstellung ihrer Geschichte vielen Ansprüchen zu genügen. Sie sollte den griechischen Hintergrund des literarischen Schaffens aufzeigen und nach Möglichkeit auch im Einzelfall gegenwärtig halten, in die historischen, politischen, kulturellen und sozialen Verhältnisse einführen, von denen es bestimmt war, und schliesslich mit den literarischen Kategorien, den Gattungen, Autoren und Werken vertraut machen. Das ist viel um so mehr, als angesichts der schwindenden Bedeutung des altsprachlichen Unterrichts an den Schulen selbst bei interessierten Leserinnen und Lesern immer weniger auf Vorwissen rekurriert werden kann.
Dass sich ein Kenner wie der emeritierte Konstanzer Latinist Manfred Fuhrmann dazu entschliessen konnte, eine Einführung in die römische Literatur zu verfassen, ist deshalb als Glücksfall zu bezeichnen. Die «Geschichte der römischen Literatur», die er vorgelegt hat, bietet auf verhältnismässig knappem Raum und in äusserst lesbarer Form umfassende Information, ohne sich in den Einzelheiten zu verlieren, und macht auf klare, pointierte Weise mit den wichtigen Autoren und ihrem Werk bekannt. Der konsequente Einbezug der geschichtlichen und kulturellen Voraussetzungen macht das Buch auch für Leser, die mit der Antike weniger vertraut sind, zu einer gewinnbringenden Lektüre. Doch auch im antiken Rom Bewanderte dürften immer wieder auf Unbekanntes oder auf neue Zusammenhänge stossen, etwa im Kapitel zu den sprachlichen, historischen und sozialen Bedingungen des literarischen Schaffens. Und einzelne Epochenüberblicke beispielsweise zur Zeit Ciceros oder zum Manierismus und Klassizismus in der Nachklassik sind knappe, scharfsinnig charakterisierende Synthesen, wie sie nur auf dem Hintergrund jahrzehntelanger Vertrautheit mit den Texten geschrieben werden können.
Dass Fuhrmann den Gegenstandsbereich auf die römische Literatur im strengen Sinn des Wortes beschränkt also auf die nationale Literatur der Römer von den Anfängen bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. und damit das christliche und spätantike Schrifttum ausschliesst, mag in einem gewissen Widerspruch zu Forderungen nach einer Öffnung der Disziplin auf die Literatur der Spätantike, des Mittelalters und der Neuzeit stehen, die er selbst Anfang der siebziger Jahre erhoben hatte. Allerdings haben sich die Voraussetzungen seither gründlich geändert die Spätantike etwa hat sich als eigenes Forschungsgebiet etabliert; es sind Überblicksdarstellungen greifbar, so dass es sich rechtfertigt, die historische Epochenschwelle des 3. Jahrhunderts als Grenze zu setzen. Und obwohl eine stärkere Gewichtung der Wirkungsgeschichte denkbar wäre (auch dies ein früheres Postulat Fuhrmanns, das Michael von Albrecht in seiner römischen Literaturgeschichte [1994] verwirklichte): die Bemerkungen über das Nachleben einzelner Autoren und Werke sind stets so gewählt, dass sie die Darstellung vertiefen und da und dort unerwartete Ausblicke eröffnen.
Auch die Darstellungsform dieses Überblicks das leitende Gliederungsprinzip ist die Epoche ist durchaus konventionell; dies nicht zuletzt im Gegensatz zu dem von Manfred Fuhrmann herausgegebenen Band zur römischen Literatur im «Neuen Handbuch der Literaturwissenschaft» (1974), der sich an den Gattungen orientierte. Was diese «Geschichte der römischen Literatur» neben ihrer konzisen, übersichtlichen Form auszeichnet, ist der Versuch, die Epoche als literaturwissenschaftliche Kategorie konsequent ernst zu nehmen, in ihr die übergreifenden Tendenzen dingfest zu machen, die sich im Einzelwerk auf je besondere Weise konkretisieren; die Wechselwirkungen zwischen politischem, kulturellem und gesellschaftlichem Geschehen und den literarischen Werken zu bestimmen. Fuhrmann entwirft so ein lebensvolles Panorama der römischen Literatur, das im Herausarbeiten ihrer geschichtlichen Bedingtheit ihre Einmaligkeit deutlich macht und immer wieder eindringlich zeigt, dass ihre grossen Schöpfungen den Menschen unserer Zeit noch immer etwas zu sagen haben, dass sie in vielem auch ein Spiegel unserer eigenen Zeit sein können. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
|
|
|