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Die Geschichte meiner Frau Gebundene Ausgabe – Dezember 2007


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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (Dezember 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821862025
  • ISBN-13: 978-3821862026
  • Originaltitel: A feleségem története
  • Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 3,7 x 22,1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.275.790 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Daß mich meine Frau betrog, vermutete ich längst. Aber daß sie es mit dem trieb ... Ich bin sechs Fuß und einen Daumen groß und wiege zweihundertzehn Pfund, bin also, wie man zu sagen pflegt, ein regelrechter Riese, den Knirps brauch ich nur anzuspucken, dann kippt er um.

So dachte ich anfangs über Monsieur Dedin. Aber eigentlich sollte ich nicht damit beginnen. Nur packt mich noch jetzt die Wut, sowie ich an ihn denke.

Ich weiß, es war nicht richtig, daß ich überhaupt geheiratet habe. Schon allein, weil ich viel zuwenig mit Frauen zu tun hatte, ich war von Natur kalt. Wenn ich auf meine frühe Jugend zurückblicke, zeigt sich mir an Erlebnissen auf dem Gebiet der Liebe kaum mehr als folgendes: Ich war vielleicht dreizehn Jahre alt, als ich einmal in der holländischen Stadt Sneek, nicht weit von Friesland - dort wohnten wir damals -, in einem Park herumstand. In dem Park saß eine Erzieherin mit einem kleinen Kind, und sie fuhr das Kind an: »Veux-tu obéir, veux-tu obeir?«

Das gefiel mir sehr. Und sie sagte auch noch zu ihm: »Vite, vite, dépêche-toi donc.«

Auch das fand ich sehr schön. Möglich, daß ich schon damals den Entschluß faßte, eine Französin zu heiraten. Kurz und gut, ich hörte diese süße Melodie mit Vergnügen und ging dann, gleichsam einer göttlichen Eingebung folgend, an den Rand des Parks, riss ein Blatt aus meinem Notizbuch und schrieb auf holländisch (denn französisch schreiben konnte ich noch nicht, auch sprechen nur schlecht, ich verstand gerade, was man sagte): Greppel, greppel - diese zwei Wörter schrieb ich auf das Blatt. Sie bedeuteten: Gehen wir ein bißchen in den Graben. Dort in der Nähe war nämlich ein ziemlich großer grasbewachsener Graben. Das Blatt in der Hand, ging ich zu der Gouvernante zurück, stand, wie wenn man mich als kleinen Jungen zum Kaufmann etwas holen geschickt hatte, sanft vor ihr und sah sie freundlich an. Ich hielt ihr das Papier hin.

Sie dachte, ich sei verrückt geworden. Das Wort verstand sie, aber sie wurde nicht klug aus der Sache. Ich war sehr groß für mein Alter, man hätte mich für achtzehn Jahre halten können, aber ich trug kurze Hosen und Wadenstrümpfe, und ich hatte eine schöne blaue Matrosenbluse an, meine Mutter hatte mir am Morgen noch den Schlips gebunden. Damals hatte ich noch rote Wangen, allerdings waren auch meine Ohren rot; obendrein waren sie auch sehr groß, aber ich hatte weiße Zähne und mutige Augen - ich war ein Junge mit treuherzigem Blick. Und ich war auch gar nicht verdorben, wirklich nicht. Woher ich plötzlich den Mut genommen hatte, so etwas hinzuschreiben, weiß ich noch heute nicht.

Die Gouvernante starrte mich an und verschlang mich fast mit den Blicken.

Und ich schämte mich auch da nicht. Ich stand freundlich vor ihr, dann lief ich fort. Und so machte ich es am nächsten und auch am dritten Tag.

»Mon pauvre garçon«, bedauerte sie mich, noch immer lachend, und dabei war sie flammend rot. »Eh bien, tu ne sais pas ce qu'il te faut«, sagte sie mitleidig. Sie muß also eine erfahrene Frau gewesen sein. »Mein armer Junge«, wiederholte sie, »du weißt nicht, was dir fehlt, nicht wahr?« Und staunend strahlte sie mir in die Augen wie die heiße Sonne, und sie kniff mich sogar in die Backe. Da lief ich wieder weg.

Endlich nahm sie doch Vernunft an. Warum nicht? wird sie sich wohl gefragt haben. Das kann keine Klatschgeschichte und auch sonst nichts Schlimmes nach sich ziehen. Und sie klügelte sich folgendes aus:

Der Graben - dieser Gedanke gefiel auch ihr. Nun war dort eine kleine Brücke, unter der wuchs Gesträuch und so allerlei; und da sie erfahren hatte, daß der Parkwächter nur zweimal am Tag vorbeiging, morgens um fünf und abends nach sieben Uhr - im übrigen war diese Gegend bei der großen Hitze meist menschenleer -, kam sie frühmorgens mit einem Korb oder einer Milchkanne in die Nähe des Brückchens zu mir gelaufen; noch so zerzaust und schlaftrunken kam sie, daß ich fast den Verstand darüber verlor. Man muß sich das vorstellen, ich war ein junger Bengel, und man spürte noch die Bettwärme an ihr.

Über mein Frühaufstehen log ich zu Hause etwas - meiner Mutter ging ich ohnehin nach Möglichkeit aus dem Weg, und so wandelte ich den ganzen Tag in der starken Sonne wie im Traum. Das dauerte einen ganzen Sommer lang. Damals bekam ich die Frauen satt.

Und doch ließ mir ein Jahr darauf mein Onkel, mein einziger lieber und aus der Art geschlagener Onkel, bei dem ich zu Besuch war, eine Hakenleiter machen, damit ich von meinem Zimmer in ein anderes, ein Stockwerk höheres Haus klettern konnte, wo jeden Tag eine wunderschöne Frau badete. Es war wieder Sommer, und sie ließ der großen Hitze wegen die Fenster ihrer Wohnung offen. Eines Tages stieg ich, zwischen Himmel und Erde schwebend, zu ihr hinauf aufs Fenstersims, und um ihr keinen Schreck einzujagen, flüsterte ich: »Ein kleiner Junge ist da.«

Sie erschrak tatsächlich nicht, wurde nur sehr ernst in ihrem Bade. Sie kannte mich ja vom Sehen. Dann gab sie mir schweigend einen Wink, ich stieg vom Fensterbrett hinab, sie hatte verschleierte Augen und zog mich an sich.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von cl.borries am 27. November 2007
Format: Gebundene Ausgabe
Milán Füst Die Geschichte meiner Frau Eichborn
ISBN 3821862025

Der holländische Kapitän Jakob Störr ist ein komischer Kauz.
Er ist viel unterwegs, hat gelegentliche Frauengeschichten, aber so recht will ihm keine Beziehung gelingen. Da trifft er die Französin Lizzy. Sie ist von zarter Gestalt, lieblich und anziehend. Er fasst spontan den Entschluß, sie zu heiraten, und sie willigt freudig ein.
Mit der Hochzeit beginnt die merkwürdige Geschichte einer Beziehung, die von steter Eifersucht unterhöhlt wird.

Zuerst in Holland, danach in Paris und zuletzt in London leben die beiden eine ungewöhnlich zerbrechliche Ehe. Jakob führt die liebe lange Zeit ein Selbstgespräch, und darum alleine geht es, gelegentlich unerbrochen von Erlebnissen auf hoher See.

Selbstgespräche folgen auch den Unterhaltungen mit Lizzy, die alle möglichen Verehrer im Schlepptau führt.

Unermüdlich rumoren die Gedanken der Eifersucht in Jakob.
An diesen Gedanken lässt uns der Autor Mílan Füst mit aller Detailbesessenheit teilnehmen.
Da geht es um die Phantasien von Jakob, mit denen er sich ausmalt, was seine Frau denkt, wie sie schaut, ob sie ihn betrügt, wie sehr sie sein Fernsein herbei sehnt, was dieser oder jener Verehrer im Schilde führt. Man spürt hautnah Jakobs Angst und Zweifel, von seiner Frau betrogen und verlassen zu werden. Mit Argusaugen beobachtet er sie, hört hinter jedem Wort den Betrug. Er ist ein Getriebener, der keine Ruhe findet. Menschen, auch Geschäftspartner, sind ihm verdächtig, wenn er auch zuweilen begeistert auf neue Vorschläge eingeht.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Rheinischer Lesekreis am 27. November 2009
Format: Gebundene Ausgabe
VOM LEIDEN AN DER LIEBE (LUDWIG WITZANI)
Bei dem vorliegenden Buch, das in kostbarer und nummerierter Auflage in der "Anderen Bibliothek" erschienen ist, handelt es sich um das Hauptwerk des ungarischen Autors Martin Füst, der vor und während des Zweiten Weltkrieges vollkommen unbeeindruckt von den Umwälzungen seiner Gegenwart sieben lange Jahre an der "Geschichte meiner Frau" gearbeitet hat.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der bärbeißige holländische Kapitän Jacob Störr, ein zwei Meter großer und zweihundert Pfund schwerer Mann in der Mitte seines Lebens, der dem Leser seine Geschichte erzählt - und zwar so behäbig, als holpere ein großes Holzfass eine Schräge herunter. Er erzählt die Geschichte seiner Frau Lizzy, einem elfenartigen, rätselhaften Geschöpf, das der Kapitän bis zur Selbstaufgabe liebt und um das sich sein gesamtes Sinnen und Trachten dreht.
Lizzy ist klein, hübsch, schlank, ein wenig keck, ein wenig falsch, aber auch das weiß der Leser nicht so genau, weil Lizzys Charakter je nach der Stimmung der Erzählers alle Nuancierungen von der braven Gattin bis zur abgefeimten Betrügerin durchläuft. Ihre Hauptrolle, auf die sie die Wahrnehmung des Gatten aber immer mehr festlegt, ist die Position einer geschickten Ehebrecherin, die ihren Mann so gut es geht über ihre Affären zu täuschen sucht. Doch umsonst. Jacob Störr erspürt mit krankhafter Sensibilität alle Anzeichen einer fremden Liebe bei seiner Frau. "Ihr Gesicht war voller Schatten, voller dunkler Furchen der Wonne."(S. 31), notiert er sorgenvoll, als sie einen französischen Galan kennen lernt, "ihr ganzen Wesen wurde plötzlich weich und fiebrig" (...
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von euripides50 TOP 500 REZENSENT am 23. Februar 2008
Format: Gebundene Ausgabe
Bei dem vorliegenden Buch, das in kostbarer und nummerierter Auflage in der "Anderen Bibliothek" erschienen ist, handelt es sich um das Hauptwerk des ungarischen Autors Martin Füst, der vor und während des Zweiten Weltkrieges vollkommen unbeeindruckt von den Umwälzungen seiner Gegenwart sieben lange Jahre an der "Geschichte meiner Frau" gearbeitet hat.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der bärbeißige holländische Kapitän Jacob Störr, ein zwei Meter großer und zweihundert Pfund schwerer Mann in der Mitte seines Lebens, der dem Leser seine Geschichte erzählt - und zwar so behäbig, als holpere ein großes Holzfass eine Schräge herunter. Er erzählt die Geschichte seiner Frau Lizzy, einem elfenartigen, rätselhaften Geschöpf, das der Kapitän bis zur Selbstaufgabe liebt und um das sich sein gesamtes Sinnen und Trachten dreht.
Lizzy ist klein, hübsch, schlank, ein wenig keck, ein wenig falsch, aber auch das weiß der Leser nicht so genau, weil Lizzys Charakter je nach der Stimmung der Erzählers alle Nuancierungen von der braven Gattin bis zur abgefeimten Betrügerin durchläuft. Ihre Hauptrolle, auf die sie die Wahrnehmung des Gatten aber immer mehr festlegt, ist die Position einer geschickten Ehebrecherin, die ihren Mann so gut es geht über ihre Affären zu täuschen sucht. Doch umsonst. Jacob Störr erspürt mit krankhafter Sensibilität alle Anzeichen einer fremden Liebe bei seiner Frau. "Ihr Gesicht war voller Schatten, voller dunkler Furchen der Wonne."(S. 31), notiert er sorgenvoll, als sie einen französischen Galan kennen lernt, "ihr ganzen Wesen wurde plötzlich weich und fiebrig" (...
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