M. Hardts Literaturgeschichte ist eine teils verdienstliche (so verdienstlich wie etwa ein Telefonbuch), überwiegend aber verdrießliche Kompilation. Mit Recht schreibt Ulrich Buschmann im Tagesspiegel (Eine Lust muß das Erzählen sein, 6. Januar 1997): "Anders bei Manfred Hardt, für den 'die aus einem Guß geschriebene und in der Blickrichtung einheitliche Gesamtdarstellung' das Leitbild für seine 'Geschichte der italienischen Literatur' ist. Ein Seitenblick auf andere Künste, vielleicht auf die für Italiens Kultur nicht unbedeutende Oper oder den Film? Fehlanzeige. Hardts größtes Problem ist, daß er in seinem 950-seitigen Durchmarsch durch acht Jahrhunderte italienischer Literatur keine erkennbaren Akzente setzt. Geleitet von der Angst, ein Rezensent könnte einen Autor nennen, dem er nicht wenigstens einen Satz gewidmet hätte, türmt er immer mehr Namen in seine Kapitel. Ohne graphische Auflockerung, ohne hilfreiche Zwischenüberschriften überläßt er den Leser seiner Abfolge von Kurzbiographien und Inhaltsangaben. In denen findet sich neben differenzierten Analysen (etwa über den Manierismus) eine besonders hohe Dichte jener für alle Literaturgeschichten typischen Nullsummensätze vom Typ 'auch der Autor X hat ein Buch Y zum Thema Z geschrieben.'" -- Dem läßt sich nur hinzufügen, daß man von einem Telefonbuch wenigstens Verläßlichkeit erwarten darf. Was hingegen Hardt in seinem Kapitel über Dante zum Thema "Zahlenkomposition" schreibt (und hierbei aus seinen eigenen Arbeiten der letzten Jahrzehnte wiederkäut), wird bei einem Leser, der die Sache ernsthaft nachprüfen will, stets nur zu dem gleichen Ergebnis führen: "Kein Anschluß unter dieser Nummer!"