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5.0 von 5 Sternen
Wie ein Land in den Abgrund taumelt...., 22. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914 - 1933 (Taschenbuch)
Die Erinnerungen des Autors verdeutlichen die Atmosphäre in Deutschland vor und nach der Machtergreifung durch die Nazis. Was dabei dem Autoren dabei herausragend gelingt, ist die Darstellung eines Landes, das dem Abgrund entgegentraumelt und wie sich selbst die Anti-Nazis den neuen Machtherren anpassen und letzten Endes irgendwie mitgehen. Der Autor zeigt das sehr genau und fein beobachtet in seinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis und seiner eigenen Familie. Mit den Nazis wird das Politische auch das Persönliche. Das Privatleben des Einzelnen hört auf zu existieren, denn es wird von der öffentlichen (Nazi)Sphäre beherrscht.
Mit relativ wenigen Beispielen - es ist kein sehr umfangreiches Buch, wenn man das immense Thema bedenkt - gelingt es Haffner den „Tanz auf dem Vulkan" dem Leser so herüberzubringen, dass dieser ein Gefühl für die Ausweglosigkeit und Verzweiflung dieser Jahre bekommt. Verzweifelt sind natürlich nur die, die das System ablehnen. Doch auch in Haffners eigenen Kreisen gibt es genug, die gerne mitziehen und an den Beginn einer neuen Zeit glauben. Gerade diese Unmittelbarkeit und Nachvollziehbarkeit machen das Buch zu einem Leseerlebnis. In der Veröffentlichung seiner eigenen Erlebnisse und Erfahrungen sieht der Autor die Möglichkeit seine Perspektive dieser Zeit darzustellen mit der einzigen für ihn möglichen Schlussfolgerung, dass Deutschland nicht mehr von innen, sondern nur von außen, durch das Eingreifen anderer Länder, vor sich selber zu retten sei. Durch seinen familiären Hintergrund mit den notwendigen Mitteln ausgestattet, konnte Haffner dann auch Deutschland verlassen.
Haffner kommt auch zu vielen Schlussfolgerungen über den deutschen Nationalcharakter und wie er sich von anderen unterscheidet. Bedenkt man die deutsche Geschichte, ist diesen eigentlich kaum etwas entgegenzusetzen. Es ist wirklich ein Buch, dass Geschichte zum „Anfassen" ermöglicht und den vielen Büchern über das Deutschland im Dritten Reich neue Aspekte hinzufügt.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Muss!, 19. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914 - 1933 (Taschenbuch)
Nicht umsonst ist dieses Buch in der "Schülerbibliothek" der ZEIT als eines von 50 Büchern, die man (gerade als Deutscher) gelesen haben sollte, enthalten.
Für mich ist dieses Werk die Antwort auf viele Fragen, die ich mir seit Jahren stelle und auf die ich von Großeltern, Eltern, Lehrern, aber auch eben Büchern und Filmen nie befriedigende Antworten erhalten habe.
Endlich erzählt jemand nachvollziehbar davon, wie es zu Hitler u. der Judenvernichtung kommen konnte.
Und zwar aus der Perspektive von "einem von uns".
Seit der Lektüre dieses Buches hat sich mein Blick auf die Gesellschaft verändert, und das ist das eigentlich großartige an diesem Werk: der Leser nimmt wertvolle Erkenntnisse mit und kann aktuelles Geschehen besser einordnen.
Mehr kann ein solches Buch nicht erreichen, daher: 5 Sterne!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dieses Buch ist ein Erlebnis, 22. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914 - 1933 (Taschenbuch)
Wie erlebten die deutschen Schuljungen den ersten Weltkrieg, und warum war dies für das Aufkommen des Nazismus später viel bedeutsamer als das „Fronterlebnis" der Soldaten ? Warum empfanden die Deutschen die Niederlage als so demütigend - waren sie so schlechte Verlierer, oder steckte mehr dahinter ? Warum gestaltete sich die Inflation gerade in Deutschland so desaströs, hatten nicht auch die anderen europäischen Staaten - sogar die Siegermächte - mit ihr zu kämpfen ? Und was hatte sie für spezifische Auswirkungen auf die deutsche Psyche ? Was bedeutete Rathenau, was bedeutete Stresemann dem deutschen Durchschnittsbürger ? Was machte einen großen Teil der Deutschen Anfang der 30er so anfällig für Hitler ? Und warum brachen nach dem Reichstagsbrand und dem darauffolgenden Terror der Nazis nicht nur die Reste der morsch gewordnen ungeliebten Demokratie zusammen, sondern auch fast jeder Widerstand gegen die braunen Horden ?
Sebastian Haffner blickt, gerade erst nach England emigriert, mit seiner bisherigen Lebensgeschichte und der seiner Umgebung scharf in die Seele des Durchschnittsdeutschen und beantwortet diese Fragen mit der gleichen Brillianz, die auch die meisten seiner späteren Werke so auszeichnet - vielleicht bis auf die letzte. Denn immer noch ist es für uns Spätgeborene unfaßlich, wie nicht nur die schwachen demokratischen, sondern auch die bedeutenden national-konservativen Kräfte dem zügellosen Terror der SA-Banden und der vollständigen Zerschlagung des Rechtsstaates untätig zusahen !
Menschen wurden erschossen, gefoltert, verschwanden in Konzentrationslagern, darunter beliebte und nicht einmal unbedingt politische Prominente, und doch erhob sich kaum eine Stimme des Protestes gegen diese Ungeheuerlichkeiten. Stattdessen schalteten sich Presse und Staatsorgane ohne größeren Druck von allein gleich, lösten sich die Parteien von selbst auf.
„Wo sind eigentlich die Deutschen geblieben ? Noch am 5.März hat die Mehrheit von ihnen gegen Hitler gewählt. Was ist aus dieser Mehrheit geworden ?"
Haffner beschreibt mehrere typische Reaktionen - Flucht in die Idylle, Flucht in den passiven Pessimismus, Flucht in die Partei. Und doch bleibt die Frage, warum von allen Seiten die Flinten ins Korn geworfen wurden, als noch nicht alles verloren war, als es noch etwas zu retten gab, was auch der verstockteste Schlotbaron nicht hätte aufgeben dürfen - die basalsten Grundlagen menschlichen Zusammenlebens.
Im letzten Abschnitt schildert er das Wehrlager für Referendare, an dem er teilnehmen mußte - mußte er es? stellte er sich selbst die Frage. Er beschreibt , wie sich durch das gefährliche Mittel der „Verkameradung" - so nennt er es - und durch scheinbares Ausweichen vor dem Nazismus in das Nur-Soldatische auch die kritischeren Geister, die sich plumper „weltanschaulicher Schulung" widersetzten, willig in das System einfügten.
„Und alle übersahen geflissentlich, daß gerade die Reichswehr der Kanal war, durch den ihre Kräfte in den Dienst Hitlers geleitet wurden. Ein großer, ein entscheidender Vorgang."
Gerüstet mit der Lektüre eines solchen Buches versteht man gewisse historische Mechanismen besser. Das Buch hat nach Haffners Worten eine nicht laut gepredigte, es hat eine stumme Moral. „Ich habe nichts dagegen, daß man nach der Lektüre alle die Abenteuer und Wechselfälle wieder vergißt, die ich erzähle. Aber ich wäre sehr befriedigt, wenn man die Moral, die ich verschweige, nicht vergäße."
Wehret den Anfängen !
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