Aus der Amazon.de-Redaktion
Dessen Aufbau folgt Haffners Linie "20 Jahre deutsche Geschichte aus meiner Perspektive" mit anschließender "Geschichte Deutschlands als Teil meiner privaten Lebensgeschichte". Genau hier liegt das Geheimnis dieses 1939 entstandenen und niemals veröffentlichten Frühwerks von Haffner: Ein "Durchschnittsmensch mit vielen Schwächen" erzählt das ganz persönliche Erleben einer "interessanten und dramatischen" Zeit. Für Haffner ein "privates Duell mit dem Dritten Reich", das ungewohnte Einblicke ermöglicht.
Die Erinnerungen bereits 1914 beginnen zu lassen ist dabei eine außergewöhnliche Entscheidung, datiert doch Hitlers Machtübernahme erst auf das Jahr 1933. Doch bereits im Ersten Weltkrieg sieht Haffner "die Wurzeln des Nazismus: nicht etwa im 'Fronterlebnis', sondern im Kriegserlebnis des deutschen Schuljungen", zu denen er damals zählte. Die anschließende Zeit der Weimarer Republik ist geprägt von den Vorboten des Unheils, das dann mit den Zeitungsschlagzeilen "Hitler zum Reichskanzler berufen" hereinbricht. Im April 1933 schon folgt der Judenboykott, den Hitler und Goebbels, so Haffner lakonisch, "auf dem Obersalzberg bei Tee und Biskuits beschlossen". Was danach kam war eine Zeit "grau wie ein Hinrichtungshof". Deren Vorgeschichte schildert dieses schlicht fesselnde und uneingeschränkt empfehlenswerte Buch. --Joachim Hohwieler
Amazon.de-Hörbuchrezension
1939: Sebastian Haffner blickt zurück auf den ersten Weltkrieg, während der Zweite kurz bevorsteht. Die Zerstörung seiner geliebten Ferien auf dem Gut in Hinterpommern kommt ihm in den Kopf. Rigoros und mit feinster Ironie auf diese kleinen, individuellen Widrigkeiten verweisend, macht Haffner umso genauer das rücksichtslose Vorgehen eines Staates deutlich, der ihn schon wieder -- unter furchtbaren Drohungen -- zwingen will, seine Freunde abzulegen, eine vorgeschriebene Gesinnung anzunehmen, anders zu grüßen, als er es gewohnt ist und seine Person zu lebensgefährlichen Aktionen zur Verfügung zu stellen, die er vehement ablehnt. Haffners Geschichte eines Deutschen, ein Überraschungserfolg, schildert den Kampf eines "Nichtkämpfers" um die Bewahrung seiner Persönlichkeit und seiner privaten Ehre.
Diese Geschichtsstunde über Moralität und Integrität, die zum Pflichtprogramm werden sollte, ist nun auf vier CDs erschienen, von Schauspieler Walter Kreye mit seltener Einfühlsamkeit vorgetragen. In den beiden Booklets findet sich, der Lesung vorangestellt, zusätzlich ein Prolog. Den Abschluss des 300-minütigen Erinnerungswerkes bildet ein fast einstündiges Interview, das der Hessische Rundfunk im Jahr 1993 ausstrahlte. Danach haben Sie einen wirklich großen Deutschen kennen gelernt! Lesung, Spieldauer ca. 300 Minuten, 4 CDs. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Die galoppierende Inflation 1923 mit ihren jugendlichen Aktienspekulanten und hilflosen Vätern, ihrem Januskopf von Hunger und Verschwendung ist für Sebastian Haffner der Inbegriff einer aus den Angeln gehobenen Welt. Zehn Jahre später tritt er, weder politisch noch rassisch verfolgt, den langen Weg ins Exil an, schlicht weil die Nazis seiner "Nase nicht passten".
Haffner zählte nach dem Krieg zu den herausragenden Journalisten und Publizisten. Sein Name steht beispielhaft für eine demokratische, unbestechlich liberale Gesinnung, für einen unprätentiösen, dabei äußerst eleganten und kunstvollen Stil.
Nüchtern, ohne Eitelkeit, doch mit feiner Ironie und einem gelegentlichen Aufflackern von Zorn blickt er auf die Jahre zwischen 1914 und 1933, spiegelt das Politische im Individuellen, benennt er Gründe für seine persönliche Entwicklung und die seines Volkes. Diese Aufzeichnungen entstammen dem unmittelbar Erlebten und können als bedeutendster Fund in Haffners Nachlass nun veröffentlicht werden. Dies ist nicht nur die "Geschichte eines Deutschen", es ist die Geschichte eines aufrechten Deutschen - und das macht dieses Leben und diesen Text kostbar.Sebastian Haffner, geb. 1907 in Berlin, emigrierte 1938 nach England, wo er mit 'Germany: Jekyll & Hyde' eine scharfsinnige Analyse zum zeitgenössischen Deutschland schrieb. 1954 kehrte er nach Deutschland zurück. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die 'Anmerkungen zu Hitler', 'Von Bismarck zu Hitler', 'Der Verrat-Deutschland 1918/1919'. Sebastian Haffner starb sechs Tage nach seinem 91-jährigen Geburtstag 1999 in Berlin.
Der Verlag über das Buch
»Dieser autobiografische Text...ist nicht nur Haffners persönlichstes, sondern auch sein bestes Buch unübertroffen in der seismografischen Wahrnehmung individueller und kollektiver Befindlichkeiten im Deuschland der Weimarer Republik und des ersten Jahrs der Hitler-Diktatur.« Volker Ullrich, Die Zeit
».... für Haffner ein Feld unaufhörlichen Nachdenkens. Es ist diese Kontinuität, die Selbstreflexion hinter der historischen Rerflexion, die seinen Büchern Intensität und Kraft verleihen. Kein anderer hat sie in diesem Ausmaß besessen. Nun wissen wir, warum.« Jacques Schuster, Die Welt
»In diesen Erinnerungen, und das ist nicht der geringste Reiz, den man bei ihrer Lektüre empfindet, steckt bereits der ganze Haffner....die Prägnanz und Sicherheit des Urteils, die schnörkellose, eingängige Sprache, die Fähigkeit, ein Detail so zu würdigen, daß es einem ein weitschweifiges Panorama mühelos ersetzt, ist hier schon anzutreffen.« Johannes Willms, Süddeutsche Zeitung
»Dieses Buch wird ein Ereignis werden. Man denkt unwillkürlich an das Jugendwerk von James Joyce A Portrait of the Artist as a Young Man.« Wolf Jobst Siedler, Berliner Zeitung
»Der faszinierende Schlußteil ermöglicht ein ganz neues Verständnis der Komposition des Buches.«Frankfurter Allgemeine Zeitung
» Ich reise nach Indien und habe die Taschenbuchausgabe von Sebastian Haffners Geschichte eines Deutschen eingepackt. Ein großartiges Buch eines großartigen Mannes, der seine Erinnerung an die Zeit v on 1914 bis 1933 unheimlich verständlich und spannend vermittelt.« Lara Joy Körner für Bunte -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Sebastian Haffner, geboren 1907 in Berlin, promovierter Jurist. Er emigrierte 1938 nach England, arbeitete als Journalist für den Observer. 1954 kehrte er nach Deuschland zurück, schrieb zunächst für die Welt, später für den Stern. Haffner ist Autor einer Reihe historischer Bestseller: "Churchill", "Anmerkungen zu Hitler", "Preußen ohne Legende" und "Von Bismarck zu Hitler". Sebastian Haffner starb 1999.