Intro: "Das hier ist eine Kriegsgeschichte. Das war nicht so geplant. Sie hat als Liebesgeschichte begonnen, als Geschichte einer Ehe, aber überall hängt der Krieg an ihr wie Splitter zersprungenen Glases. Es ist nicht die übliche Geschichte von Männern an der Front, sondern von Männern, die nicht in den Kampf zogen. Den Feiglingen und Drückebergern, denen die zuliessen, dass ein Fehler sie von ihrer Pflicht bewahrte..."
Die Handlung: Eine Art Retrospektive, wird von der Ich-Erzählerin Pearlie Cook erzählt, die in den dreissiger Jahren geboren wurde,und als alte siebzigjährige Frau, Ihr Leben vor allem aus den vierziger und fünfziger Jahren erzählt, wo sie mit ihrem Mann Holland und ihrem Sohn Sonny von ihrem kleinstädtischen Leben in der Nähe San Franziscos erzählt. Vor der Vergangenheit des zweiten Weltkrieges und des bevorstehenden Koreakrieges, erzählt der Roman von dieser Familie, einem Fremden, der ihr ihren Mann "abkaufen" will, weil er ihn liebt, und erzählt davon, welche Spuren der Krieg auch für die "Daheimgebliebenen" hinterlassen kann, was sie aus Menschen hervorbringen können. Es ist auch ein Buch, über die Liebe zu einem Menschen, über die Tatsache dass verschiedene Menschen den gleichen Menschen lieben, und wie sehr der Anker einer Familie einem Halt und Schutz geben kann, in Angesicht der unmenschlichen Auswirkungen, die ein Krieg mit sich bringen kann. "Der Krieg verändert soviele junge Männer".
Das Schöne: Die Sprache von Andrew Sean Greer ist mit Sicherheit etwas, wo der Leser in Genuss kommen kann. Sie hat etwas poetisches, tiefgründiges, sie wirkt als ob sie in tiefere Wahrnehmungs, und Erfassungsebenen hinzuwirken vermag, vielleicht das Besondere an diesem Buch, was es auszeichnet, "Mein Sohn lachte über das ganze Gesicht, den Schmetterling, der als Himmelschreiber über ihm in der Luft hing, bemerkte er nicht." Das Buch vermag durch seine schön geschriebenen Passagen auf seine Art alleine durch seine Sprache, den Leser zu verzaubern.
Das weniger Schöne: Das die Abschaffung ehemaliger Kriegsdienstverweigerer in Internierungslager zu irgendwelchen idiotischen ärztlichen Studien über Hungerexperimente und Ähnliches Menschen gebrochen wurden, lässte einen den Atem anhalten und erinnert an die "Atemschaukel" einer Herta Müller. Für mich liegt die Darlegung solcher menschenverachtenden Beschreibungen die natürlich tatsächlich stattgefunden haben mögen, in nur begrenztem Masse drin. Die Beschreibung der Wirklichkeit hin zum Unwirklichen, kann vom Autor gewollt sein, kann aber auch verwirrend auf den Leser wirken.
Statement: Ein interessant gemachter Roman, mit vielen Undurchschaubarkeiten, Wendungen, Verborgenes nur angedeutet wird, als Leser weiss man nie genau wo's hingeht. Der Autor lässt einen im Dunkeln tappen, gibt sich undurchsichtig, gibt nur wenig preiss, was manchmal auch verwirrend und unklar wirkte, dass wir erst mal aushalten müssen. Wer gerne einen Roman über die 40er und 50er Jahre in Amerika lesen will, über die damalige Rassentrennung, sich über die Auswirkungen eines Krieges auf einzelne Schicksale einlassen will, sich dafür interessiert wie der Krieg Menschen veränderte und dem eine Nachkriegsverarbeitung nicht zuviel ist, dem sie dieses Buch empfohlen, dass vor allem durch seine kostbare Sprache besticht, dass eine gewisse Schwere hatte, melancholisch wirkte und seinem unvorhersehbaren Werdegang den Leser in atemanhaltender Haltung in gewisser Betroffenheit und Nachdenklichkeit zurücklässt.