Neue Zürcher Zeitung
Literatur
Geschichte
des deutschen Fernsehens
Knut Hickethier, seit 1992 Professor für Medienwissenschaft an der Universität Hamburg, hat eine Geschichte des deutschen Fernsehens vorgelegt. Auch wenn das voluminöse Buch Stars, Typen und Genres deutscher Fernsehkultur beinahe vollständig Revue passieren lässt, ist für den Kenner deutscher TV-Serienkultur hier wenig zu holen. Der Autor verknüpft technische, politische und programmspezifische Aspekte zu einer medienkritischen Chronik, die mit einem Fragezeichen schliesst. Denn aus der Anstalt mit einem öffentlichrechtlichen Bildungsauftrag ist ein grossenteils marktorientiertes Unterhaltungsmedium geworden.
Angefangen beim Pantoffelkino der fünfziger und sechziger Jahre mit seinen zum Teil biederen Interieurs, aber auch den hochgesteckten Zielen einer von humanistischer Bildung bestimmten Fernsehspielästhetik bis hin zu einem oft Verdruss verbreiteten Entertainment privater Fernsehanbieter der neunziger Jahre reicht die Spanne fernsehästhetischer wie -politischer Aspekte, die der Autor grossenteils sachlich aufbereitet. Hickethiers Buch ist in wesentlichen Teilen auch eine gesamtdeutsche Gesellschaftsgeschichte nach 1945, hat doch das Fernsehen die deutsche Teilung begleitet und auch polemisch kommentiert («ZDF-Magazin», «Der schwarze Kanal»), wenn nicht sogar die Wiedervereinigung vorbereitet.
Am 1. Januar 1984 begann in der Bundesrepublik das Zeitalter des dualen Rundfunks; kommerzielle Anbieter traten auf den Plan. Hier beginnt für Hickethier die Entwicklung des ursprünglichen «Programmfernsehens» zu einem «Stimulationsfernsehen».
Sven Ahnert
Pressestimmen
"Ein Glück, daß da jemand über das Fernsehen alles zusammenschaufelt, was vorhanden ist. Und das ist überwältigend." Die Welt "Innerhalb der Medienliteratur außer Konkurrenz ... macht neugierig." (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)