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Produktinformation
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Aus enzyklopädischer Sicht ist die Reihe Wissen des Münchner Beck-Verlags zweifellos eines der verdienstvollsten Projekte der letzten Jahre. Auf wenig mehr als 100 Seiten geben fachlich ausgewiesene Autoren einen ebenso prägnanten wie profunden Einstieg in ihr Thema und schließen damit die Lücke zwischen knappem Lexikonartikel und dickleibiger Spezialliteratur. Ein Spagat, der, wenn er gelingt (was bislang ganz überwiegend der Fall gewesen ist), größtes Lob verdient. So auch diesmal!
Als Autor für den Band zur Geschichte des Zionismus hat man den Münchner Professor für Jüdische Geschichte und Kultur, Michael Brenner, gewinnen können, dessen im Jahr 2000 vorgelegte Arbeit über Jüdische Kultur in der Weimarer Republik zu Recht große Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Eine Aufmerksamkeit, die auch der Geschichte des Zionismus zu wünschen wäre. Ohne Kenntnis der Geschichte dieser politischen Bewegung nämlich sind die Ursachen und Ausprägungen des Nahostkonflikts, des für die internationale Politik vielleicht bedeutsamsten Unruheherdes überhaupt, nicht zu verstehen. --Andreas Vierecke
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Im ersten Abschnitt beschreibt Brenner die Vorgeschichte des politischen Zionismus, wobei er unter anderem auch weniger bekannte Utopievorstellungen eines Judenstaates in den USA von 1825 bis zum Ankauf von Land in Argentinien schildert. Weiterhin wird der wachsende Antisemitismus in Europa und damit die steigende Sehnsucht an einer eigenen Nation als Faktoren für die Heimkehr des jüdischen Volkes nach Zion (ursprünglich Synonym für den Tempelberg, später für Jerusalem und ganz Palästina) aufgezeigt. Dieser Prozess wird von Brenner vor allem im europäischen Kontext der Nationalbewegungen in den einzelnen Staaten gesehen. Dabei schildert er die Einflüsse erster frühzionistischer Literatur, sowie die Gründung von lokalen jüdischen Vereinen und Begegnungsstätten, die sich mit der zionistischen Idee teils scherzhaft, als Gotteslästerung auslegend, oder mehr und mehr ernsthaft beschäftigten.
Im zweiten Abschnitt wird die weitere Entwicklung des Zionismus an topographischen Merkmalen geschildert, die sich mit der Person von Theodor Herzl und seinen Stationen des Lebens hin zu einem der Führer der zionistischen Bewegung kennzeichnen. Mit dem Erscheinen der Schrift „Der Judenstaat" von Herzl wird des weiteren auch auf andere Zionisten und ihre Standpunkte und Reaktionen aufmerksam gemacht. So spielen Max Nordau und der Herzl Kritiker Achad Ha'am eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung der zionistischen Ideen, Ha'am vor allem deshalb, weil er als osteuropäischer Jude die größte und einflussreichste Gruppe in Europa vertrat, die bei den nun folgenden Zionistenkongressen zahlenmäßig dominierend erschien. Ha'am stellte nicht nur die jüdische Kultur als wichtigsten Bestandteil eines Staates der Juden wieder in den Vordergrund, so vor allem die Belebung der hebräischen Sprache, sondern er verwies als einer der Ersten auch auf mögliche Konflikte mit den einheimischen Arabern, ein Problem, welches bei Herzl völlig ignoriert wurde.
„Von der Vision zur Realität" betitelt Brenner seinen dritten Abschnitt, in dem er die beginnende Besiedlung Palästinas durch die Juden beschreibt. Die verschiedenen Wellen der Einwanderungsbewegungen und die schwierige Umstellung eines Juden der bürgerlichen Gesellschaft zu einem Bauern in Palästina, eine Entwicklung die mit der Entstehung der Kibbuze einherging, und die weitere Entwicklung wieder hin zu einer eindeutig bürgerlich geprägten Gesellschaft werden beschrieben. Brenner verweist dabei auch auf die Erfolge und Misserfolge sowie die anfänglichen Mythen die sich mit der schwierigen Anfangszeit verknüpfen lassen. Brenner unterscheidet die verschiedenen Gruppen von Zionisten durch die Einstellung zu folgenden Hauptfragen: 1. Einstellung gegenüber der arabischen Bevölkerung; 2. der Weg zur Erlangung der Souveränität; 3. Rolle der Religion im jüdischen Staat; 4. zukünftige Wirtschaftsordnung.
Die Abschnitte vier und Fünf befassen sich mit der Entwicklung des Staates Israel über die Mandatshoheit der Briten nach dem Ersten Weltkrieg, zur Staatsgründung 1948 über die folgenden Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarn bis in die Gegenwart hinein. Den letzten Abschnitt bildet ein Blick in die postzionistische Entwicklung.
Die letzten Abschnitte verhalten sich dabei umgekehrt kongruent zu den ersten drei Teilen, welche vielleicht teilweise zu ausführlich gestaltet wurden und es so oft zu inhaltlichen Wiederholungen in den einzelnen Kapiteln kommt, wogegen die letzten drei Abschnitte eher viel zu kurz gerieten. Dabei hätte gerade die Betrachtung des Zionismus ab Staatsgründung Israels und unter den Auswirkungen des Holocaust und den Kriegen in der Region eine gute und interessante Ergänzung sein können, die das Werk so hätten abrunden können. So kann vielleicht der Eindruck entstehen, dass sich der Zionismus mit der Besiedlung Palästinas von selbst aufgelöst hätte.
Insgesamt lässt sich Brenners Buch als gut strukturiertes und differenziertes Werk kennzeichnen, welches eine gelungene Einführung in die Geschichte des Zionismus gibt.
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