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Nach der Lektüre der Geschichte des Waldes werden Sie mit Sicherheit nie wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Ein anspruchsvolles Buch mit Atmosphäre. --Sven A. Zörner -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Eine Kulturgeschichte des Waldes
Der Wald findet im Zeitalter seiner Gefährdung plausiblerweise nicht nur forstwissenschaftliche und ökopolitische, sondern auch kulturhistorische Beachtung. In den letzten Jahren haben zwei grosse Bücher: Robert Pogue Harrisons «Wälder. Ursprung und Spiegel der Kultur» (München 1992) und Simon Schamas «Der Traum von der Wildnis. Natur als Imagination» (München 1996) die vermeintlich so natürliche Waldnatur, dieses zumal im deutschen Sprachraum so hochverehrte Naturheiligtum par excellence, für die Kultur-, die Mythen-, die Imaginationsgeschichte reklamiert. Jetzt schliesst die «Geschichte des Waldes» von Hansjörg Küster hier an.
Auch für Küster geht es um die sich kulturspezifisch durchaus wandelnde Bedeutung des Waldes und der «Waldbilder» abgesehen davon, dass der scheinbar so feststehende Wald für einen rechtschaffenen forstwissenschaftlichen Heraklitismus («Alles fliesst») selbstverständlich auch als «Natur» eine Geschichte hat. Aber Küster konzentriert sich im ganzen mehr auf die reale als auf die Imaginationsgeschichte des Waldes. Auf Grund von Pollenanalysen werden die objektivierten Spuren des kulturellen Gedächtnisses entziffert. Eine ganze neue «Holzzeit» statt der bisherigen Jungstein-, Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit wird aus der Taufe gehoben.
Die Rezeptionsgeschichte von Tacitus' «Germania», die Schama noch eingehender beschäftigt hatte, wird zum kulturhistorischen Paradestück: Schon bei Tacitus als vermeintliche «Natur» Legende, wird der Wald der «Germania» vom 18. Jahrhundert an zum nationalpolitischen Zitat mit Aufforstungs- und Militarisierungsfolgen. Die reckenhaft-urwüchsige deutsche Eiche entpuppt sich als Schonprodukt der Eichelmast, Individualisierung dank Schweinezucht, bevor Turnvater Jahn einen bewaldeten Westwall, einen «marschierenden Wald» (N. Elias) gegen den Erbfeind ins Treffen führen will.
Problematisch wird Küsters Buch, wo es mit der immer schon kulturhistorisch bestimmten Waldgeschichte die Absage an alle «Naturschutz»-Argumentationen, generell eine gewisse Entwarnung in bezug auf das sogenannte «Waldsterben» begründen will. Die Waldgefährdung zumindest dauert an.
Ludger Lütkehaus -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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