Liest man die Rezensionen hier, fragt man sich ernsthaft, ob manche der Rezensenten das selbe Buch gelesen haben.
Die Vorwürfe, der Schreibstil Steins sei "zynisch" und "bürokratisch", sind kaum zu halten.
Auch nach 40 Jahren zählen Steins Ausführungen zu den genausten und besten allgemeinen, operativen Darstellungen über die Waffen-SS, bei der er sich bemüht, möglichst jeder Einheit gerecht zu werden. Dies ist umso ironischer, als das er in seinem Vorwort erwähnt, dass zur Komplettierung seines Buches eigentlich eigens eine Arbeit allein zur Operationsgeschichte nötig wäre.
Von der Entstehung, Erweiterung, der Führung, den politischen Faktoren, den Einheiten, den Kampfeinsätzen und dem "befleckten Ehrenschild", ergo den Kriegsverbrechen der Waffen-SS, deckt Steins Buch so ziemlich jeden Aspekt der Waffen-SS ab.
Für die Zeit und einen angloamerikanischen Autoren typisch bedient Stein sich bisweilen eines 'wertenden' Stils, vor allem was Kampfkraft und eben Verstrickung in Verbrechen seitens der Waffen-SS angeht. Dabei versucht er und es gelingt ihm im Wesentlichen auch der Spagat zwischen kompletter Verdammung, Eindordnung und Würdigung der (Waffen)-Taten der Waffen-SS. Seine Beurteilung der (mangelnden)Kampfwertigkeit der Ostverbände der Waffen-SS haben auch heute noch Anspruch auf Gültigkeit (so etwa zu lesen bei Wegner, Hitlers Poltische Soldaten), seine Darstellung der Verknüpfung von Mannschaften der Konzentrationslager mit den Fronteinheiten der Waffen-SS ist heutzutage festes, historisches Allgemeinwissen.
Manche seiner Erkenntisse überraschen noch heute ob ihrer genauen Erkenntnis: So weist Stein daraufhin, dass die Operation "Zitadelle" nicht zuletzt wegen der Landung der ALiierten auf Sizilien abgebrochen wurde - ein Fakt, den er mit der (geplanten) Verlegung der ELiteverbände der Waffen-SS belegen kann. Auch weist er ausdrücklich daraufhin, dass die hohe Kampfmoral der kämpfenden Waffen-SS-Verbände eben nicht AUSSCHLIEßLICH auf politisch-idiologische Indoktrination beruhte, sondern durchaus wie in der der regulären Wehrmacht auch Teil von traditionellen, militärischen Soldatenbündnissen war.
Natürlich sind auch an Steins Arbeit die Jahre nicht vorbeigegangen. Zahllose neue Arbeiten zu dem Thema, neue Quellen, welche nach dem Ende des Kalten Krieges nunmehr zugänglich sind, haben die Forschung um die Waffen-SS erheblich erweiter und nicht jede Aussage in Steins Buch hat ihre Richtigkeit behalten.
Aber es ist kein Zufall, dass Steins Buch in jeder ernstzunehmenden Bibliographie auftaucht, die die Waffen-SS behandelt. Wie groß diese Bandbreite ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass von Guido Knopp bis zu den Autoren von "Das deutsche Reich und der zweite Weltkrieg" (der 4. Band z.B.) jeder auf Stein zurückgreift. Das spricht für sich.