Das Vietnam-Engagement der USA fing recht unspektakulär an: Am 1. Juni 1954 traf der Luftwaffen-Oberst Edward G. Lansdale in Vietnam ein. Dort begann er mit der Einrichtung einer geheimen Saigoner Militärmission. Büro, Aktenschrank, Auto: Fehlanzeige. Selbst die Schreibmaschine mußte er leihen.
Als die USA sich zwanzig Jahre später zurückzogen, waren nicht nur 2,000,000 Vietnamesen umgekommen, 300,000 vermißt und 58,000 Amerikaner gestorben. Der Krieg hatte auch das Selbstbewußtsein und Selbstverständnis der USA mehr verändert als beide Weltkriege zusammen und ihr Ansehen in der Welt massiv erschüttert.
Marc Frey liefert auf 250 Seiten eine kompakte, gut les- und nachvollziehbare Darstellung eines Krieges ab, der das Selbstverständnis der USA wie kein anderer moderner Krieg prägte und prägt. Fehleinschätzungen, Sendungsbewußtsein, moralische Grundhaltungen und Ideologie führten zu einem langwierigen Krieg, der über weite Strecken konzeptlos, ohne genaue politische oder militärische Zielsetzung geführt wurde.
Freys Buch zeigt die Fehler der US-Regierungen, die Absichten und Strategien von Ho Chi Minh und seinem Umfeld wie auch die Verhältnisse in Südvietnam. Mit abschließenden Beurteilungen hält er sich zurück, es geht ihm um eine genaue Darstellung des Geschehenen, weniger um einen Beitrag zur immer noch aktuellen Debatte um die Bewertung dieses Krieges.
Noch lebendiger und klarer hätte Freys Buch sein können, wenn er das Buch um mehr Quellenzitate, Illustrationen und Karten erweitert hätte. Viele Details hätte ich zumindest gerne genauer verfolgt, besonders die Verbindungen zur allgemeinen Politik jener Jahre kommen etwas kurz. Immerhin nennt er eine ganze Reihe weiterführender Werke im Literaturverzeichnis, ein paar andere findet man unten aufgeführt.
Marc Freys Buch liefert das, was eine gute Übersicht liefern sollte: Eine lesbare, sauber recherchierte, nicht ausufernde Gesamtdarstellung.
Es gibt in deutscher Sprache kein vergleichbares Buch zum Thema. Nicht allein deshalb verdient es eine (knappe) Bestnote.