Marbach ist als Geburtsstadt Schillers bekannt, doch hat die Stadt geschichtlich natürlich noch viel mehr zu bieten (wenn auch der Schillerkult das Selbstverständnis dieser Stadt sehr prägt). Wenn man das Volumen dieser neuen Stadtgeschichte Marbachs mit derjenigen vergleicht, die 1972 erschienen war, so fällt schon rein äußerlich der enorm gewachsene Umfang der Neubearbeitung auf. Die alte Stadtgeschichte aus der Feder von Eugen Munz und Otto Kleinknecht zählt zwar auch schon 328 Seiten, die Neuerscheinung bringt aber stolze 840 Seiten auf die Waage. Wie dem Geleitwort zu entnehmen ist, war die vollkommene Neubearbeitung aufgrund der zahlreichen, zum Teil bisher unentdeckten Quellen und der daraus resultierenden ergänzenden und zum Teil neuen Aussagen zur Stadtgeschichte notwendig.
Am Ende des Bandes findet der Leser zum Nachschlagen Verzeichnisse von Maßen, Münzen und Gewichten. Ein Diagramm. bietet einen anschaulichen Überblick über die Bevölkerungsentwicklung von 1500 bis 2000. Geliefert wird auch eine auszugsweise Tafel der Marbacher Vorfahren von Friedrich Schiller. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis und ein hilfreiches Register runden den Band ab.
Die Erwartung des Marbacher Bürgermeisters, dass dieses Buch seinen Stammplatz in jeder Marbacher Hausbibliothek finde, möchte man gerne erfüllt sehen. Auch die Freunde der Stadt sollten diesem Band Beachtung schenken. Es ist bei dem vorliegenden Band eine umfassende Darstellung der Stadtgeschichte gelungen, die in fast allen Beiträgen solide auf dem Fundament belegter historischer Quellen steht. Durch die gründlichen Recherchen des Autorenteams eröffnen sich neue Perspektiven der Geschichte Marbachs. Einschränkend mag bemerkt werden, dass nicht alle Beiträge durchgehend leicht lesbar sind, was dem interessierten Laien die Lektüre vielleicht etwas erschwert. Bosonders der Betrag über die Anfänge Marbachs im Mittelalter steht auf sehr schwankendem Fundament, denn es gibt kaum historisches Quellenmaterial zu diesem Zeitraum. Es werden dort allerhand Hypothesen ausgebreitet, die vielleicht nicht ganz uninteressant sind, aber dem einen Leser möglicherweise etwas viel zumuten, dem anderen Leser vielleicht aber - und dies ist noch schlimmer - den Eindruck vermitteln, das alles sei historisch gesichert. Diese Kritik bezieht sich jedoch nur auf einen der Beiträge. Ansonsten sind die Forschungsergebnisse sehr fundiert. Trotz der Kritik muss auch gesagt werden: Es wird in diesem Buch so vieles an interessanten Forschungsergebnissen und schönen Abbildungen geboten, dass der Leser an diesem Band seine Freude haben wird.