Im Gegensatz zur Kriegsführung an Land und in der Luft ist die Seekriegsführung ein Thema geblieben das in Kontinentaleuropa eher stiefmütterlich behandelt wurde und so auch geschichtlich weniger Würdigung erfährt. In den großen Historienfilmen ist zudem das Augenmerk meist nur auf den Kampf an Land oder eine Spur seltener in der Luft gerichtet. Das Seekriege sich in der Vergangenheit oft viel entscheidender auf die Geschichte Europas ausgewirkt haben als das Aufeinanderprallen der Heere zu Lande kommt einem da kaum noch in den Sinn. Doch der Untergang der spanischen Armada oder auch die Schlacht von Lepanto waren Ereignisse von einer historischen Tragweite die Waterloo oder den Türkenbelagerungen gleich kommt.
Es ist daher kein Wunder wenn sich hauptsächlich Briten und Amerikaner unter den Autoren der "Geschichte der Seekriege" finden. Als Militärhistoriker sind die Damen und Herren außerdem vom Fach wenn es darum geht die geschichtliche Entwicklung der Seekriegsführung zu illustrieren.
Und diese beginnt bereits zu Zeiten Ramses III. wo Seeschlachten auch auf dem Nil geführt wurden und antike Seefahrermächte darum rangen sich das östliche Mittelmeer untertan zu machen. Dabei muss man als Mitteleuropäer bedenken, dass Galeeren die sich flussaufwärts bewegen, selbst für in scheinbar sicherem Hinterland gelegene Städte zur Gefahr werden konnten. Prinzipiell blieb in der Antike praktizierte Kampfstrategie bis ins erste Jahrtausend erhalten. Seesoldaten fochten um Sieg oder Niederlage und oft war es mehr vom Geschick und der Erfahrung dieser Männer abhängig wer den Sieg davontrug, als der Anzahl an Schiffen. Eine wichtige Rolle spielte jedoch immer die Strategie.
Nur durch eine überlegene Strategie gelang es etwa den zahlenmäßig unterlegenen Griechen sich gegen das Heer des persischen Großkönigs Xerxes zu widersetzen, obwohl dieser seine halbe Flotte aus ionischen Städten rekrutierte, in denen bekanntlich ebenfalls Griechen lebten, womit den Persern den griechische Schiffe und Besatzungen zur Verfügung standen.
Doch wie in der Entwicklung der Landkriegsführung waren es auch immer technologische Fortschritte die das Bild der Seeschlachten veränderten. Mit überlegener Waffentechnik wie dem griechischen Feuer gelang es etwa den Byzantinern sich des ersten Ansturms arabischer Flotten zu widersetzen und zeitweise einen Teil des alten römischen Imperiums wiederherzustellen. Experimente mit Geschützen dienten anfangs noch der Abschreckung und weniger des gezielten Einsatzes gegen Schiffe, doch spätestens mit der Einführung von Kanonen hingen Sieg oder Niederlage vom jeweiligen Technologiestand der kriegsführenden Parteien ab. Dass Seeschlachten zu Land unterlegene Nationen schlussendlich zum Sieg führen konnten beweist nicht zuletzt Koreas Admiral Yi Sun-sin dessen Schildkrötenschiffe eine revolutionäre Waffe darstellten, mit denen das japanische Imperium geschlagen werden konnte, lange nachdem Korea zu Lande überrannt wurde.
Natürlich ist "Geschichte der Seekriege" kein Werk das den Anspruch auf Vollständigkeit erheben könnte, doch eine hervorragende Einführung ist es auf jeden Fall. Mit eigenen Illustrationen wird immer auf einer Doppelseite die jeweils beschriebene Seeschlacht präsentiert, quasi eingerahmt durch ein deutlich textlastigeres Kapitel das durch Grafiken von Schiffstypen oder bestimmten Waffen ergänzt wird. Zumindest aus meiner Sicht als Leser scheint das Verhältnis zwischen Text und Bebilderung ideal gemischt zu sein. "Geschichte der Seekriege ist definitiv kein bloßer Bildband sondern setzt darauf auch mit lesenswerten Texten zu punkten, in denen spannend und verständlich ohne Effekthascherei eine Einführung in die Geschichte der Seekriege geboten wird.
Fazit:
Eindrucksvolle Überblicksdarstellung zu einem Thema das sonst eher stiefmütterlich behandelt wird. Nach der Lektüre versteht man warum Seeschlachten nicht bloß Nebenschauplätze der Weltgeschichte waren, sondern eine viel entscheidendere Bedeutung einnehmen.