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Erschienen ist der Band bei C. H. Beck in der Reihe "Wissen", die zu vielen historischen Themen gute und preiswerte Übersichten bietet. Ungewöhnlich groß ist die Zahl der Illustrationen und Tabellen - kein Wunder, die vielen exotischen Schriften dürften in kaum einem Standard-Satzprogramm zu finden sein.
Geschichte ist mehr als das Verschieben farbiger Flecke auf Landkarten, die durch grausige Kriege und religiöse Verfolgungen verursacht werden: Haarmann beschreibt, wie eine der grundlegendsten Kulturtechniken im Laufe der Zeit entwickelt und über staatliche, kulturelle und ideologische Grenzen hinweg weitergegeben wurde. Und weil der Autor so viel Ungehörtes und Unbekanntes liefert, ohne sich im Kleinklein zu verlieren, bleibt es dabei durchgehend spannend.
Schrift-Geschichte als Leseabenteuer: Daß auch Sachbücher über ausgefallenere Themen spannend und unterhaltsam sein können, wenn ein Fachmann die Begeisterung für sein Gebiet zu vermitteln weiß, beweist Haarmann aufs Vortrefflich- und -bildlichste.
Wer also ein paar Euros über hat und neugierig geworden ist, wird die Anschaffung nicht bereuen - und wer danach noch nicht genug hat, findet in der Bibliographie genügend Stoff zum Weiterschmökern.
Allerdings gibt es im Bereich der chinesischen/japanischen Schrift einige Schwächen. So ist Haarmann einer der in letzter Zeit weniger gewordenen Linguisten, die die "enge" Defintion von Schrift als einem System zur Wiedergabe von gesprochener Sprache lieber ausgeweitet sehen auf auf die "sprachunabhängige Ideenwelt"; zudem wechselt er munter zwischen den Bezeichnungen logographisch und ideographisch hin und her (was die ohnehin schon komplizierte Diskussion um diese Begriffe nicht einfacher macht) und kann auch nicht ganz umhin, im Unterton erkennen zu lassen, daß eine Zeichenmenge von mehreren Tausend Schriftzeichen eher unhandlich ist und eine Lateinumschrift nach Pinyin oder dem vietnamesischen System praktischer - und damit besser - wäre. Eine solche Wertung gehört meiner Meinung nach in ein kurzes Überblickswerk zu den Schriftsystemen der Welt nicht hinein.
In der Literaturliste fehlen leider "Klassiker" wie Gelb, Diringer und Sampson und auch bekannte Handbücher wie das von Coulmas oder Daniels/Bright.
Bereits in der Einleitung des 128seitigen Büchleins wird der Leser darauf aufmerksam gemacht, dass die erste Schrift nicht von einer... Lesen Sie weiter...
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