Udo Barkmanns thematische Behandlung der mongolischen Frage steckt auch dem mit der Thematik Unvertrauten einen historischen Rahmen ab, der dem Leser die Einordnung in den geschichtlichen Prozess ermöglichen sollte. Nichtsdestoweniger ist der gegebene Einstieg recht kurz gehalten und neigt dazu, eher die fürdahin ebenfalls wesentlichen Interessen der mandschurischen Herrscher darzustellen. Insofern auch die inneren Zustände nur bei der Veränderung der Innenpolitik Erwähnung finden, ist die vorangehende Lektüre einer Gesamtdarstellung doch sinnvoll.
Barkmanns Augenmerk liegt auf der Außenpolitik und den damit einhergehenden Vertragswerken. Dabei erfährt das Verhältnis zwischen einer in seinen Mitteln doch sehr variablen russischen Mongoleipolitik einerseits und der Stellung der hervorragender mongolischer Politiker andererseits besondere Beleuchtung, zumal ja Chinas Politik große Konstanz aufwies. Den Interessen Japans erfahren genügende Erwähnung innerhalb des Umstandes, dass sich Barkmanns Interesse nur insofern auf die Innere Mongolei richtet, als deren Aktionen für die Politik der Äußeren Mongolei relevant sind. Die Darstellung der Außenpolitik wird in gelungener Weise durch Auszüge aus Verträgen oder sogar die ganzen (übersetzten) Verträge im Anhang ergänzt, deren Feinheiten sowohl durch Erläuterung als auch einen individuell vorgenommenen Vergleich verständlich werden. Formal hindert hierbei allerdings das viel zu knapp gehaltene Sachregister, dass ein Nachschlagen ungemein erschwert.
Trotz des Titels liegt in Barkmanns Buch durchaus keine Geschichte des mongolischen Volkes, sondern vielmehr eine Geschichte der mit der Mongolei gemachten Außenpolitik vor. Widerstand und Eigeninitiative mongolischer Politiker sind weitgehend der einzige Fingerzeig auf die Einstellungen des Volkes selber. Ein Beispiel: Barkmann berichtet über die Einnahme von Kjachta (19.3.1921), bei der die Mongolische Volksarmee mit 400 Mann 2000 Chinesen in die Flucht schlug. Er begründet das durch die chinesische Demotivierung und die den Chinesen bekannte Nähe feindlich gesonnener russischer Verbände sowie auch die technische Hilfe seitens der Roten Armee. Das Resultat bestehe darin, dass die bis dahin lediglich von den Bolscheviki geförderte Mongolische Volkspartei Prestigegewinne bei der Bevölkerung zu verzeichnen vermochte. Veronika Veit legt bei der Schilderung desselben Ereignisses besonderen Wert auf die integrierende Wirkung des Erfolges, der erst vermittels der Integration mongolischer Partisanen zu dieser Volksarmee ermöglicht wurde und den sie in seiner innenpolitischen Bedeutung erfasst, indem sie ihn aus historischer Perspektive heraus erläuternd darstellt.
Zusammenfassend ist Barkmanns "Geschichte der Mongolei" meiner Ansicht nach eine Lektüre, die zur Verständnis der mongolischen Außenpolitik zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und 1949 schwer zu entbehren ist. Einzelne Schwächen werden durch die anschauliche Erläuterung dessen, was im recht spezifischen Rahmen des Buches liegt, überkompensiert. Jedem, der sich für ein weiteres Eindringen in die mongolische, russische, chinesische oder japanische Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitergehend interessiert, ist dieses Buch hinsichtlich der Umsetzung russicher Interessen in der Mongolei und den daraus folgenden weitreichenden Konsequenzen zu empfehlen.