In Stefan Rinkes Essay, wie er sein Werk selbst beschreibt, möchte der Professor des Lateinamerika Instituts der Freien Universität Berlins seinen Lesern einen einfach und chronologischen Überblick über die Geschichte Lateinamerikas verschaffen. Beginnend mit den präkolumbischen Kulturen, über die Entwicklung der Kolonien und darauffolgenden Republiken, bis hin zum 21. Jahrhundert versucht sich Rinke daran die zentralen Entwicklungslinien, wie er selbst betont, innerhalb dieses Prozesses aufzuzeigen. Stets liegt sein Fokus auf das gesamte Lateinamerika, sodass er keines der Länder bzw. Regionen aus den Augen verliert.
Da Stefan Rinke von vorn herein betont, er wolle kein wissenschaftliches Werk veröffentlichen, sondern einen vagen Überblick über die gesamte Geschichte Lateinamerikas dem Leser veranschaulichen, ist es keinesfalls verwunderlich, dass er sich ausschließlich auf Sekundärliteratur stützt und abgesehen von den vier Landkarten keinerlei Quellen für seine Arbeit nutzte. Zweifelsohne wird bei genauerer Betrachtung deutlich, dass man als Leser kein wissenschaftliches Werk in den Händen hält, da Rinke auf jeglichen Verweis und somit Fußnoten innerhalb des Textes verzichtet. Ebenso wenig geht Rinke auf keine geschichtlichen Kontroversen ein, somit kann man Rinke aber auch einen durchgängigen nüchternen Schreibstil und damit verbundene Objektivität zugutehalten. Dementsprechend wäre eine Kritik, dass Stefan Rinke inhaltliche Tiefe vermissen lassen würde, an dieser Stelle gar nicht angebracht, da dies nicht seine Absicht war, sich mit der z.B. umfassenderen 'Kleine Geschichte Lateinamerikas' von Hans-Joachim König zu messen bzw. jene noch ausführlicher zu gestalten.
Im Laufe des Essays weicht Stefan Rinke nie von seiner Linie ab und reiht Ereignis an Ereignis nahtlos aneinander, womit vom Leser eine ungeteilte Konzentration und gute Auffassungsgabe gefordert wird, um nicht dass noch eben gelesene bereits wieder zu vergessen. So lässt Rinke seinem Leser innerhalb eines Kapitels kaum Zeit zum Luft holen, was zwar den Lesefluss fördert, aber der Spaß am Lesen durchaus in den Hintergrund verschwinden kann. Nichtsdestotrotz bleibt Rinkes Essay durchaus benutzerfreundlich, da es somit als ein kleines Nachschlagewerk tauglich sein kann.
Komplettiert wird Rinkes Werk durch eine im Anhang sich befindenden Auflistung der wichtigsten Grunddaten zu der Geschichte Lateinamerikas, welche dem Leser einen angenehmen, schnellen und anschaulichen Überblick gewährt. Die Erstellung des Personenregisters war ebenso eine hervorragende Idee, damit man somit bei erneutem Nachschlagen schnell zu der gewünschten Zeitepoche in der sich diese Person aufhielt sich wiederfindet. Außerdem ermöglicht Rinkes persönliche Literaturauswahl einen Einblick in gängige Forschungsliteratur, welche bei einer Vertiefung in ein bestimmtes Thema durchaus von Nutzen sein kann.
Abschließend kann man ohne Zweifel feststellen dass Stefan Rinkes 'Geschichte Lateinamerikas', lediglich einen ersten Einblick bzw. Überblick in die Geschichte Lateinamerikas verschaffen kann ' nicht mehr und nicht weniger. Mit diesen Worten beendete Stefan Rinke ebenfalls sein Vorwort, woraus eindeutig hervorgeht, dass sein Essay neben einen nach einem Überblick suchenden Studenten, nur noch einem geneigten Hobbyleser, nicht mehr als einen gelungenen Einstieg in diese Thematik liefern kann.