Die pfälzische Geschichte kennt - abgesehen von mittlerweile mehr als betagten Vorgängern des 18. Jahrhunderts - im wesentlichen nur zwei neuere Werke, die den Anspruch darauf erheben können, ein wirkliches Standardwerk zur (kur-)pfälzischen Geschichte zu sein. Noch immer wird vor allem der rheinpfälzische Leser in seinem Bestreben um Gewinnung von Kenntnissen seiner Heimatgeschichte zu dem 1845 erschienenen, zweibändigen opus magnum von Ludwig Häusser greifen. Trotz der zwischenzeitlich vergangenen 150 Jahre ist diese grandiose Arbeit eines 28jährigen, die bereits 1856 eine (unveränderte) Neuausgabe erlebte, noch immer nicht gänzlich überholt und hat, bedenkt man insbesondere die technischen und logistischen Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wenig von ihrer beeindruckenden Monumentalität eingebüßt.
Erst 1988/92 gelang es Meinrad Schaab, mit seiner zweibändigen „Geschichte der Kurpfalz", der ein etwas anderer geographischen Rahmen zugrundegelegt ist, in wesentlichen Teilen das Häusser'sche ¼uvre nicht nur zu ergänzen, sondern über Korrekturen hinaus zu ersetzen . Da sich - und das interessiert das rheinpfälzische Publikum besonders - die mittelalterliche pfälzische Geschichte ohnehin hauptsächlich aus der Migration der Pfalzgrafschaft bei Rhein von Nord nach Süd bis zur späteren Residenz Heidelberg und zur Erlangung der Kurwürde (1338/54) rekrutiert, kann man die „Geschichte der Kurpfalz" für diese Zeit problemlos mit der „rheinpfälzischen Geschichte" nahezu gleichsetzen. Zudem hat es Meinrad Schaab meisterhaft verstanden, seinen Parforçeritt durch komplexe historische Vorgänge, die spätestens seit der Verflechtung mit den Wittelsbachern aus mehreren verschiedenen Richtungen ihren Einfluß auf das Geschehen in der Pfalz ausgeübt haben, zu verknüpfen und in der gebotenen Verknappung, ohne jedoch die Präzision zu verlieren, vor dem Lesepublikum auszubreiten. Die Kärrnerarbeit einer solchen synoptischen Darstellung, die oft genug den Undank der versierten Leserschaft zur Folge hat, da man das eigene, besonders wichtige Detail nicht ausreichend gewürdigt sieht, kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Sicherlich verdienen einzelne Problemkreise weitergehendere Erläuterungen, doch bleibt dafür die Möglichkeit zur Recherche im umfangreichen Quellen- und Literaturverzeichnis, das der besseren Lesbarkeit halber an den Schluß der jeweiligen Bände gestellt wurde.
Insofern ist es mehr als nur zu begrüßen und dankenswert, dass sich Autor und Verlag nach elf Jahren zu einer 2. Auflage des ersten, das Mittelalter behandelnden Bandes entschließen konnten, die obendrein (geringfügig) verbessert und vermittels eines Nachtrages um die zwischenzweitlich publizierte Lite-ratur ergänzt wurde. Für den geschichtlich interessierten Rhein- wie auch Kurpfälzer besteht damit wieder die Möglichkeit, sich in einem fachlich überzeugenden und ferner - was selten genug der Fall ist - angenehm zu lesenden Buch einen kompetenten Überblick zu verschaffen.