Die "History of the Crusades" des einstigen Professors für Byzantinische Kunst und Geschichte an der Universität Istanbul und Träger des Order of the Companions of Honour, James Cochran Stevenson Runciman, Kurz Steven Runcimen (1903 - 2000) ist bereits in den 1951, 1952 und 1954 in drei Bänden erschienen.
Das umfassende Werk mit seinen mehr als 1330 Seiten wurde als 1.- 5. Buch im Jahre 1957, 6. - 10. Buch (1958) und schließlich als 11. - 15. Buch im Jahre 1960 erstmals auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Den Vorworten Runcimens zu den einzelnen Teilen folgt eine Vorbemerkung des Übersetzers Peter de Mendelssohns zu den sprachlichen Problemen, die sich hinsichtlich der Schreibweisen von Personen- und Ortsnamen ergeben hatten. Bei der Übersetzung wurden die in englischen Meilen angegebenen Entfernungen nicht in Kilometer umgerechnet.
Die insgesamt 15. Bücher reichen von einer Vorgeschichte mit ihren realen politischen, religiösen und mystischen Ereignissen und Prädispositionen in Bezug auf die Heiligen Stätten der Christenheit (nach dem Siegeszug des Islam) im frühen Mittelalter bis zu einem retrograden Epilog, der mit der Eroberung Zyperns durch die Osmanen im Jahre 1570 beginnt. Die einzelnen Bücher sind je nach Umfang in zwei bis sechs Kapitel untergliedert. Runcimen lässt jedes Kapitel originell mit einem passenden Zitat aus dem Alten oder Neuen Testament beginnen.
Die detailreiche und erschöpfende Darstellung einer wichtigen Epoche der Weltgeschichte eignet sich sowohl als (wochenlange) Lektüre als auch umsichtiges und tiefgehendes Nachschlagewerk. Im vergangenen halben Jahrhundert ist sicherlich keiner, der sich dem Studium der Kreuzzüge verschrieben hat oder einen ernsthaften historischen Roman über diese Zeit schreiben wollte, an diesem Standardwerk vorbeigekommen. Als differenzierter, aber auch abschreckender Erfahrungsbericht eines Aufeinanderprallen verschiedener Völker, Kulturen und Religionen hat es bis zum heutigen Tage nichts von seiner Aktualität verloren.
Während sich das 75seitige Register beim Arbeiten mit dem Buch als recht hilfreich erweist, wirken die 16 schwarzweißen historischen Karten im Anhang des Buches etwas antiquiert, was dem Gesamtwerk jedoch nicht zum Nachteil gereicht, sondern eher seine Zeitlosigkeit betont. Fußnoten und Zitate hätten zwar die Dicke und das Gewicht des Buches um ein erhebliches anwachsen lassen, jedoch auch die Wissenschaftlichkeit von Runcimens Arbeit unterstrichen. Als "Gelehrter des alten Standards" legte dieser jedoch keinen Wert auf die Beachtung neuerer methodischer Ansätze.....
....dennoch gibt es fünf Amazonsterne für das Non plus ultra zum Thema Kreuzzüge, das bereits mehreren Generationen als Studienobjekt, Nachschlagewerk und Inspiration diente, was sicherlich auch weiterhin so bleiben wird.