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Produktinformation
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Die Abgrenzung zwischen Kindern und Erwachsenen hat das Mittelalter nicht gekannt: Kinder lebten, sobald sie sich allein fortbewegen und verständlich machen konnten, mit den Erwachsenen, waren kleine Erwachsene. Was wir »Familie« nennen - die Gemeinschaft von Eltern und Kindern -, entwickelte sich in Europa erst im 15. und 16. Jahrhundert allmählich aus den größeren Sippen- und Stammesverbänden; sie wird dann zu einer moralischen Institution. Diese und andere grundlegende und oft überraschende Erkenntnisse gewinnt Ariès aus seinem Studium der sozialen, rechtlichen und kulturellen Entwicklung der Familie und der Erziehung. Er findet sein Material nicht in den Theorien und Programmschriften und den Äußerungen der Maßgebenden, sondern hauptsächlich in den vielfältigen, oft stillen Zeugnissen des Alltagslebens aller Volksschichten.
Philippe Ariès (1914-1984) war ein französischer Mediävist und Historiker. Seine frühen Werke sind von der historischen Demografie geprägt, später verfolgte er einen mentalitätsgeschichtlichen Ansatz. Seine Bücher über die Geschichte der Kindheit und die Geschichte des Todes waren international erfolgreich. Ariès war ein persönlicher Freund Michel Foucaults.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kindheit und Familienleben im "Ancien Régime",
Von
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Kindheit (Taschenbuch)
Wider Erwarten findet der Leser in Ariès’ Buch „Geschichte der Kindheit“ nicht die Geschichte der Kindheit wieder. Das 1975 unter diesem Titel in Deutschland erschienene Buch wurde von Philippe Ariès 15 Jahre früher in Frankreich unter dem Titel „L’enfant et la vie familiale sous l’ancien régime“ veröffentlicht und bezieht sich somit auf die Zeit vor 1789 (als Ancien Régime wird üblicherweise das absolutistische Herrschaftssystem in Frankreich vom 16. Jahrhundert bis zur Revolution verstanden). Ariès’ Schilderungen beginnen jedoch etwa im Mittelalter. Auch der Titel der amerikanischen Fassung, „Centuries of Childhood, A Social History of Family Life“, ist meiner Meinung nach irreführend. Was genau mit diesen je nach Land unterschiedlichen Titeln bezweckt werden soll – wo doch der französische Originaltitel die einzig richtige Beschreibung liefert –, ist mir ein Rätsel. Der deutsche Titel wurde laut Vermerk im Vorwort in Anlehnung an Michel Foucaults „Histoire de la folie“ gewählt. Diese Irreführung durch den deutschen Titel ist jedoch das einzige, was ich an diesem Buch zu bemängeln habe. Die Jahrhunderte, die von Ariès beschrieben werden, geben einen fantastischen Einblick in das Leben von Kindern zu dieser Zeit. Die Grobeinteilung des Buches besteht aus drei Kapiteln: Die Einstellung zur Kindheit, Das Schulleben und Die Familie. Zuvor erwartet den Leser jedoch erst einmal ein 44 Seiten langes Vorwort, in dem schon einige Fragen, die der Leser möglicherweise hat, beantwortet werden. Was war das „Interesse“ an diesem Buch? Mit welcher „Methode“ wurde vorgegangen? Was könnte der „Nutzen“ dieses Buches sein? Danach folgt eine Einleitung von Ariès selbst und im Anschluss 500 interessante Seiten über Kinder und Kindheit. Der interessierte Leser muss weder ein Geschichtsfanatiker sein, um dieses Buch zu verstehen und von ihm gefesselt zu werden, noch muss er selbst Kinder haben *lach* - Ariès gibt Einblick in alle Lebensbereiche rund um Kindheit: Wie kommt es, dass Menschen einen Namen haben? Wann wurden Porträts mit Name, Alter und Entstehungsdatum versehen? Welche Ausdrücke für „Kind“ gab es in den verschiedenen Ländern (vor allem Frankreich)? Wie ging man in der Literatur mit Kindheit um? Wie in der Kunst? Wann fing man an, erste „Lebensläufe“ zu schreiben? Seit wann gibt es spezielle Kleidung für Kinder? Wie kam es, dass Kinder Schulen besuchen konnten? Ab wann gab es ein Familiengefühl? Usw. Ariès gibt auf all diese Fragen (und natürlich noch viel mehr!) Antworten, er zitiert mittelalterliche Gedichte, Schilderungen der Kindheit von Ludwig XIII (dies war damals modern), er stellt Verbindungen zur Kunst und Literatur auf, wie z. B. zu Madame de Sévigné, die für ihre Liebe zu ihrer Tochter bekannt ist und dementsprechend eine der „Quellen“ für Kindheitsbegriffe (Kosewörter etc.) darstellt. 560 Seiten ohne ein einziges Bild können natürlich abschreckend erscheinen, aber die „Geschichte der Kindheit“ liest sich sehr gut und flüssig. Teilweise ist es unglaublich, dass das französische Original bereits Ende der 50er Jahre geschrieben sein soll. Im Laufe der Jahre gab es zwar eine Preissteigerung von 20 DM auf 15 Euro, aber die finde ich durchaus angemessen. Ariès’ „Geschichte der Kindheit“ ist einfach ein Meilenstein ... Die Aussage des The New York Review of Books kann ich nur bestätigen: „Ohne es wäre unsere Kultur ärmer.“ Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
selten eine bessere wissenschaft. arbeit zu diesem thema gelesen,
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Kindheit (Taschenbuch)
dieses buch fasziniert mich immer wieder, selten so ausführlich und erforscht zu diesem thema so was gutes gefunden, sehr, sehr empfehlenswert.
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22 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
anthropologischer Abriss über Erziehung und Kindsein,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Kindheit (Taschenbuch)
Aries zeigt in diesem Buch wie schon der Titel verrät die Geschichte der Kindheit auf. Für Historiker, Anthropologen und Sozialwissenschaftler auf diesem Gebiet gehört es zur Standartliteratur. Anhand von historischen Beispielen zeichnet er die Entwicklung von Erziehungsmethoden und Familienstrukturen nach mit denen Kinder konfrontiert sind.
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