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Produktinformation
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Die Abgrenzung zwischen Kindern und Erwachsenen hat das Mittelalter nicht gekannt: Kinder lebten, sobald sie sich allein fortbewegen und verständlich machen konnten, mit den Erwachsenen, waren kleine Erwachsene. Was wir »Familie« nennen - die Gemeinschaft von Eltern und Kindern -, entwickelte sich in Europa erst im 15. und 16. Jahrhundert allmählich aus den größeren Sippen- und Stammesverbänden; sie wird dann zu einer moralischen Institution. Diese und andere grundlegende und oft überraschende Erkenntnisse gewinnt Ariès aus seinem Studium der sozialen, rechtlichen und kulturellen Entwicklung der Familie und der Erziehung. Er findet sein Material nicht in den Theorien und Programmschriften und den Äußerungen der Maßgebenden, sondern hauptsächlich in den vielfältigen, oft stillen Zeugnissen des Alltagslebens aller Volksschichten.
Philippe Ariès (1914-1984) war ein französischer Mediävist und Historiker. Seine frühen Werke sind von der historischen Demografie geprägt, später verfolgte er einen mentalitätsgeschichtlichen Ansatz. Seine Bücher über die Geschichte der Kindheit und die Geschichte des Todes waren international erfolgreich. Ariès war ein persönlicher Freund Michel Foucaults.
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Diese Irreführung durch den deutschen Titel ist jedoch das einzige, was ich an diesem Buch zu bemängeln habe. Die Jahrhunderte, die von Ariès beschrieben werden, geben einen fantastischen Einblick in das Leben von Kindern zu dieser Zeit. Die Grobeinteilung des Buches besteht aus drei Kapiteln: Die Einstellung zur Kindheit, Das Schulleben und Die Familie. Zuvor erwartet den Leser jedoch erst einmal ein 44 Seiten langes Vorwort, in dem schon einige Fragen, die der Leser möglicherweise hat, beantwortet werden. Was war das „Interesse“ an diesem Buch? Mit welcher „Methode“ wurde vorgegangen? Was könnte der „Nutzen“ dieses Buches sein? Danach folgt eine Einleitung von Ariès selbst und im Anschluss 500 interessante Seiten über Kinder und Kindheit. Der interessierte Leser muss weder ein Geschichtsfanatiker sein, um dieses Buch zu verstehen und von ihm gefesselt zu werden, noch muss er selbst Kinder haben *lach* - Ariès gibt Einblick in alle Lebensbereiche rund um Kindheit: Wie kommt es, dass Menschen einen Namen haben? Wann wurden Porträts mit Name, Alter und Entstehungsdatum versehen? Welche Ausdrücke für „Kind“ gab es in den verschiedenen Ländern (vor allem Frankreich)? Wie ging man in der Literatur mit Kindheit um? Wie in der Kunst? Wann fing man an, erste „Lebensläufe“ zu schreiben? Seit wann gibt es spezielle Kleidung für Kinder? Wie kam es, dass Kinder Schulen besuchen konnten? Ab wann gab es ein Familiengefühl? Usw.
Ariès gibt auf all diese Fragen (und natürlich noch viel mehr!) Antworten, er zitiert mittelalterliche Gedichte, Schilderungen der Kindheit von Ludwig XIII (dies war damals modern), er stellt Verbindungen zur Kunst und Literatur auf, wie z. B. zu Madame de Sévigné, die für ihre Liebe zu ihrer Tochter bekannt ist und dementsprechend eine der „Quellen“ für Kindheitsbegriffe (Kosewörter etc.) darstellt.
560 Seiten ohne ein einziges Bild können natürlich abschreckend erscheinen, aber die „Geschichte der Kindheit“ liest sich sehr gut und flüssig. Teilweise ist es unglaublich, dass das französische Original bereits Ende der 50er Jahre geschrieben sein soll. Im Laufe der Jahre gab es zwar eine Preissteigerung von 20 DM auf 15 Euro, aber die finde ich durchaus angemessen. Ariès’ „Geschichte der Kindheit“ ist einfach ein Meilenstein ... Die Aussage des The New York Review of Books kann ich nur bestätigen: „Ohne es wäre unsere Kultur ärmer.“
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