Bierlings "Geschichte des Irakkrieges" leidet an zwei Schwächen. Für die erste kann der Autor nichts. Er schreibt wenig bis nichts, was einem politisch interessierten und aufmerksamen Zeitungsleser nicht bereits bekannt sein dürfte. Wie auch? Er hatte keinen Zugang zu nicht-öffentlichen Quellen. So blieb ihm nichts weiter als Zeitungsartikel, Memoiren oder Interviews auszuwerten. So liest sich das Buch wie eine Nacherzählung der Irakkriegsberichterstattung.
Dies ist vielleicht auch einer der Gründe für Bierlings Hauptthese, dass vor allem die Inkompetenz der Bush-Regierung Ursache für den Irakkrieg gewesen sei und auch für die katastrophale Entwicklung während der Besatzungszeit. Denn die Kalküle der Beteiligten, der Regierung, der Militärs und etwaiger Lobbyisten, die von außen Druck machten, kommen in den tagesaktuellen Medien und sicher auch in den Memoiren der meisten Beteiligten nicht vor. Niemand weiß, was in den Aktenbeständen der Ministerien oder des Weißen Hauses an Informationen, an strategischen, wirtschaftlichen oder sonstigen Überlegungen noch festgehalten wurde. Erst wenn Historiker sich daran machen dürfen, diese Quellen auszuwerten, kann wirklich die Geschichte des Irakkriegs geschrieben werden.
Aber auch jetzt schon kann der Leser mit guten Gründen Bierlings monokausales Erklärungsmuster in Frage stellen. Sicherlich ist es kaum von der Hand zu weisen, dass die Bush-Regierung ein hohes Maß an ideologischer Geschlossenheit und Realitätsverweigerung an den Tag gelegt hat. Doch damit allein ist ein Krieg nicht erklärbar. Eine Analyse mächtiger Interessengruppen in den USA würde sicher auch heute schon Aufschluss darüber geben, wer für und wer gegen den Krieg war und warum. Wie haben Wirtschaft oder Think-Tanks versucht die öffentliche Meinung zu beeinflussen? Hätte Bierling nicht nur im Weißen Haus gesucht, sondern in der US-Gesellschaft, hätte er vielleicht auch andere Ursachen für den Krieg gefunden.
Trotz der wenig überzeugenden Analyse und der wenigen neuen Informationen ist das Buch aber dennoch lesenswert. Es ist eine sehr gut lesbare und faktenreiche Zusammenfassung der Ereignisgeschichte. Dank vieler Belege und einem Personenregister kann es auch gut als Nachschlagewerk benutzt werden. Daher ist es durchaus empfehlenswert für alle am Thema Interessierten.