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Produktinformation
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Eine Strukturgeschichte Indiens
LL. Die indischen und pakistanischen Atomtests des Jahres 1998 haben deutlicher denn je demonstriert, mit welchen Explosionen auf dem Subkontinent zu rechnen ist. Religiös definierte nationale Fanatismen haben seit dem Ende des Kommunismus die nur quasireligiösen Gegensätze der Gesellschaftssysteme abgelöst. Doch schon seit dem ersten indischen Atomtest am 18. Mai 1974 sind die neuen Bedrohungspotentiale klar. Es spricht für die Aktualität der «Geschichte Indiens» von Hermann Kulke und Dietmar Rothermund, der Neubearbeitung eines Buches von 1982, dass sie dieses Datum einbezieht und den historischen Bogen bis zu den jüngsten Aktivitäten der hinduistisch-fundamentalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) spannt. Das Buch kommt ohne ausufernden akademischen Apparat aus. Es hält aber avancierten historiographischen Ansprüchen durchaus stand. Der Strukturgeschichte wird vor der Ereignisgeschichte der Vorzug gegeben. Man erfährt mehr über die Strukturprobleme hinduistischer Reiche, die Spannung zwischen Königen, Fürsten und Priestern als über die Metzeleien der Geschichte. Die hinduistische Kuhschutzbewegung als charakteristisches Beispiel für den Zusammenhang von Religion, Wirtschaft und Gesellschaft wird ebenso berücksichtigt wie neohinduistische Reformbewegungen. Und es spricht für die Offenheit dieser Darstellung, dass sie die für die eingefahrenen Chronologien eigentlich desaströse Umdatierung der Geschichte des Buddhas um ein ganzes Jahrhundert durch den Göttinger Indologen Heinz Bechert zu gebührenden Ehren kommen lässt. Im übrigen eine Geschichte Indiens, die mit einem detaillierten Register vorzüglich als Handbuch zu nutzen ist. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die Strukturierung ist doch recht übersichlich und sofern man mit Sanskrit-Begriffen einigermaßen vertraut ist und sich die vielen Namen merken kann, findet man sich gut zurecht und kann auch bequem nachschlagen. Was mir sehr an diesem Buch gefällt ist, dass die Autoren auch viel im Konkjunktiv schreiben und vermutete Zusammenhänge nicht als belegte Tatsache hinstellen. Gerade im Kapitel über die Induskultur wird deutlich, dass sich die Wissenschaft nicht auf sehr sicherem Grund bewegt und vieles der Interpretation überlassen bleibt. Ein sehr anschauliches Beispiel ist die Beschreibung eines gefundenen Skeletts und dessen Deutung anhand der Lage des Skeletts im Boden im Zusammenhang mit hypothetischen Überfällen. Bei der Beschreibung der arischen Invasion wird auch sehr richtig auf den Ursprung dieser Theorie in der Sprachwissenschaft hingewiesen und dass es letztlich nur Hypothesen sind und keine endgültigen Fakten. Um die Arbeit des Indologen zu veranschaulichen werden auch viele Zitate aus dem Rig Veda angeführt, der oft als historischer Quellentext genutzt wird.
Je weiter man dann sich der Gegenwart nähert, desto umfangreicher wird natürlich die Quellenlage und man kann den Boden der Spekulation verlassen.
Bei allen Qualitäten dieses Werkes ist es doch nicht perfekt, sondern hat auch einen gewichtigen Mangel: Auf Fuß- bzw. Endnoten wurde vollständig verzichtet, worauf auch im Vorwort hingewiesen wird. Stattdessen findet man im Anhang eine Auflistung nutzbarer Literatur für jedes Kapitel, doch ist nicht ersichtlich woher die Autoren nun gewissen Angaben haben, was eine weitere Auseinandersetzung mit dem Stoff erschwert.
Möglich ist ein Verzicht auf Fußnoten deshalb, damit Anfänger sich leichter mit der Materie auseinandersetzen können und nicht durch solche Querverweise verwirrt werden. Ich finde, dies ist kein Grund. Denn wissenschaftliche Arbeit reflektiert sich auch in der verwendeten präzisen Ausdrucksweise, die sicher schwerer zu lesen und verstehen ist, als dass einen Fußnoten verwirren würden.
Alles in allem ist aber ein gutes Buch, das man sich durchaus zulegen kann. Drei Sterne gibt es aber eben nur deswegen, weil keine Fußnoten vorhanden sind, die ich in einer solchen Arbeit für sehr wichtig erachte. In der Schule wird man für fehlende Zeilen- und Quellenangaben schließlich auch gerügt ;).
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