Ein Klassiker der Geschichtsschreibung ist wieder erhältlich. Die "Geschichte des Hellenismus" von Droysen in vollständiger Ausgabe ist eine Bereicherung für jedes Bücherregal. Droysen, einer der berühmtesten Historiker des 19. Jahrhunderts hat nicht nur über die Epoche des Hellenismus geschrieben. Er selbst war es, der diesen bis heute für die Zeit von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung benutzten Begriff für die Epoche, in der die griechische Kultur hegemonial wurde, geprägt hat. Neben der "Geschichte Alexanders des Großen", dem berühmten Band 1 enthält die vorliegende Ausgabe auch die heute weniger bekannten Bände "Die Diadochen" und "Die Epigonen". Insgesamt eine komplette politisch-militärische Geschichte eines ganzen Zeitalters. Allerdings: Wer Ausführungen über Kultur-, Wirtschafts- oder Sozialgeschichte erwartet, wird enttäuscht werden. Droysen war eben noch ganz Historiker des 19. Jahrhunderts, des Zeitalters des Historismus, in der das Primat der politischen Geschichtsschreibung und der personenzentrierten Darstellung ("Große Männer machen Geschichte") uneingeschränkt galt. Deshalb sollte man auch nicht den Fehler machen, zu glauben, dass man nach der Lektüre der drei Bände alle Aspekte dieser Epoche kennt. Im Gegenteil: Selbstverständlich ist Droysens Werk nicht nur nicht auf dem neuesten Forschungsstand, es ermangelt ihm an vielen Fragestellungen, die heutzutage in einer umfassenden geschichtlichen Darstellung einfach Standard sind. Aber diese Binsenweisheit gilt natürlich für sämtliche klassischen Geschichtswerke, angefangen von Herodot über Sueton, Gibbon, Mommsen, Ranke usw. Droysens Werk ist mittlerweile selbst Geschichte geworden. Ein Stück Literatur- und Wissenschaftsgeschichte, mit dem es sich lohnt, sich auch heute noch zu beschäftigen