Spionage und Geheimdienste sind keine Erfindung der Neuzeit, sondern fanden sich schon in der Welt der Antike, wo sich Pharaonen und Wesire etwa eines ausgedehnten Informantennetzwerks bedienten und mit den ersten Straßen auch für den Informationsfluss bedeutende Boten/Nachrichtendienste etabliert wurden. Von Alexander des Großen selbst ist sogar übermittelt dass er sich eigener Feldspione bediente um seine Gegner auszukundschaften. Zu Bedenken gilt natürlich, wie Wolfgang Krieger anmerkt, dass die Trennung zwischen zivilen und militärischen Organisationen damals längst noch nicht gegeben war und Nachrichtendiensten in ihrer modernen bürokratischen Form erst im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts der Durchbruch gelang.
Die Entwicklung vom antiken Kundschafter und Boten zum modernen Agenten und Spion ist faszinierend und dennoch ist dieses Themengebiet im deutschen Sprachraum noch ziemlich unerforscht, während es in den USA unter Historikern längst sehr lebendige Diskurse und eine eben so hohe Zahl an Veröffentlichungen gibt. Umso begrüßenswerter also wenn sich ein noch dazu im wissenschaftlichen Beirat des französischen Verteidigungsministerium sitzender Experte diesem Thema zuwendet und eine vor allem für Laien verständliche, weil spannende und äußerst lebendig erzählte, Abhandlung über die Geschichte der Geheimdienste vorgelegt hat.
Die Stärke des Werks liegt dabei auch in der Geschlossenheit der Erzählung, denn ein neues Kapitel bedeutet nicht gleich dass der Handlungsfaden abreißt. Krieger gelingt es ohne größere Probleme von einer Epoche in die andere überzuleiten und das Interesse des Lesers wach zu halten, indem er eben nicht nur einen Abriss der geschichtlichen Entwicklung liefert, sondern auch auf die geheimdienstlichen Praktiken eingeht und das Ganze zusätzlich mit einigen grundsätzlichen Fragen anreichert. Gegen Ende hin wendet er sich schließlich den aktuellen und im Zuge von 9/11 virulent gewordenen Fragestellungen zu, wie weit Geheimdienste gehen dürfen und ob eine ausreichende staatliche Kontrolle in einer Demokratie überhaupt noch zu gewährleisten ist.
Fazit:
Faszinierend, spannend und anspruchsvoll, ein uneingeschränkt empfehlenswertes Werk für Interessierte.