Wolfgang Kemps GESCHICHTE DER FOTOGRAFIE ist eine sehr kurze, dennoch präzise und vor allem überaus spannende Einführung in die oft bearbeiteten, oft unübersichtlich erscheinenden und oft verzettelten Darstellungen der Entwicklung der Fotografie seit 1839. Kemp betritt mit seiner geschichtlichen Aufarbeitung in gewisser Weise Neuland, wenn er den Schwerpunkt auf die künstlerische Fotografie legt. Die Geschichte der Fotografie unter dem Primat der künstlerischen Äußerung zu betrachten, ist neu, notwendig und angemessen: Sie ist neu, weil bislang technische und kommerzielle Aspekte der Fotografie den Blick versperrten. Sie ist notwendig, da in Zeiten des inflationären Umgangs mit "fotografisch" erstellten Abbildern der Wert der Fotografie mehr und mehr an Bedeutung verliert. Und sie ist angemessen, da nicht der Fotoapparat, sondern der Fotograf das Bild macht und sich daher im Bild nicht der Geist der Technik, sondern der des schaffenden Individuums zeigt. Wolfgang Kemps GESCHICHTE DER FOTOGRAFIE trägt wesentlich dazu bei, in der Fotografie mehr als ein Reproduktionsmittel zu sehen, sie bindet die Fotografie in das Feld der Kunstgeschichte ein.