M. Salewski stellt auf gut 1100 Seiten die europäische Geschichte vom Ende des Neolithikums bis zum Zusammenbruch des Ostblocks dar, gegliedert in die Teile Altertum (bis Seite 256), Mittelalter (bis S. 600) und Neuzeit (bis S. 1108).
Es gelingt ihm dabei sehr gut, einen roten Faden durch die zum Teil doch sehr unterschiedlichen historischen Strömungen der einzelnen Gebiete Europas zu ziehen; hervorheben möchte ich dabei, dass er es dabei verstanden hat, Querverweise darzustellen, die Beziehungen zwischen den einzelnen Handlungssträngen hervorzuheben. Dadurch ist es dem Leser möglich, Verknüpfungen zwischen geschichtlichen Prozessen in England, Frankreich, Deutschland oder auch Russland miteinander zu korrelieren. Ich halte dies Buch für eine der besten Gesamtdarstellungen der europäischen Geschichte, die ich bis dato gelesen habe und hat mein Verständnis für historische Prozesse Europas geschärft.
Entgegen der Meinung meines Vor-Rezensenten bin ich (ich bin Laie und habe beruflich nichts mit Geschichte zu tun) nicht der Meinung, dass ein extrem ausgeprägtes Vorwissen zum Verständnis des Buches erforderlich ist. Sicher, es handelt sich um eine Übersicht über 4000 Jahre Europa von Großbritannien, Portugal bis Russland und Byzanz und entsprechend sind natürlich auch viele Namen einzuordnen; es gelingt aber m. E. Salewski, eine sorgfältige Auswahl zu treffen, so dass mir der Umfang gerade richtig erscheint. Es ist dem Autor gelungen, in diesem umfangreichen Werk darzulegen, warum wir wurden, was wir sind. Worin liegt die geschichtliche Begründung für die Nahtstellen (wie der Balkan) Europas? Welche kulturellen und politischen Fäden ziehen sich von der Antike bis zur Aufklärung der Neuzeit? Wie haben sich Machtzentren und Staaten in diesen turbulenten Millennien herausgebildet? Dies Buch hat dies exemplarisch sehr gut dargestellt und lädt immer wieder zum Schmökern ein. Kein Buch wie die viel zitierten Standardwerke wie Ploetz, dtv-Atlas oder Chronik, die überwiegend chronologisch aufgebaute Übersichten geben, sondern ein kurzweiliger Abriss mit zahlreichen Querverweisen über die Zeiten hinweg, die die Lektüre sehr kurzweilig erscheinen lassen.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es doch: Salewski ist äußerst sparsam mit Jahreszahlen umgegangen; kurze Daten über die Lebensdaten einzelner Personen oder kurze chronologische Angaben zum Ablauf der geschichtlichen Ereignisse (in Klammern hinter den Namen oder als Randnotiz) hätten mir die Lektüre etwas erleichtert. So ist es ganz hilfreich, neben dem Buch eines der Standardwerke der Geschichtsdaten (s. oben) daneben liegen zu haben. Das schmälert aber nicht den Gesamteindruck, den dies Buch in meinen Augen als rundherum gelungenen Abriss der europäischen Geschichte hinterlassen hat; und auch nicht die 5-Sterne-Bewertung. Es ist ein ausgezeichneter Einstieg für Geschichtsinteressierte (ich würde es auch Leistungskurslern in der Oberstufe empfehlen), der Appetit darauf macht, sich vielleicht näher mit einzelnen Epochen oder Gebieten zu beschäftigen.