Neue Zürcher Zeitung
Geschichte der Ethik, II
lx. Seinem Band «Geschichte der Ethik. Antike» (1997) lässt der Darmstädter Philosoph Michael Hauskeller mit einem Mittelalter-Band nun eine Fortsetzung folgen. Darauf hinweisend, dass jede Epochenbezeichnung das Vorhandensein von eindeutigen historischen Abgrenzungsmerkmalen im Grunde nur suggeriere, befreit sich Hauskeller gleich zu Anfang von allzu strengen Schematisierungen: Er lässt das Mittelalter bereits mit Augustinus, also im 4. Jahrhundert n. Chr., beginnen. Begründet wird diese historisch eigenwillige Setzung damit, dass Augustinus der erste Denker war, welcher der neuen, christlichen Ethik ein tragfähiges philosophisches Fundament gegeben habe; ein Fundament, ohne das die kommende «mittelalterliche» Ethik gar nicht denkbar gewesen wäre. Neben einem Grundlagenkapitel zu Augustinus enthält der Band zwei weitere Teile; einer stellt das Denken des «Ketzers» Abälard vor, der dritte Teil die Lehre des Thomas von Aquin. Alle drei Teile verfügen über ein ausführliches Quellen- und Literaturregister. Angekündet sind zwei weitere Bände: Neuzeit und Gegenwart.